Science
22.01.2018

Data Intelligence: Viel möglich, aber nicht alles erlaubt

Mit Allan Hanbury bekommt die TU Wien ihren ersten Professor für Data Intelligence. Zusammenarbeit mit TU Berlin, T-Mobile Austria und Deutscher Telekom.

Der aus Südafrika stammende Informatiker Allan George Hanbury übernimmt die neue Stiftungsprofessur Data Intelligence an der Technischen Universität Wien. Darauf aufbauend wird auch ein neues Master-Studium in diesem Bereich angeboten. Die Professur wird in Zusammenarbeit mit der TU Berlin eingerichtet, mit Unterstützung durch T-Mobile Austria, Deutsche Telekom AG und den Telekom Innovation Laboratories. Bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Professors betonten Vertreter aller beteiligten Partner die Bedeutung von Forschung für die Bewältigung der Herausforderungen durch die voranschreitende Digitalisierung.

Hanbury erklärte bei der Präsentation, dass er seine Aufgabe im Schlagen von Brücken zwischen theoretischen Ansätzen und Anwendungen in der Wirtschaft sehe. Als Beispiele aus seiner Forschungsarbeit präsentierte er die Analyse von Berichten von Banken-CEOs, die eine Prognose über das Risikoverhalten der Finanzinstitutionen bei der Kapitalveranlagung erlaubt und die softwarebasierte Zusammenfassung von medizinischen Forschungsergebnissen, die bei Entscheidungen zur Allokation künftiger Forschungsgelder helfen kann.

Datenschutz und Gesellschaft

Gegenüber der futurezone sagte Hanbury, dass auch Datenschutz und Auswirkungen seiner Arbeit auf die Gesellschaft wichtige Themen seien: “Auf unserem Gebiet ist heute viel möglich, aber nicht alles erlaubt. Wir halten auch Auswirkungen auf die Gesellschaft im Auge.” Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sieht der Professor bei seinem Tätigkeitsfeld kaum. “Wir arbeiten hauptsächlich an Lösungen für Experten, beispielsweise Radiologen, die nicht einfach wegrationalisiert werden können.” Ziel sei es, die steigende Arbeitslast für solche Profis bewältigbar zu halten. Dabei soll die Technologie möglichst im Hintergrund bleiben, um bestehende Arbeitsabläufe nicht zu stören.

Die zunehmend undurchsichtige Arbeitsweise von Algorithmen ist für Hanbury ebenfalls ein wichtiges Thema. Mit seiner Firma “Context Flow” erarbeitet er Lösungen auf diesem Gebiet. “Wir haben für Radiologen Systeme entwickelt, die zu jedem Ergebnis bei der Analyse von Aufnahmen passende Literatur anzeigt, die eine Diagnose stützt”, sagt Hanbury. Die größten Auswirkungen in der Praxis verortet der Datenexperte in absehbarer Zeit in der Medizin und im Bereich der industrie 4.0. “Wir haben etwa fabriksinterne soziale Netzwerke entwickelt, in denen auch Maschinen posten können. So kann die Nachricht ‘ich überhitze’ effizient an Verantwortliche weitergereicht werden”, erklärt Hanbury.

Die steigende Datenflut sieht der frischgebackene Professor weniger als Problem. “Speicher wird immer billiger. Wir nähern uns dem Punkt, an dem es möglich wird, einfach alles zu speichern. Die Gratwanderung ist, die Informationen effizient zu nutzen”, sagt Hanbury.

Zur Person:
Hanbury, der in Südafrika geboren wurde, studierte Angewandte Mathematik und Physik an der Universität Kapstadt. 2002 erhielt er sein Doktorat von der MINES ParisTech (Frankreich). Sechs Jahre später habilitierte Hanbury in Informatik an der TU Wien. Als Co-Founder des Spin-offs contextflow bringt er nicht nur fundierte Erfahrungen in der Grundlagenforschung, sondern auch in der unternehmerischen Umsetzung mit. Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt in der semantischen Textanalyse, bei der eine große Menge an Text möglichst automatisiert untersucht wird, um Ergebnisse daraus zu filtern und neue Zusammenhänge aufzeigen zu können. Hanburys Forschungen dazu fanden bereits Anwendung in der Analyse von medizinischen Publikationen wie auch in der Patentsuche und in Bereichen der Industrie 4.0.