The Disappearance of a Massive Star

© EPA / ESO/L. Calcada / HANDOUT

Science
11/12/2020

Sternexplosionen in Bäumen auf der Erde nachweisbar

Riesige Supernovae mit enormer Zerstörungskraft könnten laut einem Forscher in Baumringen nachgewiesen werden.

von Martin Stepanek

Gelangt ein massereicher Stern an das Ende seiner Lebenszeit, verabschiedet er sich mit einer enormen Explosion, deren Leuchtkraft selbst Galaxien überstrahlen kann. Derartige Supernovae zählen zu den zerstörerischsten Ereignissen des Universums und können selbst auf weit entfernten Sternsysteme und Planeten Schaden anrichten bzw. ganze Zivilisationen ausrotten.

Baumringe als Beweise

Ein Forscher der University of Colorado Boulder glaubt, derartige Supernovae auf der Erde in Bäumen nachweisen zu können. Der Geowissenschaftler Robert Brakenridge kommt anhand der Analyse von Baumringen zum Schluss, dass in den vergangenen 40.000 Jahren zumindest vier Sternexplosionen stattfanden, die das Klima der Erde nachweislich veränderten.

Im Stamm von Bäumen lässt sich Radiokarbon nachweisen. Der radioaktive Kohlenstoff (14C) kommt auf der Erde nur in äußerst geringer Dosis vor. Sein Ursprung ist außerirdisch, da er durch die kosmischen Strahlen entsteht, die kontinuierlich auf die Erdatmosphäre prallen und diese teilweise durchdringen. Gelegentlich findet sich in Baumringen allerdings eine vorübergehend hohe Konzentration, die auf Extremereignisse im Universum hindeuten.

Sonnenstürme oder Supernovae

Für Forscher sind viele dieser in Bäumen ablesbaren Ausschläge nur schwer zu interpretieren. Sie können auf Sonneneruptionen zurückzuführen sein oder eben auf Sternexplosionen, die selbst Hunderte von Lichtjahren entfernt für eine enorme Strahlenbelastung sorgen. Laut Brakenridge spreche einiges dafür, dass zumindest einige der auffallenden Radiokarbon-Werte auf Supernovae zurückzuführen seien.

Alle acht der Erde am nächsten stattgefundenen Sternexplosionen würden mit bisher unerklärlichen Radiokarbon-Messungen zusammenpassen. Als Beispiel nennt der Forscher die Vela-Sternenformation. Die einst 815 Lichtjahre entfernte Konstellation sei vor 13.000 Jahren zu einer Supernova geworden. Nur kurze Zeit später seien die Radiokarbon-Werte auf der Erde um fast 3 Prozent gestiegen.

Ungenaue Berechnungen

Sämtliche Erkenntnisse sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, wie auch Brakenridge zugibt. Denn was die Explosion von Vela angeht, besitzt die Datierung eine Fehlerspanne von bis zu 1500 Jahren. Das macht die  tatsächliche Beweisführung für eine Korrelation der Werte auf der Erde mit einem derartigen Ereignis fast unmöglich.

Brakenridge wertet seine Forschungsergebnisse aber als interessanten Ansatz, um Supernovae nicht nur genauer datieren, sondern auch deren Auswirkungen auf die Erde besser verstehen zu können. Er hofft, dass in diese Richtung noch viel geforscht werde.

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