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Science
08/23/2019

"Habt keine Angst vor künstlicher Intelligenz"

Bei den Alpbacher Technologiegesprächen wurde über die neuen Möglichkeiten durch künstliche Intelligenz und darüber, wie sie wahrgenommen wird, diskutiert.

von Andreea Iosa

„Künstliche Intelligenz wird als Bedrohung gesehen.“ Mit diesen Worten leitete Jean-Pierre Bourguignon, Präsident des Europäischen Forschungsrats (ERC), die Auftaktkonferenz zu den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen rund um das Thema „Künstliche Intelligenz und Sicherheit“ ein. 

Die globale digitale Vernetzung umfasst fast alle Bereiche des Lebens – besonders KI verspricht in Disziplinen wie Medizin oder Bild- und Datenanalysen große Potenziale. Die Vernetzung dieser Systeme bringt aber auch Gefahren mit sich. Durch KI werden einerseits Cyberangriffe erleichtert, sie ist jedoch auch bei deren Abwehr essenziell.   Das ruft bei vielen Unsicherheit hervor. Diese gilt es laut Bourguignon zu überwinden. 

„Größtes Risiko“

Onlinesicherheit ist das größte Risiko unserer Zeit“, sagt Anne-Marie Chun Witt vom US-amerikanischen Technologieunternehmen Synack. 19 Milliarden Geräte sind derzeit mit dem Internet verbunden – und es werden mehr. Cybersicherheit zu gewährleisten, wird daher immer schwieriger – es entstehen Lücken, die Cyberangriffe  zunehmend ermöglichen.  Um diese zu schließen, ist für Chun Witt eine Mensch-Maschinen-Kooperation unerlässlich. „Menschen sind kreativ, aber nur begrenzt.“ Maschinen hingegen können gut messen, aber nicht denken. Die Zukunft von Onlinesicherheit sei daher eine erweiterte Intelligenz von menschlichen und künstlichen Akteuren. Während geprüfte menschliche Talente nach Verwundbarkeiten der Onlinesicherheit suchen, biete KI  zusätzliche Hilfe beim Messen der Daten. 

Ein System zu entwickeln, das sicher ist, ist laut Stefan Mangard vom Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie an der Universität Graz  jedoch äußerst komplex. 

Angst durch Hollywood

„Künstliche Intelligenz kann helfen und sie kann schaden“, ergänzt KI-Pionier Sepp Hochreiter, Leiter des Instituts für Machine Learning an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz. Dieses zweischneidige Schwert macht  vielen Laien Angst und wurde schon früh begründet. „Die Grundangst, die man aufbaut, wird von der Filmindustrie hergenommen und gestärkt“, sagt Hochreiter im futurezone-Interview. Geprägt wurde sie unter anderem von Science-Fiction-Romanen und Hollywoodfilmen wie „Matrix“, „Terminator“ oder der Serie „Raumschiff Enterprise“. „Man hatte Sorge, dass die Maschine klüger ist als wir“, sagt der Experte. Sein Plädoyer: „Habt keine Angst vor KI, sondern versucht sie zu verstehen, ihre Gefahren, Grenzen und ihr Potenzial.“  

Grundlagen aus Europa

Was wenige wissen: Viele KI-Entwicklungen kamen aus Europa, wie Hochreiter erklärt. Die Grundlage für KI-Systeme wurde 1991 von ihm und seinem Kollegen Jürgen Schmidhuber entwickelt – die Long Short Term Memory (LSTM) ist als Sprachein- und ausgabe heute in jedem Handy eingebaut. „Damals hat es aber niemanden interessiert“, sagt er.

Heute wird sein System von Google, Apple, Amazon oder Facebook verwendet.   Laut Hochreiter helfen österreichische und europäische Forscher, internationale Unternehmen reich zu machen. „Vielleicht sollten wir das ändern“, schlägt er vor und sagt weiter: „Wir sollten unsere Stärke nicht an China oder das Silicon Valley verlieren.“ 

Das KI-Wissen gilt es auch weiterhin auszubauen. An der JKU wird daher ab diesem Jahr erstmals in Europa ein Bachelor- und Masterprogramm für künstliche Intelligenz mit Fokus auf Deep Learning angeboten.