Science
13.11.2018

Ärztekammer: "Internet-Doktor" ist Geschäftsmodell, kein Arzt

Ärztekammer-Veranstaltung: Der angeblich "bessere Arzt" kann nur das, was man in ihn hineinsteckt.

Die Digitalisierung greift auch in der Medizin um sich. Doch die Technik kann nur unterstützen, was am Schluss echtes ärztliches Handeln mit Hinblick auf den individuellen Patienten bedeutet, hieß es am Dienstagnachmittag bei einer "In Fusion"-Veranstaltung der Österreichischen Ärztekammer in Wien. Unter dem Titel "Digi Rob - Der bessere Arzt?" hatte die Österreichische Ärztekammer zu einem Symposium und einer Podiumsdiskussion eingeladen. Im Internet greifen gesundheitsbezogene, mehr oder weniger angebliche oder wirkliche Dienstleistungen um sich. Der "Internet-Doktor", das schnell ausgestellte elektronische Arzneimittelrezept und viele andere Dinge kursieren da.

"Hinter den meisten Angeboten steckt ein rein kommerzielles Interesse", sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres. Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sei aber zu beachten: "Die Zukunft passiert nicht, sie wird von uns gemacht." An sich gibt es die Digitalisierung in der Medizin schon seit Jahrzehnten. 1966 wurde das erste System zur EDV-mäßigen Auswertung von EKG-Kurven vorgestellt. Trotzdem ist die immer schneller werdende Entwicklung ein brisantes Thema. "Die Digitalisierung ist eine große Herausforderung für den niedergelassenen Arzt", sagte der Ärztekammer-Bundeskurienobmann für der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart.

Keine Angst vor Robo-Doc

In den Krankenhäusern sind EDV und Datenauswertungen ebenfalls längst gelebte Praxis. Allerdings, wie Harald Mayer, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, erklärte: "Die Rechtssicherheit ist ein Faktor, unter dem wir leiden, hinter der wir uns aber auch verstecken." Juristische Fragen würden in diesem Zusammenhang leicht überbewertet. Angst vor einer Konkurrenz durch einen "Robo-Doc" braucht im Endeffekt kein "gestandener" Arzt zu haben, vor allem nicht unter dem Titel der Pensionierungswelle, die bei den Medizinern in den kommenden Jahren in Österreich buchstäblich schlagend wird. "Der Computer kann nur das, was er erlernt hat", sagte Adolf Sonnleitner vom Linzer Software-Unternehmen "Mindbreeze".

Schon beim ersten angeblichen "Schachcomputer" aus dem Jahr 1769, gegen den Napoleon in Wien spielte, hat es sich um einen "getürkte" Maschine gehandelt. Unter dem Schachbrett saß ein Mensch, der über einen ausgefeilten Mechanismus die Figuren auf dem Schachbrett verschob. "Algorithmen sind dort stark, wo es klare Regeln gibt", betonte Sonnleitner. Das ist aber in der Medizin nur teilweise der Fall. Nicht "der Mensch gegen die Maschine", sondern "der Mensch mit Maschine" werde die Zukunft der Medizin prägen. Das ist aber im Grunde nicht neu, verändert auch die Wertigkeit eines Arztes - im Gegensatz zu irgendwelchen Robo-Docs - überhaupt nicht.