Symbolbild

© NASA/ Rogelio Bernal Andreo

Science
08/25/2020

Radioaktive Supernova-Spuren am Meeresboden gefunden

Das Isotop Eisen-60 deutet auf eine ältere Supernova hin, durch die sich die Erde bewegt.

Ein internationales Forscherteam hat am Meeresboden radioaktiven Staub entdeckt, bestehend aus dem seltenen Isotop Eisen-60. Das Element entsteht bei gewaltigen Sternenexplosionen und liefert Informationen über Supernovae, Elementbildung in Sternen und das frühe Sonnensystem. 

Die Wissenschafter rund um den österreichischen Physiker Anton Wallner gehen nun davon aus, dass die Erde seit mindestens 33.000 Jahren durch eine interstellare Wolke schwebt, also Überreste einer früheren Supernova. Die Studie wurde in Proceeedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Komplette Zersetzung

Laut den Forschern wurde das Isotop in 5 Proben an 2 Plätzen am Meeresboden, rund 1.000 Kilometer vor der Südwestspitze Australiens, nachgewiesen. Das Sonnensystem wandert derzeit durch eine Staubwolke, die „lokale interstellare Wolke“ oder "lokale Flocke" genannt wird. Von der Erde kann Eisen-60 jedenfalls nicht stammen - er zersetzt sich komplett nach etwa 15 Millionen Jahren und ist damit nicht mehr nachweisbar.

Auf der Erde muss das Isotop daher deutlich jünger sein als die fast 5 Milliarden Jahre alte Erde. Laut den Forschern könnte es sich um eine relativ nahe Supernova in den letzten Millionen Jahren gehandelt haben, in der sich Eisen-60 gebildet hat. Dennoch wirft der Fund Fragen auf.

Ältere Supernovae

Die gefundenen Mengen an Eisen-60 sind äußerst gering. Wenn eine direkte Staubwelle einer Supernova über das Sonnensystem geschwappt wäre, sollte der Eintrag 10 bis 20 Mal höher sein. „Der jetzige Eintrag könnte ein Nachhall sein von Eisen-60 in Staubteilen, die von älteren Supernova-Explosionen stammen und im interstellaren Raum mehrmals reflektiert, also gewissermaßen herumgeschubst wurden“, sagt Wallner gegenüber APA.

Das Alter der Ablagerungen, in denen sich die Eisen-60-Atome befanden, hat Robin Golser von der Forschungsgruppe Isotopenphysik der Universität Wien bestimmt. Dazu hat er mit Kollegen die Menge von anderen Isotopen mit langer Halbwertszeit in den Ablagerungen gemessen, die „in der Atmosphäre der Erde entstanden und sicher nicht von außen kamen.“ Er führt aus: „Wenn man weiß, wie viel von ihnen noch da sind, kann man sagen, wie lange es her ist, dass sie eingebracht wurden.“

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