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Science
09/04/2019

SpaceX erklärt seltsames Verhalten rund um Kollisionskurs

Die Erklärung, warum sich die Weltraumfirma weigerte, den Kurs seines Satelliten nicht abzuändern, ist erstaunlich.

von Martin Stepanek

Dass SpaceX sich weigerte, den auf Kollisionskurs mit einem ESA-Wettersatelliten befindlichen Starlink-Satelliten abzulenken, hat viel Unverständnis und Kritik hervorgerufen. Am Mittwoch meldete sich die Weltraumfirma mit einer kuriosen Erklärung zu Wort. Das Ignorieren der ESA-Kontaktanfrage sei nicht absichtlich gewesen. Man habe den Großteil der Korrespondenz aufgrund eines E-Mailfehlers nämlich gar nie zu Gesicht bekommen

"Ooops, E-Mail-Probleme!"

Wirklich angekommen dürfte SpaceX zufolge nur die erste E-Mail vom 28. August sein, in denen die ESA via E-Mail nachfragte, ob die Weltraumfirma den Kurs seines Satelliten ändern werde. Man habe dies verneint, weil das Risiko zu dem Zeitpunkt nur 1 zu 50.000 betragen habe. Sämtliche folgende E-Mails - die ESA kontaktierte SpaceX schließlich jeden Tag mit dem ständig aktualisierten Risikoreport - seien vom System nie an die Verantwortlichen weitergeleitet worden.

Bei SpaceX offenbar auch nicht angekommen sein dürften neun Warnungen der US-Luftwaffe, die ihrerseits in den letzten 72 Stunden vor der erwarteten Kollision sowohl die ESA als auch SpaceX per E-Mail auf die drohende Gefahr und vor allem das exorbitant gestiegene Risiko hinwiesen. Wie berichtet, zog die ESA schließlich die Reißleine und zündete ohne Abstimmung mit SpaceX die Triebwerke des Wettersatelliten, um den drohenden Zusammenstoß zu verhindern.

Wenig vertrauensfördernd

Elon Musks Weltraumfirma gab an, den Vorfall noch genauer untersuchen zu wollen, versprach aber Maßnahmen zu ergreifen, die ein derartiges Kommunikationsdesaster in Zukunft verhindern sollen. Dass die Firma Warnungen der Luftwaffe und der ESA nicht absichtlich ignorierte, aber tagelang durch einen Fehler im E-Mailsystem nicht erreichbar war, dürfte Kritiker des geplanten riesigen Satelliten-Netzwerks Starlink, das in der finalen Ausbaustufe 12.000 Satelliten umspannen soll, kaum beruhigen.

Unklar ist derzeit auch, ob der betroffene Starlink-Satellit automatisiert reagiert hätte, wenn er dem ESA-Satelliten zu nahe gekommen wäre. Elon Musk zufolge sind die Satelliten mit Sensoren ausgestattet, die bei drohenden Kollisionen mit Weltraummüll oder anderen Satelliten eine automatische Kurskorrektur vornehmen sollen. Ob dieses System bei den bereits im All befindlichen Starlink-Satelliten bereits im Betrieb ist, ist nicht bekannt.