Science
19.05.2014

Fujitsu züchtet Kalium-freien Kopfsalat in Reinräumen

Der Elektronikkonzern Fujitsu hat vor kurzem begonnen, Salat anzubauen. Das Hightech-Grünzeug wird in Reinräumen produziert, in denen früher Mikrochips hergestellt wurden.

Fujitsus Hightech-Salat wird in Hydrokultur unter künstlichem Licht angebaut. Der Konzern hat ehemalige Reinräume für die Mikrochipherstellung so umgebaut, dass 2.000 Quadratmeter Anbaufläche für Kopfsalat entstanden sind. Dementsprechend sehen die in weißen Kitteln und Haarnetzen verhüllten Salatzüchter weniger wie traditionelle Bauern, sondern eher wie Chiptechniker aus. Fujitsu erntet nach jeweils 50 bis 60 Tagen Auffzucht 3.500 Kopfsalate pro Tag. Unter dem Namen "Kirei Yasai" wird das Hightech-Gemüse derzeit hauptsächlich als PR-Gag verschenkt. Dahinter versteckt sich ein Wortspiel, der Name kann entweder als sauberes oder schönes Gemüse übersetzt werden. "Das Projekt ist Teil eines mit Regeirungsmitteln geförderten Wiederaufbauprojekts in der Region um Fukushima, wo viele Glashäuser durch den Tsunami von 2011 zerstört wurden", erklärt ein Fujitsu-Vertreter gegenüber der futurezone.

Fujitsu verspricht, durch den Anbau im Reinraum den Gehalt an Spurenelementen im Salat kontrollieren zu können. Der Kaliumgehalt des sauberen Salats soll sich mit 100 Milligramm pro hundert Gramm deutlich unter dem von herkömmlichen Produkten bewegen. Auch der Nitrat-Anteil soll deutlich geringer sein, wodurch ein milderer Geschmack entsteht. Im futurezone-Test erwies sich der Salat tatsächlich als sehr mild. Dadurch, dass die Verhältnisse im Reinraum - etwa PH- und CO2-Werte, Nährstoffzufuhr oder Beleuchtungszeiten - exakt überwacht und eingestellt werden können, soll auch die Verwendung von Pestiziden überflüssig werden. Der Salat hält sich laut Fujitsu im Kühlschrank bis zu vier Wochen. Ein Problem ist allerdings die Energieversorgung. "Durch die künstliche Beleuchtung ist der Anbau wenig nachhaltig", so der Fujitsu-Vertreter. Ein Anbau unter Sonnenlicht wäre ebenfalls möglich, dann könnten die Kosten drastisch gesenkt werden. Energie macht etwa die Hälfte der finanziellen Mittel für die Produktion aus.

Kein Einstieg in die Gemüseproduktion

Das ist für Fujitsu aber kein Problem. "Wir planen nicht, Umsätze mit Salat zu machen", erklärt Fujitsu-Präsident Masami Yamamoto gegenüber der futurezone. Bei dem Projekt handelt es sich stattdessen um den Versuch, die Landwirtschaft zu überzeugen, dass moderne Datenverarbeitungs- und Kommunikationstechnik viele Vorteile mit sich bringen kann. Ernährungssicherheit sei weltweit ein wichtiges Thema und Fujitsu wolle mit seinen ICT-Lösungen dazu beitragen, die Herausforderung zu bewältigen, so Yamamoto weiter: "Wir wollen zeigen, dass auch ein Technologiekonzern Kopfsalat züchten kann. Die Agrikultur soll sich fragen, was dann erst für sie möglich wäre, wenn sie die bestehenden Techniken einsetzen würde. Hier gibt es viel Raum für Innovation."

Disclaimer: Die futurezone reiste auf Einladung von Fujitsu nach Tokio.