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Science
04/30/2019

In 50 Jahren werden mehr Tote als Lebende auf Facebook sein

Da bis 2100 rund 4,9 Mrd. Facebook-Profile von toten Personen erwartet werden, fragen Forscher, was mit dem digitalem Nachlass passiert.

Facebook ist die weltgrößte Social-Media-Plattform. Derzeit weist es 2,3 Milliarden aktive Nutzer im Monat auf, sowie ein Wachstum von jährlich durchschnittlich 13 Prozent. Das Netzwerk existiert erst seit 2004, daher gibt es noch relativ wenige Profile von verstorbenen Personen. In Zukunft wird sich das aber stark ändern, berichtet Eurekalert.

Wie Forscher des Oxford Internet Institute (OII) herausfanden, wird die Anzahl der toten Facebook-Nutzer jene der Lebenden in 50 Jahren übersteigen. Bis zum Jahr 2100 werden bei gleichbleibender Wachstumsrate 4,9 Milliarden Facebook-Profile von verstorbenen Personen vorhanden sein. Was mit dem digitalen Nachlass passiert, das sollte man bereits jetzt klären, warnen die Forscher.

Schwierige Fragen

"Diese Statistiken werfen neue und schwierige Fragen auf, etwa wer Zugriffsrechte auf alle diese Daten hat und wie sie im besten Interesse von Familien und Freunden der Hinterbliebenen verwaltet werden sollten", meint Carl Öhman, der Leiter der Studie des OII. Außerdem sei es wichtig herauszufinden, ob künftige Historiker die Daten verwenden können, um die Vergangenheit zu erforschen.

"Auf einer gesellschaftlichen Ebene haben wir gerade erst begonnen, uns diese Fragen zu stellen", meint Öhman. "Die Verwaltung unserer digitalen Überreste werden jeden betreffen, der Social Media nutzt. Aber die Gesamtheit der Nutzerprofile von Verstorbenen ist mehr als die Summe seiner Teile. Das Ganze wird Teil unseres globalen digitalen Vermächtnisses werden."

Archiv menschlichen Verhaltens

Social-Media-Profile stellten für Forscher eine enorm umfangreiche Datenquelle dar, meint Co-Autor David Watson: "Nie zuvor in der Geschichte wurde solch ein enormes Archiv des menschlichen Verhaltens und der Kultur an einem Ort gesammelt. Wer dieses Archiv kontrolliert, wird auf gewisse Weise unsere Geschichte kontrollieren. Daher ist es wichtig, dass der Zugang zu diesen historischen Daten nicht einer einzigen profitorientierten Firma vorbehalten ist."

Durch regionale Unterschiede in der Facebook-Nutzerschaft wird der Großteil aller Profile von verstorbenen Facebook-Nutzern künftig aus Asien und Afrika stammen. Informationen von Nutzern aus "westlichen" Ländern werden nur einen geringen Teil des Datenschatzes ausmachen.

Lösung für Jahrzehnte

Die Forscher schlagen Facebook laut Watson folgende Vorgangsweise vor: "Facebook sollte Historiker, Archivare, Archäologen und Ethiker einladen, um den riesigen Umfang angesammelter Daten, den wir zurücklassen, wenn wir sterben, zu kuratieren. Es geht dabei nicht nur darum, Lösungen für die nächsten paar Jahre zu finden, sondern wahrscheinlich für viele Jahrzehnte."