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FH OÖ
03/04/2014

Neuer Studiengang verbindet Technik und Humanwissenschaft

Der Masterstudiengang “Human-Centered Computing” der FH Oberösterreich bildet ab kommenden Herbst berufsbegleitend die Architekten der vernetzten Zukunft aus.

Das neue Studium, das an der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien in Hagenberg angeboten wird, setzt sich je zur Hälfte aus technischen und humanwissenschaftlichen Inhalten zusammen. Die Studierenden sollen vor allem lernen, Software zu entwickeln, die Menschen bei verschiedensten Aufgaben unterstützt, ohne sie zu überfordern. “Sensoren und Computer-Netzwerke dringen zunehmend in alle Teile des menschlichen Lebens ein. Deshalb ist es enorm wichtig, dass Software menschengerecht gestaltet wird. Künftige assistierende Software - egal ob für Berufs- oder Privatleben - muss vor allem personalisierbar sein, um für alle Nutzer einsetzbar zu sein”, sagt Studiengangskoordinator Werner Kurschl im futurezone-Gespräch.

Einen entsprechenden IT-Studiengang, der auch die Psychologie und Physiologie des Menschen miteinbezieht, gab es in Österreich bislang noch nicht. “Wir haben gesehen, dass Bedarf besteht und dann zwei Jahre lang das Masterstudium Human-Centered Computing entwickelt, gemeinsam mit prominenten Partnern wie der TU Wien, Uni Salzburg, Uni Bamberg und Universität Paul Sabatier in Toulouse ”, so Kurschl.

Die Systeme, die von den künftigen Absolventen entwickelt werden, sind für verschiedensten Bereiche von Interesse, etwa bei Assistenzsystemen für Autos, Empfehlungssystemen wie sie von Amazon einsetzt werden oder Steuerungen für Industrieanlagen. Im Zentrum steht immer die Schnittstelle zum Benutzer. “Solche Systeme müssen entweder vom Nutzer personalisierbar sein oder sich automatisch anpassen. Nur so können sowohl junge als auch ältere, erfahrene und unerfahrene Bediener gleichermaßen damit arbeiten. Die Nutzergruppen sind sehr divers”, so der Studiengangskoordinator.

Ethische Grundlagen

Am Campus Hagenberg der FH Oberösterreich wird mit diversen Eingabemethoden experimentiert. “Sprache, Augen und Gesten können alle teil einer multimodalen Nutzerschnittstelle sein. Durch günstige Sensoren wie Kinect und Leap Motion lassen sich solche Steuerungen heute kostengünstig realisieren”, erklärt Kurschl. Diese Sensoren können aber weit mehr als nur Hände oder Augen der User zu beobachten. “Die Geräte können das Verhalten beobachten und bei Bedarf Menschen assistieren. Das ist für die Industrie interessant, weil solche Systeme beispielsweise erkennen, ob ein Arbeiter einen Durchhänger hat, und sich entsprechend auf den Nutzer einstellen”, so der Studiengangskoordinator.

Damit die Absolventen des neuen Masters ob der vielen Möglichkeiten neuer Systeme nicht auf die Menschenrechte vergessen, wird schon im Studium Wert auf ethische Überlegungen gelegt. “Wir berücksichtigen genau aus diesem Grund in unseren Lehrveranstaltungen Datenschutz und Ethik. Die Sicherheit persönlicher Daten ist enorm wichtig. Die Studierenden sollen das immer im Hinterkopf behalten”, betont Kurschl. Systeme, die das Verhalten von Nutzern mit Sensoren beobachten, wird es in Zukunft aber nicht nur am Arbeitsplatz geben, sondern auch zuhause.

Sensoren überall

“Heizungen sind ein gutes Beispiel, weil Google mit dem Kauf des Anbieters “Nest” gerade in dieses Geschäft eingestiegen ist. Intelligente Systeme werden erkennen, wann die Nutzer daheim sind und sich nur dann einschalten”, so der “Human-Centered Computing”-Koordinator. Gerade ältere Menschen oder Personen mit körperlichen Einschränkungen könnten enorm von solchen smarten Heimsystemen profitieren, etwa wenn bei Stürzen automatisch Hilfe gerufen wird. “Die Autoindustrie verbaut auch verstärkt Sensoren, die den Fahrer unterstützen, etwa in Lenkrädern oder als Einschlaf-Warnsysteme. Für Menschen werden solche Dinge selbstverständlich werden, genau wie an Einparkhilfen”, so Kurschl.

Neben der steigenden Zahl der Sensoren im Umfeld der Menschen sollen in Zukunft auch sogenannte Wearables - etwa Fitness-Tracker oder Datenbrillen - immer größere Verbreitung finden. Dann tragen Menschen noch mehr Sensoren am Körper, als sie es mit ihren Smartphones schon heute tun. “Da der Mensch heute Teil eines ganzen Ökosystems von Geräten und Diensten ist, gibt er bereits sehr viele Informationen über sich preis”, sagt Werner Kurschl. “Am Ende ist es eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Sind die Geräte und Dienste nützlich, dann werden sie sich durchsetzen”, so der Studiengangskoordinator weiter.

Die Absolventen des neuen Studiums der FH Oberösterreich können auf Menschen zugeschnittene Systeme, die auf moderne Sensoren-Technologie zurückgreifen, auf verantwortliche Art entwickeln. “Wir sensibilisieren unsere Studierenden und vermitteln ihnen das nötige Know-how für die Entwicklung. Die Politik, die oft hinter der Technik herhinkt, ist hier ebenfalls gefordert dafür zu sorgen, dass etwa der Datenschutz gewährleistet bleibt”, erklärt Kurschl.

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