Der Fledermaus-Schatten ist rechts im Bild

© NASA

Science
06/26/2020

Hubble-Teleskop sieht eine flatternde Fledermaus im Weltraum

Ein Stern im Serpens-Nebel flattert mit seinen Flügeln, berichtet die NASA. Die Wissenschaftler wissen nicht genau warum.

„Manchmal stellen sich Spitznamen als passender heraus, als man denkt“, schreibt die NASA. Denn der Fledermaus-Schatten schlägt jetzt mit den Flügeln.

Dabei handelt es sich um den Stern HBC 672. Dieser befindet sich im Serpensnebel, etwa 1.400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er wurde 2018 vom Hubble-Teleskop fotografiert. Wegen der Schatten, die sich links und rechts von dem sonnenähnlichen Stern erstrecken, bekam er den Spitznamen Fledermaus-Schatten.

„Der Schatten bewegt sich. Es ist wie das Flattern von Flügeln eines Vogels!” beschreibt der Studienautor Klaus Pontoppidan seinen Fund. Durch eine Beobachtung über einen Zeitraum von 404 Tagen wurde festgestellt, dass sich die Schatten verändern. Die Forscher können derzeit nur Theorien dazu aufstellen, warum die Fledermaus mit den Flügen schlägt.

Junger Stern

Zumindest der Grund für den normalen Schatten ist klar. HBC 672 ist mit ein bis 2 Millionen Jahren ein relativer junger Stern. Um ihn herum befindet sich ein Ring aus Staub, Gestein und Eis. Dieser Ring dürfte ein Überbleibsel von der Entstehung des Sterns sein. Die Forscher vermuten, dass sich später daraus Asteroiden und Planeten formen werden.

Der Ring ist zu klein und zu weit weg, um von Hubble gesehen zu werden. Der Ring blockiert das Licht des Sterns, wodurch die Schatten entstehen. Die langen Schatten haben in etwa den 200-fachen Durchmesser unseres Sonnensystems. Das Licht des Sterns benötigt etwa 40 bis 45 Tage, bis der Rand des Schattens erreicht wird.

Erklärversuche

Die Forscher haben Theorien, die das Wackeln der Schatten erklären könnten. Eine ist, dass HBC 672 von einem zweiten Stern, mit wenig Masse und wenig Leuchtkraft, außerhalb der Ebene des Rings begleitet wird. Dies würde HBC 672 „wackeln“ lassen, relativ zu dem Schatten, den er wirft. Gegen diese Theorie spricht, dass laut Berechnungen der Ring noch sehr viel Material im Inneren hat. Ein zweiter Stern hätte die Materie im Inneren aufgesogen.

Laut den Forschern ist wahrscheinlicher, dass der Ring deformiert ist. Aufgrund des Schattenwurfs ist es eine zweifache Deformierung mit Höhen und Tiefen, ähnlich wie ein Sattel. Bei einer einfachen Deformierung würden die Schatten anders geworfen werden und eher wie Flugzeug-Flügel aussehen.

Planet im Orbit

Allerdings wird für diese Theorie noch eine Erklärung benötigt, was diesen Ring so deformieren kann. Die Forscher vermuten, dass ein Planet daran schuld sein könnte. Durch dessen Anziehungskraft würde der Ring deformiert.

Dieser Planet würde Berechnungen zufolge einen Orbit von mindestens 180 Tagen um den Stern haben. Der Orbit muss stark geneigt sein, im Verhältnis zum Ring. Dieser Planet wäre dann von HBC 672 in etwa so weit entfernt, wie die Erde zu unserer Sonne.

Wenn diese Theorie stimmt, müsste das Flattern der Fledermausflügel in einem regelmäßigen Intervall stattfinden. Die Forscher empfehlen deshalb weitere Beobachtungen. Außerdem könne man so in Echtzeit die Hydrodynamiken von planetenformenden Regionen beobachten.