© Gregor Gruber

Bakterien und Keime
05/06/2011

Alltags-Hightech dreckiger als ein Griff ins Klo

Wir benutzen sie täglich: Bankomaten, Fahrscheinautomaten, Parkschein-Terminals und Computertastaturen. Was vielen nicht bewusst ist: Auf den Geräte lauern häufig schädliche Bakterien und Pilze. Die futurezone hat mit fachkundiger Unterstützung der BOKU Wien getestet, wie verschmutzt die Geräte im öffentlichen Raum tatsächlich sind. Die Ergebnisse fielen zum Teil erschreckend aus.

von Claudia Zettel

„Bitte geben Sie Ihre Geheimzahl ein“, lautet die Aufforderung beim Geldbeheben. Was viele dabei nicht bedenken: Mit dem Drücken von nur vier Tasten kommen wir mit ähnlich vielen Bakterien und Keimen in Kontakt wie bei einem Griff in die Toilette. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass auf den Tasten der Geldautomaten, auf Computertastaturen und selbst in Kühlschränken oft ebenso viele Krankheitserreger lauern, wie in den Kloschüsseln.

Die futurezone hat nun die Probe aufs Exempel gemacht und einen Tag lang Stichproben an den unterschiedlichsten Standorten in ganz Wien genommen. Bankomaten, Fahrscheinautomaten und Citybike-Stationen wurden ebenso der Schmutzprüfung unterzogen wie Testgeräte in Elektronikfachgeschäften, Telefonzellen und Parkschein-Terminals. Durchgeführt wurden die Tests unter fachkundiger Aufsicht und mit Unterstützung des Instituts für Lebensmittelwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) . Verwendet wurden sogenannte ATP-Tests, die die Gesamtverschmutzung – alle organischen Rückstände inklusive Bakterien und Pilzen – auf Oberflächen nachweisen. ATP (Adenosin-Tri-Phosphat) kommt in allen lebenden Zellen vor und weist entsprechend auf die allgemeine Verunreinigung hin.

Outdoor-Geldautomaten stärker verschmutzt
Insgesamt wurden im Zuge des Tests 16 verschiedene Proben genommen und ausgewertet. Im Fokus stand zunächst das Geld: Vier verschiedene Bankomaten wurden auf ihre Verunreinigung hin untersucht, zwei davon waren Geräte im Freien, zwei davon Indoor-Stationen. Dabei zeigte sich, dass die getesteten Outdoor-Geldautomaten eine deutlich höhere Belastung aufwiesen als die beiden innen aufgestellten Geräte. Mit einem ATP-Wert von 4600 kam ein Bankomat auf der Kärntner Straße in der Nähe des Karlsplatzes auf die stärkste Verschmutzung. Dahinter reiht sich ein getesteter Geldautomat auf der Mariahilfer Straße mit einem Wert von 3100. Auf den Wert von 1900 – und damit deutlich weniger – kam ein Indoor-Bankomat in der Millennium City. Am wenigsten verunreinigt (1300) war schließlich ein im Gebäude von PayLife und Bwin aufgestelltes Gerät. Dass die Indoor-Geräte niedrigere Werte aufweisen, kann auch damit zusammenhängen, dass die außen aufgestellten Bankomaten in der Regel stärker frequentiert sind.

„Die Werte liegen im Rahmen des Erwartbaren“, sagt Konrad Domig von der Arbeitsgruppe Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene am Institut für Lebensmittelwissenschaften an der BOKU Wien, der die Tests für die futurezone analysierte. Es läge jeweils eine Verschmutzung vor und sei daher nicht ratsam, sich nach der Benutzung der Geräte mit den Händen in Augen- oder Mundnähe zu fassen, ohne diese vorher zu waschen. Zum Vergleich: Es gibt zwar keine allgemein gültigen Grenzwerte für ATP-Tests, wonach bei bestimmten Werten eine hundertprozentige Gesundheitsgefährdung belegt wäre. Für die Lebensmittelindustrie werden aber beispielsweise bei Milchprodukten Richtwerte von 70 (bedeutet in Ordnung) und 200 (bedeutet eine klare Grenzwertüberschreitung) festgesetzt. Dasselbe gilt für verarbeitetes Fleisch, Fisch oder Eier.

„Fährt man eine Strecke mit der U-Bahn, hält sich an diversen Griffen fest und misst dann die ATP-Werte auf der eigenen Hand, können bei einer nicht gereinigten Hand durchaus auch Ergebnisse von bis zu 1500 zustande kommen“, erklärt Domig. Tests an Toilettenrändern, die in üblichem Rahmen gereinigt werden, würden oft sogar niedrigere Werte ergeben. Die schmutzigen Finger wären mit einem Wert von 1500 auch stärker belastet als die im futurezone-Test geprüften öffentlichen Telefonzellen. Sowohl ein Standort auf der Mariahilfer Straße als auch ein Telefon in der U-Bahnstation Spittelau ergaben jeweils Werte unter 1000. Das Gerät in Spittelau (850) war im Vergleich noch etwas sauberer als das Telefon auf der stark frequentierten Einkaufsstraße.

