Science
03.02.2015

Uber gegen Google: Rennen um selbstfahrende Taxis

Menschliche Taxi-Fahrer sollen durch autonome Autos ersetzt werden, so die Pläne von Uber. Gleichzeitig gibt es Gerüchte, dass auch Google an einem solchen Dienst arbeitet.

Es ist der Trend der Stunde in der Technikwelt: Selbstfahrende Autos. Google forscht seit Jahren daran, große Automobilhersteller von Audi bis Daimler springen nach und nach auf den Zug auf und nun will auch der umstrittene Fahrtendienst Uber eine selbstfahrende Taxi-Flotte entwickeln und künftig auf menschliche Fahrer verzichten.

Dazu plant der US-Fahrvermittlungsservice ein eigenes Forschungslabor für selbstfahrende Fahrzeuge in Pittsburgh. Auch Robotik-Experten der renommierten Carnegie Mellon Universität sind bei dem Projekt mit an Bord. Zufall ist das keiner – der aktuelle Chef des Google-Projekts für selbstfahrende Autos, Christopher Urmson, forschte ebenfalls an dieser Uni. Neben der Technologie für die selbstfahrenden Autos will Uber im Zuge der Kooperation auch an der dazugehörigen Infrastruktur sowie an Fahrzeugen selbst arbeiten. Auch die Entwicklung eines eigenen Kartendienstes soll im Raum stehen, um künftig nicht mehr von Google Maps abhängig zu sein.

Schon im Vorjahr hatte Uber-Chef Travis Kalanick anklingen lassen, dass man im Unternehmen über autonome Fahrezeuge nachdenke. Dabei wurde auch deutlich, worum es bei den Plänen letztlich geht: Geld. „Der Grund, warum Uber etwas teuer sein könnte, ist, weil man für den anderen Typen im Auto bezahlt“, so Kalanick. „Wenn aber kein anderer Typ mehr da ist, könnte Uber wesentlich billiger sein, sogar auf Road Trips.“

Google als Konkurrent?

Nahezu zeitgleich zur Ankündigung von Uber sorgte ein Bloomberg-Bericht für Aufsehen, wonach Google an einem eigenen Konkurrenzdienst zu Uber arbeite. Der Internetkonzern, der auch einer der großen Investoren bei Uber ist, soll angeblich eine Mitfahr-App entwickelt haben, die in Zusammenhang mit dem Google-Projekt für selbstfahrende Autos stehen könnte. Google-Manager David Drummond habe den Uber-Verwaltungsrat bereits über diese Aussicht informiert, hieß es unter Berufung auf unterrichtete Personen.

Gleichzeitig wurden die Gerüchte von Medien, wie dem Wall Street Journal, allerdings auch etwas abgeschwächt: Es könne sich auch nur um eine interne App handeln, die von einem Entwickler getestet wurde und die nicht mit den selbstfahrenden Autos in Verbindung steht. Google selbst wollte sich bislang jedenfalls nicht zu dem Thema äußern. Die einzige offizielle Reaktion auf die Berichte war eine etwas ausweichende Nachricht auf Twitter, in der es hieß: Uber und sein Rivale Lyft funktionierten auch ganz gut. „Wir nutzen sie die ganze Zeit.“

Sollte Google tatsächlich einen solchen Fahrtendienst planen, könnte das bislang relativ nahe Verhältnis zu Uber ein jähes Ende finden. Branchenbeobachter fühlen sich bereits an den Zwist zwischen Apple und Google erinnert, als es um die konkurrierenden Betriebssysteme iOS (iPhone) und Android ging. 2007 saß der damalige Google-CEO Eric Schmidt im Apple-Verwaltungsrat und befand sich unter den ersten Personen, die das iPhone zu Gesicht bekamen. Wenig später entwickelte Google Android in eine ähnliche Richtung und Apple-Gründer Steve Jobs zeigte sich erzürnt. Schließlich verließ Schmidt den Apple-Verwaltungsrat.

Weiter Weg

Egal ob Uber oder Google, bis auf heimischen Straßen tatsächlich fahrerlose Taxis unterwegs sein werden, dürfte noch einige Zeit vergehen. Dabei geht es einerseits um die technologische Weiterentwicklung, andererseits um Sicherheits- und rechtliche Fragen. „Grundsätzlich ist automatisches Fahren laut Straßenverkehrsordnung derzeit nicht vorgesehen“, sagt Andrea Heigl, Pressesprecherin des Verkehrsministeriums, auf Nachfrage der futurezone. Es gebe zwar ein internationales Übereinkommen, das etwa den Einsatz von Hilfsmitteln wie Tempomaten regle, dabei gehe es aber eben auch immer darum, dass von menschlicher Seite jederzeit eingegriffen werden könne.

„Teststrecken gibt es bisher jedenfalls keine im höherrangigen Straßennetz. Bisher hat es dazu auch keine Anfragen gegeben“, erklärt Heigl. Man beobachte die Entwicklungen natürlich. Tests gebe es allerdings bereits im Bereich der Telematik - dabei gehts es jedoch um die Vernetzung zwischen Fahrzeugen und nicht um automatisiertes Fahren.

“Wir beobachten das Thema natürlich. Wann selbstfahrende Autos tatsächlich spruchreif werden, hängt aber von der weiteren technologischen Entwicklung ab.” Derzeit sei das Thema europaweit noch nicht sehr weit gediehen, meint Heigl. Auf internationaler Ebene wurden die gesetzlichen Hürden für selbstfahrende Autos im Vorjahr etwas gelockert. Ein Expertenausschuss der Vereinten Nationen hatte dafür die Wiener Konvention für den Straßenverkehr ergänzt und die Basis dafür gelegt, dass autonomes Fahren legal wird. "Für uns ist das zu vorderst auch eine Sicherheitsfrage. Es ist undenkbar, dass wir eine Teststrecke freigeben und es dann sofort kracht", sagt Heigl.