Millionenpleite einer Transportfirmen-Gruppe

© pressefoto/Zoom Tirol

Forschung
05/07/2012

TU Wien will Logistikketten verbessern

Ein Forschungsprojekt der TU Wien zeigt, wie man im Bereich Transport und Logistik noch einiges besser machen könnte als bisher, obwohl dieser Bereich oft nicht einfach kalkulierbar ist. Das Projekt "KoWaLo" soll dabei helfen, die Prozesse zu vereinfachen.

„Zulieferer und ihre Kunden sind immer voneinander abhängig", erzählt Markus Florian vom Institut für Managementwissenschaften und Fraunhofer Austria, der an der Entwicklung von "KoWaLo" maßgeblich beteiligt ist. „Kann ein Zulieferer einen vereinbarten Termin nicht halten, kommt man auch selbst in Schwierigkeiten. Dasselbe passiert, wenn die Kunden ihre Wünsche ändern." In globalisierten Märkten wird dieses Problem immer größer. Oft führt das zu unnötig teuren und unnötig CO2-intensiven Transporten.

Wenn ein LKW halbleer auf die Reise geschickt wird, weil der Liefertermin anders nicht einzuhalten ist, oder wenn durch Zeitdruck der billige Schiffstransport durch teuren Flugzeugtransport ersetzt werden muss, dann steigen die Logistikkosten und die Umweltbelastung. „Wir haben genau analysiert, wie man solche Probleme beheben kann", sagt Markus Florian. „Unser Modell zeigt Lösungsvorschläge auf, die massive Vorteile für alle beteiligten Unternehmen bringen können."

Fallbeispiele entwickelt und analysiert
Das Forschungsprojekt der TU Wien, das von der FFG (österreichischeForschungsförderungsgesellschaft) und vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr,Innovation und Technologie) unterstützt wurde, illustriert in Fallbeispielen, welchen Vorteil die an der TU Wien entwickelten Modelle mit sich bringen. „Wir haben uns bei konkreten, realen Unternehmen angesehen, wie sich geänderte Logistikplanung auswirken würde", sagt Markus Florian.

Modelliert wurde der Fall eines Unternehmens,das Schienenfahrzeug-Teile produziert. Der Kunde muss zeitlich flexibel beliefert werden: Manchmal benötigt er Teile rascher als ursprünglich vereinbart. Das führt in vielen Fällen zu Sondertransporten per Luftfracht. Eine Möglichkeit, solche Transporte zu vermeiden ist ein sogenanntes Konsignationslager zu errichten – einLager in der Nähe des Kunden, von dem er bei Bedarf die nötigen Teile beziehen kann. Dadurch entstehen zwar Lagerkosten, doch die Transportkosten sinken, weil dieSondertransporte dann durch Standardtransporte ersetzt werden können. Eine Alternative wäre, dass der Produzent ein Lager einrichtet, in dem er die halbfertigen Teile aufbewahrt, die er seinerseits von Lieferanten zukauft. So kann der Produzent flexibler auf die Kundenwünsche reagieren und das Produkt innerhalb kürzerer Zeit fertigstellen.

Bis zu 60 Prozent weniger CO2-Ausstoß
„Unsere Rechnungen zeigen: solche Strategien zahlen sich aus", sagt Markus Florian. Die nötigen Investitionen rentieren sich – und auch die Umwelt ist letztlich ein großer Gewinner: „Bis zu 60 Prozent des CO2-Ausstoßes, der bisher in der Lieferkette auftritt, konnte in unserem Modell eingespart werden", betont Florian. Doch das sind nicht die einzigen Möglichkeiten, die Prozesse zu optimieren.

Innerhalb des entwickelten Konfigurationsmodells erhält der Anwender die Möglichkeit, durch eine strukturierte Vorgehensweise sowie die eigens dafürentwickelten Methoden und Werkzeuge, ihre Logistikketten auf mögliche Verbesserungspotentiale zu prüfen. Die nötigen Maßnahmen wären also weder aufwändig noch kompliziert. „Man kann Unternehmen mit komplexer Logistik wirklich nurempfehlen, ihre Logistikketten genau zu überdenken", betont Markus Florian. „Oft sind die Einsparungspotenziale größer als man denkt."