Das Arbeitsschiff Island Victory von VARD hat mit 477 Tonnen den derzeit größten Pfahlzug der Welt.
Schiffe mit Atomantrieb könnten die Zukunft sein
Geht es nach dem norwegischen Unternehmen VARD, dann werden künftige Arbeitsschiffe mit einem Atomantrieb ausgestattet. 2024 hat VARD bereits eine Machbarkeitsstudie vorgelegt und 3 Reaktortypen für sein NuProShip ausgewählt. Derzeit prüft VARD, wie sich die Technik auf hoher See schlagen würde. Das sind wichtige Vorbereitungen für den Bau des ersten Prototyps.
Die meisten Schiffe fahren heute mit Dieselmotoren. Diese belasten die Umwelt und zwingen Reedereien zum häufigen Tanken. Im Militärbereich ist das anders: Flugzeugträger und Atom-U-Boote fahren dank nuklearer Druckwasserreaktoren jahrelang ohne Nachtanken zu müssen.
In zivilen Schiffen findet man solche Reaktoren jedoch bisher kaum. Die Antriebe gelten zum einen als sehr teuer. Dazu kommen die gesundheitlichen Risiken durch radioaktive Strahlung.
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Zivile Nuklearschiffe für Offshore-Standorte
VARD will mit neuen Reaktortypen künftig kleinere Atom-Schiffe für kommerzielle Zwecke bauen. Sie könnten etwa beim Bau von Ölplattformen und Offshore-Windparks eingesetzt werden oder diese mit Gütern beliefern.
Die neue Schiffsgeneration soll mit neuartigen Atomantrieben im Kleinformat ausgestattet werden. Bei einem 2024 abgeschlossenen Projekt wählte VARD aus mehreren Dutzend Reaktortypen bereits 3 konkrete Typen aus, die man im NuProShip einsetzen könnte.
Diese Reaktoren waren im Rennen
Ein erster Kandidat wäre ein Fluorid-Hochtemperatur-Flüssigreaktor von Kairos Power. Auf dessen Mini-Reaktoren setzen auch Tech-Konzerne wie Google.
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Das 2. System ist der heliumgekühlte Gasreaktor von UltraSafe, der sich besonders für den Einsatz unter Extrembedingungen eignet, wie bei Stürmen auf hoher See. Im norwegischen Schiff könnte ein heliumgekühlter Hochtemperatur-Mikroreaktor eingesetzt werden, der ähnlich wie der Micro Modular Reactor des Unternehmens funktioniert.
Ein 3. Reaktortyp kommt vom schwedischen Unternehmen Blykalla. Dieser Reaktor verwendet ein einzigartiges Kühlsystem mit Blei und Uranoxid als Brennstoff.
Derzeit testen Experten, welches dieser Systeme sich für einen Prototypen am besten eignet. Der gewählte Reaktortyp soll später die Hauptenergiequelle für das gesamte Schiff werden. VARD muss außerdem klären, wie sich Atomschiffe so bauen lassen, dass das Risiko für Besatzung und Umfeld möglichst klein bleibt.
System von UltraSafe dürfte Favorit sein
In der neuesten Aussendung von VARD klingt es so, als wäre der Favorit derzeit der heliumgekühlte Reaktor von UltraSafe. Zusätzlich untersucht das Team von VARD, welche Energiespeicher man auf dem neuartigen Schiff einsetzen könnte. Das Team untersucht auch Turbinen, die superkritisches CO₂ nutzen und sehen auch thermische Akkus als Alternative zu konventionellen Batterien.
Außerdem analysiert das Team zusammen mit Versicherungsunternehmen genau, wie das Risikoprofil eines solchen Schiffes mit den 3 verschiedenen Antriebstypen aussehen würde. Nach dem Abschluss der 2. Phase der Forschung will VARD einen Prototypen bauen und zeigen, dass er serienreif ist.
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© VARD
Modernes DP-Schiff
Der Prototyp soll ein DP-Schiff werden. Als solches bezeichnet man Schiffe, bei denen ein Computersystem die Positionshaltung an einer bestimmten Stelle übernimmt. Damit muss das Boot weder ankern noch auf andere Weise befestigt werden.
An solchen Schiffen befinden sich Lagesensoren und spezielle Antriebe. Durch gezielten Kraftaufwand und Drehungen bis zu 360 Grad können die Computersysteme die Schiffe an einer festen Position halten. VARD sagt, dass das DP-Level bis DP3 erweiterbar sei: Solche Schiffe können die Position selbst dann halten, wenn ein Feuer oder ein Leck einen Teil des Schiffes beschädigt hat.
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Querschnitt eines modernen Arbeitsschiffs mit visualisiertem nuklearem Antriebssystem.
© VARD
Zulassung alles andere als gewiss
Trotz der Bemühungen und der frühzeitigen Einbindung von Versicherungsunternehmen, wird die Zulassung des neuen Schifftyps irgendwann eine große Hürde - auch wenn erste Konzepte vielversprechend sind. Denn selbst wenn sie es schaffen, die Betriebskosten niedrig zu halten, bliebe das im Vergleich zu Dieselmotoren wesentlich höhere Gesundheitsrisiko für die Crew.
Das Schiffsbauunternehmen VARD betreibt 10 Werften in Norwegen, Rumänien, Brasilien und Vietnam. Das zum italienischen Konzern Fincantieri gehörende Unternehmen baut vorwiegend Arbeitsschiffe für Ölplattformen. Dazu zählen auch der Ankerziehschlepper Far Samson und Island Victory. Das sind die stärksten Schlepper, die je gebaut wurden. Die Flotte umfasst aber auch Forschungs- und Aufklärungsschiffe sowie Kreuzfahrtschiffe.
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