Satelliten wurden nach ersten Erkenntnissen nicht gestört.

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Science
04/02/2020

1.400 Jahre altes Rätsel um rote Zeichen am Himmel gelöst

Im Jahr 620 sah man in Japan eine ungewöhnliche Form am Nachthimmel, die einem Fasanenschwanz glich.

Es ist die älteste Aufzeichnung eines Himmelsphänomens in Japan: Am 30. Dezember 620 erschien ein rotes Zeichen, das wie ein Fasanenschwanz geformt war. Damals werteten die Menschen das als schlechtes Omen. Heute haben Forscher mit moderner Technik versucht, dem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Komet oder Polarlicht

Bisher gingen Wissenschaftler von zwei möglichen Ursachen aus: Ein Komet oder ein in diesen Breitengraden seltenes Polarlicht könnten für das Zeichen verantwortlich sein. Am Nationalen Institut für Polarforschung Japan haben sie sich daher vor allem die Form genauer angesehen, mit der das Phänomen damals beschrieben wurde.

Die Komet-Hypothese verwarfen die Forscher recht schnell. Kometen seien selten rot gefärbt, erklärt Ryuho Kataoka, einer der Mit-Autoren der Studie. Daher wandte man sich der Theorie zu, es könnte sich tatsächlich um Aurora Borealis gehandelt haben. Dieses Phänomen ist meist nur in Polarnähe zu beobachten, bei besonders starker Sonnenaktivität kann es aber auch weiter von den Polen entfernt auftreten.

Magnetischer Sturm

Polarlichter kennt man meist als grün leuchtend, sie können aber auch rot gefärbt sein. Die Farbe ändert sich, je nachdem in welcher Höhe die für die Lichter verantwortlichen Sonnenwinde auf die Sauerstoffatome in unserer Atmosphäre treffen. Entstehen die Lichter weiter von den Polen entfernt und damit in größerer Höhe, leuchten sie eher rot.

Allerdings liegen sie meist wie ein geschwungenes Band am Himmel, nicht wie ein Fasanenschwanz. Die Forscher veränderten ihren Blick auf den Nachhimmel deshalb so, wie die Menschen ihn vor 1.400 Jahren gesehen hatten. Damals lag der magnetische Breitengrad bei 33 Grad und nicht wie heute bei 25 Grad.

Durch den Perspektivwechsel konnten sie herausfinden, dass ein starker magnetischer Sturm die Aurora Borealis so verzerrt hatte, dass sie für die Beobachter in Japan wie der beschriebene Fasanenschwanz ausgesehen habe. Nachdem dieses alte Rätsel gelöst scheint, wollen die Forscher weiteren ungeklärten Phänomenen aus der Vergangenheit auf den Grund gehen.