Science
03.06.2014

Ozeane können sich mit Müllbarrieren selbst reinigen

Das Projekt The Ocean Cleanup will die Plastik-Belastung der Weltmeere reduzieren. Laut einer Durchführbarkeitsstudie ist das Konzept funktionsfähig.

The Ocean Cleanup ist ein Projekt, das die Belastung der Weltmeere mit Plastikmüll reduzieren will. Mit Müllbarrieren, die auf der Wasseroberfläche treiben, und mit Hilfe der Meeresströmung soll Müll zu schwimmenden Sammelstationen befördert werden. Dort soll der Müll aus dem Wasser geholt und in Container verladen werden. Das Konzept verlangt nur geringen Energieaufwand. Durch den Verkauf von Altplastik soll das Ganze sogar profitabel sein.

Junger Vordenker

Die Idee zu dieser ökologischen und ökonomischen Müllbeseitigung stammt von einem Studenten der Technischen Universität im niederländischen Delft. Im Jahr 2012 erkannte der damals 17-jährige Schüler Boyan Slat bei Tauchgängen in Griechenland die dringende Notwendigkeit, im Meer gründlich aufzuräumen. Er erforschte das Problem gründlicher und begann während seines Studiums Mitstreiter zu gewinnen.

Im Jahr 2012 präsentierte Slat im Rahmen einer TEDx-Veranstaltung sein Konzept zur Müllsammlung im Meer. Das "Ocean Cleanup Array" gewann mehrere Fachpreise. Das Projekt wurde weltweit medial verbreitet. Eine Crowdfunding-Kampagne brachte 80.000 Dollar ein, die für eine Durchführbarkeitsstudie verwendet wurden. Über 100 Personen erforschten daraufhin technische, biologische, finanzielle und juristische Aspekte der Idee.

Bestätigung der Durchführbarkeit

Am Dienstag wurde das Ergebnis in New York City präsentiert. Die 530 Seiten dicke Studie kommt zu dem Schluss, dass The Ocean Cleanup durchführbar ist. "Die Geschichte der Menschheit ist eine Liste von Dingen, von denen man dachte, dass man sie nicht tun kann... und dann wurden sie getan", meint Boyan Slat während seiner Präsentation. "Unsere Studie hat keinen einzigen Grund gefunden, warum das Ocean Cleanup Array nicht funktionieren sollte."

Zum Beweis wurde eine 40 Meter lange Barriere angefertigt und das ursprüngliche Design der Anlage überarbeitet. Die schwimmende Müll-Barriere reicht mehrere Meter unter die Wasseroberfläche. In dieser Zone kann ein Großteil der im Meer treibenden Plastikteile aufgehalten werden. Dank der zugespitzten Form der Barrieren treibt der Müll selbstständig in Sammelzonen, wo er von automatischen Plattformen aus dem Meer gefischt wird.

Zwei Millionen Dollar für Pilot-Anlage

Die Plattformen sehen nun nicht mehr so futuristisch aus wie in den ersten Konzeptdarstellungen, stattdessen erinnern sie an Kleine Bohrplattformen mit Förderband. Überdeckt sind die Plattformen mit jeweils 162 Solarpaneelen, die die Anlage mit Strom versorgen. Barrieren, Plattformen und ihre Verankerungen am Meeresgrund sind so konstruiert, dass sie 95 Prozent aller Wetterbedingungen, die auf Ozeanen auftreten, überleben können.

"Wir sind noch nicht am Ziel", meint Boyan Slat, nachdem Begeisterung im Publikum über die aussichtsreiche Lösung losbricht: "Nun beginnt die zweite Phase." In drei bis vier Jahren soll die erste Pilot-Anlage im Meer entstehen. Um diese zu verwirklichen, startet The Ocean Cleanup eine zweite Crowdfunding-Kampagne. Das Ziel: Zwei Millionen Dollar. Slat ersucht Unternehmen, Forschungsinstitute und Privatpersonen um Hilfe in Form von Spenden und der Verbreitung seiner Botschaft.