Science
11.01.2019

Wenn ein Roboter-Hund dein Amazon-Paket liefert

Was kommt raus, wenn sich ein deutscher Reifenhersteller mit Schweizer Roboterbauern zusammentut? Eine seltsame Zukunftsvision.

Die Zukunft der Paketlieferung ist automatisiert, wenn die zahlreichen Projekte diesbezüglich ein Indikator sind. Neben privaten und ehemals staatlichen Lieferdiensten versuchen sich auch Amazon, Google und andere Firmen daran, die berüchtigte „letzte Meile“ ohne menschliches Zutun zu überwinden. Bisher wurde medienwirksam auf fliegende Drohnen und fahrende Roboter gesetzt – jetzt lernen die Pakete laufen.

Der deutsche Reifenhersteller Continental hat zusammen mit ANYbotics, ein Spin-Off der Schweizer ETG Zürich, ANYMal vorgestellt. Passend zum Namen (animal = englisch für Tier) sieht die paketliefernde Maschine wie ein Roboterhund aus.

Dieser Albtraum aller Briefträger, die während eines Terminator-Filmmarathons eingeschlafen sind, soll Vorteile gegenüber anderer Roboter haben. Durch seine vier Beine kann er, im Gegensatz zu Robotern auf Rädern, Treppen steigen und kleine Hindernisse im Garten überwinden, um das Paket direkt bis zur Türe zu bringen. ANYMal kann sogar klingeln, indem er mit einem seiner Beine die Türklingel betätigt. Bei einer Demonstration auf der Elektronikmesse CES hat der Roboterhund nach dem Klingeln das Paket sanft zur Seite auf den Boden gerollt und dann einen kleinen Siegestanz eingelegt, berichtet The Verge.

Wer jetzt schon ein mulmiges Gefühl und eine Invasion von rebellierenden und bellenden Robotern vor dem geistigen Auge hat, wird die restliche Vision für das Projekt auch nicht mögen. Die Idee ist, dass ANYMal im Rudel agiert. Ein selbstfahrender Lieferbus bleibt in der Straße stehen. Die Türe öffnet sich und mehrere der Roboterhunde springen heraus, um die Bewohner in der Straße mit ihren Bestellungen zu beglücken.

Die Idee ist gut. So brauchen die Roboterhunde keine großen Akkus, weil sie nur kurze Strecken zurücklegen müssen. Außerdem können sie direkt im Lieferwagen mit neuen Paketen bestückt und neu aufgeladen werden.

Pläne diese Vision in die Wirklichkeit umzusetzen, hat Continental derzeit nicht. Dazu sind Roboter auf Beinen noch zu fehleranfällig, wenn sie in günstiger Massenfertigung produziert werden. Weiterentwickelte, mechanisierte Vierbeiner, wie etwa SpotMini von Boston Dynamics, sind für so einen Einsatz im großen Stil zu teuer.