Science
17.11.2016

Was Chemikalien am Smartphone über die Besitzer verraten

Die Polizei in den USA könnte künftig anhand von Rückständen am Display erkennen, ob der Smartphone-Besitzer depressiv, Vegetarier oder viel im Freien ist.

Forscher der Universität von San Diego haben eine Studie veröffentlicht, die vor allem Ermittler der Polizei ansprechen dürfte. Ohne das Smartphone eines Opfers oder Verdächtigen einzuschalten, könnten Geschlecht, Nahrungs- und Lebensgewohnheiten und Krankheiten des Besitzers herausgefunden werden.

Dazu wird ein Abstrich vom Display gemacht, um Hautpartikel einzufangen, die dann auf chemische Rückstände hin untersucht werden. So können die Forscher etwa feststellen, welche Hygieneprodukte die Person nutzt – vom Shampoo über Duschgel bis zur Lotion. Auch wollen die Wissenschafter so feststellen können, ob die Person viel Fleisch isst, ein Vegetarier ist, gerne Zitrusfrüchte konsumiert oder ein Koffein-Junkie ist.

Finden sich in den Rückständen viele Spuren von Make-up-Produkten, ist es wahrscheinlich, dass es sich bei der Person um eine Frau handelt. Sind Spuren von Sonnencreme oder Insektenschutzmittel enthalten, könnte dies darauf hindeuten, dass die Person sich oft im Freien aufhält.

Chemisches Profiling

Auch eingenommene Medikamente lassen sich nachweisen, von Antidepressiva über Mittel gegen Haarausfall und Scheidenpilz. Sogar das Material von Kleidung hinterlässt chemische Rückstände. Durch diese vielen Indikatoren kann die Polizei ein umfangreiches Profil der gesuchten Person anfertigen, ohne, dass das Handy entsperrt oder auch nur eingeschaltet werden muss.

In den Tests hielten sich einige der chemischen Spuren nur für wenige Tage am Smartphone, andere für mehrere Monate. Das Abwischen mit feuchten Reinigungstüchern entfernt diese Spuren nicht, da die Rückstände auch in kleinen Spalten zu finden sind, die beim Smartphone nur schwer zu reinigen sind.

Diese Methode des chemischen Profilings würde auch bei anderen Alltagsgegenständen, wie Kugelschreiber oder Schlüssel, funktionieren. Da Menschen von allen Gegenständen, die sie täglich bei sich tragen, Smartphones am häufigsten berühren, fiel die Wahl auf die Handys.

Mit Abstrichen kann auch festgestellt werden, wie "schmutzig" Alltagsgegenstände sind. Wie das funktioniert, könnt ihr hier nachlesen.