Science
05.11.2014

In einer Woche soll "Rosetta" auf dem Kometen landen

Zehn Jahre saust „Rosetta“ schon durchs All, nun steht der heikelste Schritt der Mission bevor: Ein Mini-Labor soll auf dem Kometen „Tschuri“ landen.

Nach zehn Jahren Reise durch das All soll am kommenden Mittwoch (12.11.) die Raumsonde „Rosetta“ das Mini-Labor „Philae“ auf einem Kometen absetzen. „Das ist das erste Mal, dass so etwas unternommen wird, ein Meilenstein“, meint Paolo Ferri, Chef des ESA-Flugbetriebs, zu der Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

„Der heikelste Moment wird das eigentliche Aufsetzen des Landers auf der Kometenoberfläche sein“, sagte Stephan Ulamec, der aus Österreich stammende „Philae“-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. „Die Oberflächenbeschaffenheit des Kometen, das heißt seine Härte, ist bis zur Landung selbst noch unbekannt.“

2004 gestartet

Zehn Jahre war „Rosetta“ zum Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“, der meist nur noch „ Tschuri“ genannt wird, unterwegs, hat mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Die Raumsonde war am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet, „Philae“ huckepack dabei. Mit an Bord ist auch viel Technik aus Österreich, sowohl in der Sonde, als auch in der Landeeinheit.

„Wir hoffen, dass ' Tschuri' am 12. November nicht so aktiv ist und 'Philae' landen kann“, so ESA-Kometenexperte Gerhard Schwehm. Erscheint die Aktion kurz zuvor doch zu unsicher, gibt es einen Plan B: „Dann hätten wir noch einmal zwei Wochen später eine Chance“, sagte DLR-Sprecherin Manuela Braun. Bisher gibt es aber keine Anzeichen, dass es kritisch werden könnte mit dem angestrebten Termin.

„Nach der Landung kommen dann unverzüglich der Reihe nach alle Instrumente zum Einsatz“, ergänzte Ulamec. „Für unser Lander-Kontrollzentrum des DLR bedeutet das Schichtbetrieb rund um die Uhr.“ Kometen gelten als Schatztruhen für Astronomen: Sie sind die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste der gigantischen Staubscheibe, aus der vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem entstand.

Hinweise auf die Entstehung des Lebens

„Rosetta“ und vor allem „Philae“ sollen mit zusammen mehr als 20 Instrumenten an Bord den Schweifstern genau analysieren. Etliche Messungen sind geplant, um möglichst viel über ihn und die Entstehung des Sonnensystems zu erfahren. Auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens erhoffen sich die Forscher, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen wie Aminosäuren.

Lange war fast nichts über „Tschuri“ bekannt, erst die von „Rosetta“ gelieferten Bilder brachten erste Details - etwa, dass die Form des Kometen der einer Badeente ähnelt. Anhand der Bilder wurde ein Landeplatz gesucht. Die Wahl fiel auf eine Stelle auf dem gut beleuchteten „Kopf“ des Kometen - Solarzellenflächen sollen „Philae“ mit Energie versorgen.

Wenn sich „Philae“ am 12. November vormittags von „Rosetta“ löst, sind es noch rund 22 Kilometer bis zum Landeplatz, der gerade erst den Namen „Agilkia“ erhielt. Das etwa kühlschrankgroße Mini-Labor wird langsam herabgleiten - laut Ferri so gemütlich „wie ein Fußgänger“. Es dauert sieben Stunden, bis er am Nachmittag ankommt. „Wir brauchen auch ein bisschen Glück“, meint ESA-Flugdirektor Andrea Accomazzo.

Hitzetod im Dezember 2015

Direkt steuern lässt sich „Philae“ während des Landevorgangs nicht: Es dauert rund 28 Minuten, bis ein Signal von der Erde aus das Landegerät erreicht. Also hat „Philae“ die Landung einprogrammiert bekommen - mit Alternativen, falls er auf Probleme trifft. Schon im Anflug soll der Lander seine drei Beine ausfahren, an deren Ende kleine Eisbohrer sitzen. Mit ihnen soll er sich unmittelbar nach dem Bodenkontakt festkrallen. „Wichtig ist, dass er auch wirklich auf 'Tschuri' bleibt“, sagte Jens Biele vom DLR.

Selbst wenn alles klappt: Ein Ende ist der spektakulären Mission bereits gesetzt. Da „Tschuri“ immer weiter Richtung Sonne rast, wird es für das mitreisende Mini-Labor voraussichtlich im Dezember 2015 zu heiß. „'Philae' stirbt durch Überhitzung“, so Biele. Die von ihm geschickten Daten werden die Wissenschafter noch lange danach beschäftigen. „Rosetta“ selbst könnte die Sonnenpassage überleben und noch monatelang weiter um „Tschuri“ kreisen.