Science
04/04/2019

Raumsonde Hayabusa 2 sprengt Asteroid im Livestream

Heute Nacht soll mit 4,5kg Sprengstoff ein neuer Krater im Asteroiden Ryugu erzeugt werden.

Die japanische Raumsonde Hayabusa 2 macht Ernst. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird sie den Small Carry-on Impactor (SCI) einsetzen. Der besteht aus 4,5kg Sprengstoff und einer 2,5kg schweren Kupferplatte. Das ist das Prinzip einer Hohlladung. Bei militärischen Anwendungen werden solche Projektile eingesetzt, um die Panzerung von Fahrzeugen und Schiffen zu durchschlagen.

Hayabusa 2 setzt den SCI aber nicht ein um „Asteroiden versenken“ zu spielen, sondern für die Wissenschaft. Durch die Anordnung der Kupferplatte und des Sprengstoffs entsteht bei der Explosion ein Metallstrahl, der mit hoher Geschwindigkeit ins Ziel eindringt. Die japanische Raumfahrtagentur hofft, dass der Strahl so möglichst viele Schichten des Asteroiden durchschlägt und Teile davon heraussprengt.

Proben entnehmen

Dies soll neue Erkenntnisse bringen. Aufgrund der Größe des Kraters, der dadurch entsteht, können die Forscher das Alter von Ryugu bestimmen. Sie gehen davon aus, dass der Krater in etwa zwei Meter groß sein wird. Danach soll Hayabusa 2 landen und Proben aus den tieferen Schichten entnehmen. Dazu wird wieder ein 5mm großes Projektil aus dem Metall Tantal abgefeuert, wie schon im Februar. Der durch den Einschlag aufgewirbelte Staub wird mit Trichtern aufgefangen und dann analysiert. Das Projektil hat eine Geschwindigkeit von 300 Metern pro Sekunde. Zum Vergleich: Der Kupferstrahl der Hohlladung wird eine Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Sekunde erreichen.

Um den SCI abzusetzen, wird Hayabusa 2 500 Meter über der Oberfläche des Asteroiden fliegen. 40 Minuten später wird der SCI explodieren, 3,5 Meter über der Oberfläche. Hayabusa 2 wird zu diesem Zeitpunkt auf der anderen Seite des Asteroiden sein. So sollte die Sonde geschützt vor herumfliegendem Material sein. Damit die Forscher das Manöver trotzdem sehen können, wird zuvor eine Kamera von Hayabusa 2 ausgesetzt. Diese soll die Explosion aus etwa einem Kilometer Entfernung filmen.

Die Live-Übertragung des Manövers wird Freitagnacht um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnen. Verläuft alles nach Plan, wird der SCI um 4:36 explodieren. Ihr könnt die Übertragung auf YouTube oder hier im eingebetteten YouTube-Livestream ansehen.