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Science
05/05/2020

Pflaster soll Corona-Symptome erkennen

Der pflasterähnliche Chip überwacht die Atmung und schlägt bei Auffälligkeiten Alarm.

von Martin Stepanek

Ein innovativer Chip in Form eines Pflasters soll Corona-Symptome erkennen und so vor einer Infektion warnen. Darüber hinaus soll das tragbare Gerät auch den Gesundheitszustand bereits Infizierter dauerhaft überwachen und bei etwaigen Verschlechterungen Alarm schlagen. Entwickelt wurde das smarte Pflaster, das am Hals nahe des Kehlkopfs getragen werden soll, von der Northwestern University sowie einer Forschungsklinik in Chicago.

Test läuft bereits

Wie die Entwickler mitteilten, wird das Pflaster bereits an 25 Corona-Patienten sowie einer Physiotherapeutin getestet. Das mit weichem Silikon ummantelte Gerät misst Atemgeräusche, Husten, die Herzfrequenz sowie die Körpertemperatur. Alle Daten werden an einen Server geschickt und mittels Software-Algorithmus analysiert. Die Auswertung inklusive markierter Auffälligkeiten landet schließlich beim behandelnden Arzt, der über weitere Behandlungsschritte entscheidet.

Über den Test in der Klinik wollen die Entwickler die Zuverlässigkeit des Pflasters optimieren. Es ist in erster Linie für Risikopatienten, die etwa in die häusliche Pflege entlassen werden, aber auch für Gesundheitspersonal vorgesehen, das durch den ständigen Kontakt mit Infizierten einem ständigen Risiko ausgesetzt ist.

Abnehmbares Pflaster

Das Pflaster wird am Ende des Tages einfach vom Hals genommen, drahtlos aufgeladen und am nächsten Morgen wieder auf die Haut geklebt. Es ist wasserdicht und kann folglich unkompliziert desinfiziert werden. Da die Beobachtung des Gesundheitszustands über das intelligente Pflaster auch zuhause stattfinden kann, müssen Patienten nicht in stationäre Behandlung aufgenommen werden.

Bei dem Gerät handelt es sich um eine Adaption für ein Pflaster, das Anfang des Jahres eigentlich für Schlaganfallspatienten entwickelt wurde. Nach Abschluss der Testphase sollen die Produktionskapazitäten in die Höhe geschraubt werden. Derzeit werden etwa ein Dutzend Geräte pro Woche produziert, sind die Tests erfolgreich, könnten Hunderte Pflaster pro Tag direkt an der Universität hergestellt werden.

Fingerring als Alternative

Das Pflaster ist nicht das erste tragbare Gerät, das Corona-Infektionen erkennen und überwachen soll. Bereits im März ließ der finnische Hersteller Oura mit einem Experiment aufhorchen. Er stattete 2000 Bedienstete in einem Spital in San Francisco mit seinem Fingerring aus, der bei ersten Anzeichen einer Corona-Erkrankung ebenfalls Alarm schlagen soll.