Science
13.01.2014

Sensoren in Mikrochips sollen Gase erkennen

Das Materials Center Leoben arbeitet an extrem kleinen Sensoren, die in die Mikrochips von Smartphones integriert werden können, etwa um die Luftgüte in Räumen zu messen.

Extrem kleine Sensoren, die in Mikrochips integriert werden können und Gebäude und Smartphones "intelligenter" machen sollen, will ein europäisches Forschungskonsortium unter der Leitung des Materials Center Leoben (MCL) entwickeln. Für das Mikroelektronik-Projekt stehen den Forschern in den nächsten drei Jahren 18 Mio. Euro zur Verfügung, teilte das Leobener K2-Kompetenzzentrum MCL am Montag mit.

Das sogenannte Multisensorplattform-Projekt MSP zielt darauf ab, extrem kleine Sensoren zu entwickeln und in Chips zu integrieren, dass damit u.a. gefährliche Gase und andere Umweltparameter erfasst werden können. Das spiele sowohl im technischen Management von Gebäuden, aber auch auf privater Ebene eine Rolle, schilderte Projektkoordinator Anton Köck auf Anfrage der APA.

Luftqualität überwachen

Beispielsweise könnten künftig Smartphones auch dazu dienen, die Luftqualität in der Wohnung zu überwachen und u.a. schädliche Gase wie Kohlenmonoxid zu detektieren. Landwirte könnten durch die integrierten Nanosensoren vor Gärgasen in Silos gewarnt werden und Sonnenbadende bekämen bei zu langer UV-Strahlenexposition eine Nachricht vom Smartphone. Voraussetzung ist aber die Entwicklung von entsprechenden Sensoren und einer Produktionstechnologie, die eine flexible "Plug-and-play" 3D-Integration von Nanosensoren und nanotechnologischen Bauelementen auf die Chips ermöglicht.

Intelligente Klimasteuerung

Hauptziel des EU-Projektes sei die Entwicklung einer intelligenten Multisensor-Plattform für intelligente Klimasteuerung in Gebäuden durch u.a. die Messung des CO2-Gehaltes in der Raumluft. "Auf jedem Lebensmittel steht drauf, was drinnen ist, wie hoch die Güte der Luft beispielsweise in einem Seminarraum ist, wird vernachlässigt. Kleinste Sensoren in kleinen benutzerfreundlichen Geräten könnten in diesem Bereich einiges weiterbringen", schilderte Köck. Netze aus Infrarot-Sensoren in Gebäuden könnten zudem Brandherde exakt lokalisieren. Entsprechende Sensoren werden am MCL mit Industriepartnern entwickelt.

17 Partner aus sechs Nationen

Am Leobener MCL sind zehn Mitarbeiter an dem Projekt beteiligt, an dem insgesamt 17 Partner aus sechs europäischen Nationen mitarbeiten. Zu den Industriepartnern zählen neben dem steirischen Halbleiterhersteller ams u.a. die Siemens AG und Samsung. Die EU fördert die mit 18 Mio. Euro dotierte Multisensorplattform mit insgesamt 12,6 Mio. Euro. Durch das Konsortium soll auf europäischer Ebene ein wirtschaftlich-technologischer Cluster für die neuen Sensorsysteme entstehen, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung bis zur Herstellung und Anwendung umfasst.