Science
16.11.2018

Deutsche Phantom-Zwillinge werden zu Forschungszwecken im All verstrahlt

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt will herausfinden, wie gefährlich radioaktive Strahlung im All wirklich ist.

Helga und Zohar werden die ersten Passagiere des neuen NASA Orion-Raumfahrzeugs sein, das Ende nächsten oder übernächsten Jahres Richtung Mond startet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Menschen, sondern um sogenannte "Phantome", welche die Auswirkung der radioaktiven Strahlung im All messen sollen. Diese Testdummies fürs All werden vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln entwickelt und zusammengesetzt.

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Das Experiment namens MARE (Matroshka AstroRad Radiation Experiment) soll zeigen, wie lange sich Menschen unbeschadet im Weltraum aufhalten können. Die Daten sind für künftige Langdistanz-Flüge entscheidend. Helga und Zohar sind weiblichen Körpern nachempfunden und bestehen aus jeweils 38 Scheiben. In ihrem Inneren haben sie über 5600 passive Detektoren sowie 16 aktive Detektoren, die die Strahlung während des Flugs messen werden. Die beiden Zwillinge werden sich lediglich in einem unterscheiden: Die eine trägt die Strahlenschutzweste AstroRad, die andere nicht.

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Die Strahlenschutzweste wurde vom israelischen Unternehmen StemRad entwickelt, das von der israelischen Raumfahrtagentur ISA gefördert wird. Sie wird den Oberkörper, aber auch die blutbildenden Organe und die Gebärmutter abdecken. Die 95 Zentimeter großen Testpuppen sind dafür extra mit Kunststoff-Knochen unterschiedlicher Dichte, Lunge, Magen, Gebärmutter und Knochenmark ausgestattet worden, die mit den tausenden Strahlungsdetektoren bestückt werden.

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Erfahrungen mit der Messung von Strahlung im All hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt bereits. Im Rahmen des Matroshka Experiments, wurde ein männliches Phantom in den Jahren 2004 bis 2011 sowohl im Inneren als auch an der Außenseite der Internationalen Raumstation ISS der Strahlung ausgesetzt wurde.

Auch innerhalb des europäischen Forschungslabors Columbus misst das DLR derzeit, welche Belastung dort herrscht. Die Anzahl der Astronautinnen werde immer größer, daher hat man sich für ein weibliches Dummy für das neue Experiment entschieden, so DLR-Wissenschaftler Thomas Berger.

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Bevor der bis zu 42 Tage dauernde Flug zum Mond und die Rückkehr zur Erde beginnen können, kommen auf Helga und Zohar noch einige Tests zu. In einem ersten Test am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen wurde Helga bereits den Vibrationen ausgesetzt, die sie beim Start mit dem NASA Space Launch System erfahren wird. Ein erster Fit-Check, wie sich Helga und Zohar auf den Passagiersitzen der Orion-Kapsel befestigen lassen, wird im Frühling des kommenden Jahres in den USA durchgeführt.