Öffentlicher Verkehr, Parken und Citybikes
Dass Haltegriffe in U-Bahnen und Bussen mit zu den größten Bakterien-Trägern zählen, ist vielleicht schon vielen bekannt. Im futurezone-Test wurden nun auch die Fahrscheinautomaten einer Prüfung unterzogen. Die Resultate lagen zwischen ATP-Werten von 2400 – ein Touchscreen der Wiener Linien am Westbahnhof – und 4000 – ein Touchscreen der ÖBB am Südtiroler Platz. Etwas weniger verunreinigt präsentierte sich eine Lift-Taste (1700) auf der U4-Station Ober St. Veit. Auch ein Selecta-Automat in Spittelau wies mit einem ATP-Wert von 1400 zwar eine Verschmutzung auf, zählt damit aber bei weitem nicht zu den brisantesten Testkandidaten.

Den absoluten Spitzenwert – und zwar mit gehörigem Abstand – erzielte das Tastenfeld einer Citybike-Station, wo man seinen Code zur Identifizierung eingibt, an der U6 Josefstädter Straße: Die ATP-Messung ergab ein Ergebnis von 15.000 und sticht damit extrem hervor. „Hier muss tatsächlich eine massive Verunreinigung durch organische Rückstände vorliegen“, so Domig. Dass die Citybike-Station nahe am Wiener Gürtel mit einem hohen Verkehrsaufkommen liegt, spiele dabei keine Rolle, da Abgase nicht in den ATP-Werten erfasst werden. Nicht annähernd so stark verunreinigt, aber dennoch der zweithöchste gemessene Wert fand sich bei einem Parkscheinautomaten in Heiligenstadt. Hier lieferte ein Tarifrad das Ergebnis von 5700.

Bakterientest

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Vorsicht beim CD-Probehören
Auf der Suche nach Bakterien, Pilzen und Keimen wurde auch in ein paar Geschäften Station gemacht. Im Visier standen Testgeräte, die täglich von vielen Kunden angefasst und dadurch entsprechend verunreinigt werden. Ein iPad-Testgerät in einem Elektronikgeschäft am Handelskai kam relativ gut weg, es wies nur einen Wert von 470 auf. Weniger empfehlenswert ist hingegen das Probehören von CDs: Ein getesteter Kopfhörer in einem Elektronikgeschäft auf der Mariahilfer Straße ergab den stolzen Wert von 3300 und lag damit weit vor Telefonzellen oder Indoor-Bankomaten.

Überraschend sauber – aus Sicht des Experten – erwies sich eine im futurezone-Büro getestete Computertastatur. Ohne Reinigung ergab sich ein Wert von 330, nach grober Reinigung ein Wert von 300. „Üblicherweise werden hier deutlich höhere Ergebnisse erzielt. Besonders stark sind die Verunreinigungen auf Arbeitsplätzen, wo regelmäßig auch gegessen wird“, sagt Domig.

So oft wird sauber gemacht
„Bei der ÖBB werden Fahrscheinautomaten in der Regel zweimal pro Woche gewartet und gleichzeitig gereinigt“, so ÖBB-Sprecher Johannes Gfrerer auf Nachfrage der futurezone. In sehr abgelegenen Gegenden könne es Intervalle bis zu zwei Wochen geben. Von den Wiener Linien heißt es, die Fahrscheinautomaten werden üblicherweise alle paar Wochen gereinigt. Die Reinigung von Bankomaten obliegt jedem Standort, sprich jeder Bank selbst. Die Regelmäßigkeit kann dabei unterschiedlich sein. „Liegt eine akute Verschmutzung vor, beispielsweise wenn etwas ausgeschüttet wird, dann werden die Geräte sofort gereinigt. Ansonsten obliegt es dem Reinigungspersonal die Bankomaten regelmäßig zumindest trocken abzuwischen“, sagt Raiffeisen-Sprecher Peter Wesely. Wirklich gründlich mit Spezialmitteln, wie sie auch für die Reinigung von Computertastaturen verwendet werden, werde allerdings nur einmal jährlich geputzt.

Verursacht wird die Verschmutzung auf den Geräten in der Regel durch Hautrückstände, Schweiß und Talg. „Es muss sich aber nicht immer um eine gefährliche Verunreinigung handeln“, beruhigt Domig. Auch harmlose Lebensmittelrückstände - etwa wenn jemand gerade einen Apfel gegessen hat und dann die Bankomat-Tastatur benutzt – können zu erhöhten Werten führen. Ganz allgemein rät der Experte, so banal es klingt, zum regelmäßigen Händewaschen. „Empfehlenswert ist eine ganz normale Standard-Hygiene mit Wasser und Seife“, sagt Domig. Von aggressiven Spezial- und Desinfektionsmitteln zuhause rät er ab.

Zur Erhebung:
Beim futurezone-Test handelt es sich ausdrücklich um Stichproben. Als Grundlage für den Test dienten sogenannte ATP-Tests, hierbei wird Adenosin-Tri-Phosphat auf den Oberflächen nachgewiesen. Die Tests geben Aufschluss über die Gesamtverschmutzung – also alles Organische einschließlich Pilzen und Bakterien. Häufigstes Anwendungsgebiet der ATP-Tests ist die Lebensmittelindustrie, dort werden die Test zur Reinigungskontrolle verwendet. Die Auswertung der Proben erfolgt in einem speziellen Gerät: in diesem Fall mit dem HY-LiTE Luminometer. Dabei wird das Adenosin-Tri-Phosphat durch eine Licht-Reaktion (Bioluminiszenz) nachgewiesen und das dabei ausgestrahlte Licht gemessen.

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