Science
20.07.2018

Übersetzungsprogramm für EU-Ratsvorsitz lernt Österreichisch

Die Uni Wien hat mithilfe neuronaler Netzwerke einem Übersetzungsprogramm Österreichisch beigebracht.

Um auf die Charakteristika der österreichischen Sprache sowie die Schwerpunkte des österreichischen EU-Ratsvorsitzes einzugehen, hat das Zentrum für Translationswissenschaft der Uni Wien ein maschinelles Übersetzungssystem weiterentwickelt. Der " EU Council Presidency Translator" geht speziell auf Ausdrücke der österreichischen Verwaltungssprache oder Themen wie Digitalisierung und Migration ein.

Offen zugänglich

Das Übersetzungssystem basiert auf neuronaler Maschinenübersetzung. Dafür wird ein künstliches neuronales Netzwerk mit Daten gefüttert und kann dann einen Text in eine andere Sprache übersetzen. Das Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien hat für den österreichischen EU-Vorsitz gezielt österreichische Daten - Texte, Sätze und einzelne Begriffe - gesammelt und der Übersetzungssoftware zugeführt. So kann das selbstlernende Programm nun österreichische Webseiten, Tagesordnungen oder Presseaussendungen flüssig übersetzen, erklärte die für das Projekt zuständige Translationswissenschafterin Vesna Lusicky gegenüber der APA.

Der "EU Council Presidency Translator" wurde ursprünglich von der Sprachtechnologie-Firma "Tilde", die Sitze in Litauen, Lettland und Estland hat, für die aufeinanderfolgenden Präsidentschaften Estlands, Bulgariens und Österreichs in Kooperation mit der Uni Wien entwickelt und bereits unter bulgarischem Vorsitz angewandt.

Die Hauptzielgruppe sind Delegierte, die sich Texte, Presseaussendungen oder Tagesordnungen im Vorfeld zu Sitzungen ansehen wollen. Die Übersetzungssoftware ist offen zugänglich, kann also auch von Medienvertretern, Besuchern und Bürgern verwendet werden.

Dolmetscher weiter im Einsatz

Das Programmen unterscheidet sich von anderen wie beispielsweise "Google Translate", indem es nicht jedes Wort einzeln, sondern Texte im Kontext übersetzt. Lusicky merkte an, das bisherige Programme keine österreichische Wortwahl berücksichtigt hätten, weil für die deutsche Sprache mehr Daten aus Deutschland vorhanden wären. So beschränkte sich auch "eTranslation", das Übersetzungsprogramm der europäischen Kommission, auf die bundesdeutsche Sprachebene.

Trotz der Fortschritte im Bereich maschinellen Lernens und Übersetzung seien Dolmetscher weiter notwendig, sagte Lusicky. "Eine Tagesordnung kann man eine Maschine übersetzen lassen, für wichtige Dokumente wie Verträge werden aber immer Menschen zum Einsatz kommen", zeigte sich die Sprachforscherin überzeugt. Für die direkte Übersetzung von Ratssitzungen wird das Übersetzungssystem nicht verwendet. Und auch die Webseite des österreichischen Ratsvorsitzes wurde nicht maschinell, sondern von Dolmetschern übersetzt.