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Stromzähler Smart-Meter-Zwang in Österreich.

Foto: Siemens
Die Energie Control will intelligente Stromzähler in Österreich verbindlich vorschreiben. Das heißt, dass sich die Haushalte künftig nicht aussuchen können sollen, ob ihr Energieversorger einen "Smart Meter" installiert oder nicht. Bei den neuen Geräten gibt es aber von Experten-Seite Datenschutz- und Sicherheitsbedenken. Der E-Control-Vorstand Walter Boltz versucht diese zu zerstreuen.

Bis 2020 müssen 80 Prozent der Haushalte mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein. Das schreibt die EU in einer Richtlinie vor. Schritt für Schritt geht diese Implementierung nun auch in Österreich voran. Es gab in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Pilotprojekte im Lande und in vielen Haushalten sind die schlauen Zähler bereits installiert worden. So auch im neu gebauten Haus eines futurezone-Lesers: "Ich ziehe demnächst in mein neues Haus und leider sind die neuen Stromableser bereits installiert. Telefonate mit meinem Stromversorger haben nichts genutzt, ich kann mich nicht dagegen wehren", schreibt der Leser.

"Das entscheidet der Netzbetreiber"
Laut Walter Boltz, Vorstand der E-Control Austria, sollen sich Energie-Kunden tatsächlich nicht aussuchen dürfen, ob die intelligente Stromzähler in ihrem Haushalt installiert werden. "Das ist aus der Sicht eines gesamt optimierten Systems zu aufwendig", erklärt Boltz auf Anfrage der futurezone. Man könne sich schließlich auch die Trafo-Station im Haus nicht aussuchen und ob diese mehr oder weniger strahlt. "Das entscheidet der Netzbetreiber", so Boltz.

"Hätte man die Bevölkerung gefragt, ob Handys eingeführt werden sollen oder nicht, hätten wir wahrscheinlich heute noch keine", vergleicht der E-Control-Vorstand die technischen Entwicklungen miteinander. "Die können geknackt werden, es kann mitgehört werden, man kann damit Bewegungsprofile erheben - trotzdem hat heutzutage jeder ein bis zwei Handys." Der einzige Unterschied: Diese hat man immer noch freiwillig.

Keine Alternative zum Einbau
Boltz kann sich somit durchaus ein "Opt-out" für bestimmte Funktionen der intelligenten Zähler vorstellen. "Smart Meter werden künftig viele verschiedene Funktionen haben, von denen am Anfang noch nicht alle eingesetzt werden. Unserer Vorstellung nach wird man hier gewisse Nutzungsmöglichkeiten ausschließen können, aber nicht, welche Hardware installiert wird." Generell gebe es allerdings keine Alternative zum Einbau, denn: „Wenn nur ein paar den intelligenten Zähler nicht eingebaut haben wollen, dann wird er für alle anderen erheblich teurer“, so Boltz.

Doch warum sollte man sich überhaupt vor den neuen intelligenten Zählern fürchten und diese ablehnen? Experten haben in der Vergangenheit mehrfach davor gewarnt, dass sich damit überwachen lässt, wann jemand zu Hause ist - oder dass die Systeme durch gewisse Kommunikationsstandards für Cyberangriffe anfälliger als bisher werden.

"Keine Katastrophe", wenn Strom abgedreht wird
Boltz versucht diese Bedenken zu zerstreuen: "Natürlich existiert ein Sicherheitsrisiko. Es gibt kein System, dass zu hundert Prozent abgesichert ist. Die Smart Meter erhöhen das Risiko in Wahrheit aber nur unwesentlich." Es seien zudem bereits jetzt 30.000 Smart Meter, sogenannte Lastprofilzähler, bei größeren Kunden erfolgreich eingeführt worden und hier habe es bisher keine größeren Pannen gegeben. "Außerdem ist es nicht so eine Katastrophe, wenn der Strom für kurze Zeit abgedreht wird. Das machen Energiebetreiber auch jetzt bereits hin und wieder bei Wartungsarbeiten".

In der Verordnung der E-Control, die die Anforderungen an intelligente Messgeräte festlegt und die nächste Woche veröffentlicht wird, habe man zudem technische Mindeststandards festgelegt, so Boltz. Diese wurden jedoch unter anderem so gewählt, dass Energieversorger, die bereits Pilotprojekte im Einsatz haben, keine Probleme bekommen.

Bei so manch einem Pilotprojekt in Oberösterreich kommt aber die Powerline-Kommunikation zum Einsatz, die erst unlängst Andreas Bentz von T-Systems im futurezone-Interview heftig kritisiert hatte und sie dafür verantwortlich gemacht hat, dass "Stromzähler alles ausplaudern" würden.

15-Minuten-Intervalle möglich
In ebendieser Verordnung ist außerdem der Punkt 2 in §3 zu finden, der regelt, dass die Energieverbrauchswerte künftig in einem Intervall von 15 Minuten gespeichert werden dürfen. "Wir haben damit lediglich spezifiziert, was die Geräte können müssen. Das heißt noch nicht, dass man dies tatsächlich nutzt", erklärt Boltz.

Doch kann in diesem Intervall tatsächlich festgestellt werden, ob jemand zu Hause ist? "Das ist zu unregelmäßig, um detaillierte Informationen zu erhalten", meint Boltz. Es werde einzig möglich sein zu sagen, ob eine Wohnung in Verwendung ist oder nicht, und selbst das nicht mit letzter Sicherheit."

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Um die Einführung von Smart Metern in Österreich umzusetzen, musste das Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) novelliert werden. Diese Novellierung wurde vor rund einem Jahr mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament beschlossen.

 

Die E-Control wurde damit beauftragt, eine Verordnung mit den Anforderungen an die intelligenten Messgeräte herauszubringen. Diese ist nun fertig und wird nächste Woche veröffentlicht.

(futurezone) Erstellt am 20.10.2011, 13:30

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