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Projekt
04/24/2012

Bald real: Rohstoff-Gewinnung aus Asteroiden

Bei der Unternehmens-Präsentation von Planetary Resources wurden fantastisch anmutende Pläne zum Bergbau im All enthüllt. Die dafür notwendige Technologie und Transportmittel existieren, finanzkräftige Investoren wie Google-CEO Page, Ex-CEO Schmidt oder Weltall-Tourist Simonyi sind ebenfalls an Bord.

von David Kotrba

Wie bereits seit einigen Tagen

, stellte das neue UnternehmenPlanetary Resourcesam Dienstag seine Pläne zur Rohstoff-Gewinnung im Weltall vor. Womit spekuliert wurde, was aber vielen als verrückte Idee erschien, ist dabei tatsächlich angekündigt worden: Das Unternehmen will Materialen, die auf der Erde nur in begrenzten Mengen existieren, aus Asteroiden gewinnen. Neben visionären Führungspersönlichkeiten besitzt Planetary Resources eine illustre Runde an Investoren: Google-CEO Larry Page, sein Vorgänger Eric Schmidt, Regisseur und Tiefseeforscher James Cameron sowie Microsoft-Entwickler und Weltall-Tourist Charles Simonyi sind nur vier davon.

 

Notwendige Technologie existiert

Mitbegründet wird Planetary Resources von Peter Diamandis, dem Gründer der X Prize Foundation. Deren X Prize Challenge führte 2004 zum ersten erfolgreichen Raumflug eines privaten Raumschiffs (SpaceShipOne). Bei der Vorstellung seines Unternehmens betonte er die Existenz von geeigneten Mitteln in der Robotik und die Existenz geeigneter Trägerraketen, die den Bergbau auf Asteroiden zu einem durchführbaren Vorhaben machen. Nicht zuletzt stehen auch finanzkräftige Investoren hinter Planetary Resources.

Weltall als grenzenlose Vorratskammer
Der zweite Mitbegründer, Eric Anderson, zeigt sich von der Vorreiterfunktion seines Unternehmens überzeugt. Anderson ist der festen Überzeugung, Planetary Resources sei nur das erste einer Reihe von Unternehmen, die im Weltall nach Ressourcen jagen werden. Er stellt klar, dass es bei seinem Projekt um Asteroiden in Erdnähe gehe. Auf Asteroiden könne man eine große Vielfalt an Materialien gewinnen. Wasser könnte beispielsweise in Wasserstoff (als Raketen-Treibstoff) und Sauerstoff (etwa für längere Weltall-Missionen) aufgespalten werden.

Insbesondere gehe es aber um das reichliche Vorkommen von wertvollen Metallen. Auf Twitter stellt Planetary Resources das Potential dar. Ein Asteroid mit einem Durchmesser von 1,5 Kilometern und reichen Platin-Vorkommen könnte einen Wert von 2,9 Billionen Dollar erreichen und alle Platin-Vorräte auf der Erde übertreffen. Weitere Möglichkeiten des All-Bergbaus legt das Unternehmen in einer Infografik dar.

Kostengünstige Raumschiff-Flotte

Konkret soll eine ganze Flotte von Raumschiffen entstehen, um Asteroiden in Erdnähe abzufangen. Eigene Weltall-Teleskope sollen sich zunächst um die Ortung des Rohmaterials kümmern. Derartige Sonden könnten laut Anderson innerhalb von 24 Monaten gebaut und gestartet werden. Nach einer erfolgreichen Ortung und Analyse sollen Schwärme von Bergbau-Sonden ausrücken und den Asteroiden bewirtschaften.

Chris Lewicki, zuvor bei der NASA für das Mars-Rover-Programm zuständig, schätzt die Kosten für Entwicklung und Bau von Bergbau-Robotern auf eine Pro-Stück-Summe im einstelligen Millionen-Dollar-Bereich. Eine ganze Mission soll im zweistelligen Millionen-Rahmen bleiben. Diese Zahlen sollen laut Lewicki durch schnelle, aber riskante Entwicklung von Raumfahrzeugen machbar sein.

Ölgewinnung teilweise komplizierter
Ex-Astronaut Tom Jones spricht davon, dass derzeit ca. 1.500 Asteroiden erreichbar seien. Einige dieser Asteroiden müssten nicht einmal mit aufwändigem Minengerät bearbeitet werden, sondern stellen sich eher als lose Materialhaufen dar. Teilweise sei sogar die Gewinnung von Erdöl aus großen Tiefen komplizierter als Zugang zu einem Asteroiden zu gewinnen. Die Wertschöpfung aus extraterrestrischen Objekten sei ein logischer Schritt zum Aufbau einer permanenten Präsenz der Menschheit im All.

Planetary Resources rechnet jedenfalls mit der Gründung einer billionenschweren Industrie. Der erste Schritt ist der Start eines Weltraumteleskops, das die Bezeichnung Arkyd-100 trägt. Dieses Teleskop ist bereits entwickelt und soll innerhalb der nächsten zwei Jahre gestartet werden können. Zum Risiko eines derart futuristischen Unternehmens meint Mitbegründer Eric Anderson: "Wir könnten scheitern, aber wir glauben, das wir das schaffen können."