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Medizin Videospiel soll Alzheimer vor ersten Symptomen erkennen.

Screenshot "Evo Challenge"
Screenshot "Evo Challenge" - Foto: Akili
Der Pharmariese Pfizer arbeitet mit dem Videospielhersteller Akili an einem Videospiel, das bei der Alzheimer-Früherkennung helfen soll.

Alzheimer ist eine heimtückische Krankheit, die Menschen schrittweise ihrer Erinnerungen beraubt, bis sie nur noch Schatten ihrer selbst sind. 2007 gab es weltweit geschätzte 29 Millionen Menschen, die von dem neurodegenerativen Leiden betroffen waren. Bis zum Jahr 2050 soll sich diese Zahl auf etwa 106 Millionen erhöhen, dann käme auf 85 Menschen ein Alzheimerpatient. Die Betroffenen merken oft lange nicht, dass sie Alzheimer haben. Wenn sich erste Erinnerungslücken bemerkbar machen, ist die Krankheit meist schon weit fortgeschritten.

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Evo Challenge - Foto: Akili
Da auch die Wissenschaft nicht mit Sicherheit sagen kann, wie Alzheimer entsteht, sind auch die Methoden für eine möglichst frühe Erkennung beschränkt. Bisher wird vor allem die Ablagerung von Proteinen (Amyloide) als Indikator verwendet. Diese werden mittels Computertomografie nachgewiesen, ein teures und mit Wartezeiten verbundenes Verfahren. In der Forschung gibt es allerdings einen Lichtblick. Der Pharmakonzern Pfizer und die Videospielschmiede Akili sind überzeugt davon, dass sie Alzheimer früh und zuverlässig erkennen können, indem sie mögliche Betroffene ein Videospiel spielen lassen.

Vielversprechend

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Eddie Martucci - Foto: Akili
Die Theorie hinter diesem Früherkennungsansatz geht davon aus, dass Alzheimer schon sehr früh zu kognitiven Beeinträchtigungen bei Patienten führt. Diese sind zwar nicht wahrnehmbar, können aber von Algorithmen erkannt werden. Deshalb wurde das Action-Spiel “Evo Challenge” entwickelt, bei dem der Proband sich konzentrieren soll, er aber gleichzeitig immer wieder mit Ablenkungen konfrontiert wird. Die Hoffnung ist, dass die Fähigkeit des Gehirns, sich auf solche Situationen einzustellen, Rückschlüsse auf eine mögliche Alzheimererkrankung zulässt. “Im Gegensatz zu herkömmlichen Videospielen handelt es sich hier um ein medizinisches Produkt, das im Sekundentakt Stimuli für Hirnregionen ausspielt, die an der Entstehung kognitiver Mängel beteiligt sind”, sagt Akili-CEO Eddie Martucci gegenüber der futurezone. Wie früh sich Alzheimer auf diese Weise feststellen lassen kann, ist auf dem heutigen Stand der Forschung nicht zu beantworten.

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Phil Iredale - Foto: Akili
Eine Untersuchung, die Pfizer und Akili im Dezember 2016 präsentiert haben, kommt zum Ergebnis, dass das Evo Challenge tatsächlich einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Patienten, bei denen Proteinablagerungen nachgewiesen werden konnten und unauffälligen Probanden feststellen konnte. “Diese digitale Plattform könnte eine neue, nicht-invasive Methode zur Prüfung von Amyloid-Ablagerungen in Personen werden, die noch keine Symptome zeigen”, Phil Iredale von Pfizer. Bis dahin ist allerdings noch weitere Forschungsarbeit nötig und auch die Zulassung wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Therapie?

Längerfristig wäre sogar ein Einsatz von Videospielen in der Therapie denkbar. Zwar ist Alzheimer heute nicht heilbar, aber wenn die Krankheit früh erkannt wird, kann das Einsetzen der Symptome vielleicht durch gezieltes Training betroffener kognitiver Fähigkeiten hinausgezögert werden. Auch Medikamente gegen neurodegenerative Leiden, die heute erst entwickelt werden, könnten in Zukunft ihre Wirkung besser entfalten, wenn die zugrundeliegenden Krankheiten möglichst früh erkannt werden. Diese Methode könnte auch für andere Formen kognitiver Beeinträchtigung Linderung schaffen. “Digitale Biomarker könnten einen Platz in der Diagnostik füllen, der vor oder zwischen invasiveren und schwieriger anzuwendenden biologischen Tests liegt”, sagt Martucci.

(futurezone) Erstellt am 27.06.2017, 13:47

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