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Science
05/21/2019

Warum 5G die Wettervorhersage erschweren könnte

Meteorologen warnen: Der neue Mobilfunkstandard könnte die Genauigkeit von Prognosen um bis zu 30 Prozent reduzieren.

Experten der US-Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) haben den US-Telekomregulator FCC davor gewarnt, dass ein bestimmtes Frequenzband für den neuen Mobilfunkstandard 5G Wettervorhersagen massiv beeinträchtigen kann. Die FCC vergibt bereits Lizenzen für die Nutzung dieses Frequenzbandes. Die Vergabe sollte sofort eingestellt werden, warnt die NOAA - ansonsten drohen ernste Konsequenzen für die gesamte Bevölkerung des Landes.

Aufdringlicher Nachbar

Konkret beanstandet wird ein Frequenzspektrum um 24 Gigahertz, berichtet Digital Trends. Dieses Spektrum liege nahe an der Frequenz 23,8 GHz, die für meteorologische Instrumente namens Advanced Microwave Sounding Units (AMSU - zu Deutsch: Mikrowellensonden) verwendet wird. AMSU werden üblicherweise in Satelliten verbaut. Sie messen Mikrowellenemissionen aus der Atmosphäre und sammeln wichtige Daten für die Höhenwetterkunde (Aerologie). Das nahe gelegene 5G-Frequenzband könne dazu führen, dass AMSU viel weniger aussagekräftige Daten sammeln können.

Rückfall in die 80er-Jahre

Messdaten von AMSU seien dabei maßgeblich, etwa für die Vorhersage von Hurrikans. Fallen sie weg, würde die Genauigkeit von Prognosen um rund 30 Prozent reduziert werden, meint Neil Jacobs, der Leiter der NOAA. "Wenn man zurückblickt, wann wir 30 Prozent weniger Vorhersagefähigkeiten als heute hatten, dann war das irgendwann um 1980." Bei der Vorhersage der Pfade von Hurrikans würde man zwei bis drei Tage verlieren.

Appell an FCC

Die NOAA appelliert daher an die FCC, die Nutzung des 24-GHz-Bandes zu unterbinden, bis eine Lösung gefunden ist. "Wenn die FCC ihr Vorgehen fortsetzt und die ernsthaften Bedenken der wissenschaftlichen Gemeinschaft ignoriert, dann kann das ernste Konsequenzen für die nationale Sicherheit, für amerikanische Unternehmen und das amerikanische Volk haben", schreiben zwei Senatoren in einem Brief an die FCC.

Lage in Österreich und Europa

In Österreich scheint die Lage weniger dramatisch zu sein. Das Frequenzband von 24 GHz wird hierzulande von der RTR nicht für die Telekom-Nutzung freigegeben. Neben wesentlich langwelligeren Frequenzbereichen ist für 5G der Bereich um 26 GHz vorgesehen, aber noch nicht freigegeben. Bis Ende 2020 wird das Band um 26 GHz noch für Richtfunk verwendet. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bezieht AMSU-Daten von der europäischen Organisation EUMETSAT.

EUMETSAT teilt der futurezone auf Anfrage mit: "Wir sind uns dieses Problems sehr bewusst und arbeiten mit Partnern und Regulierungsbehörden in Europa zusammen." Gemeinsam mit dem Telekomregulierungsdachverband CEPT arbeite man an einer Lösung, die sowohl die Weiterentwicklung von 5G erlaubt, als auch sicherstellt, dass passive meteorologische Sensoren wie AMSU vor Störeinflüssen geschützt sind. Die Grenzwerte für Funkemissionen von 5G in andere Frequenzbereiche seien in Europa deutlich strenger als in den USA.