So könnte die Annäherung an den Kometen aussehen

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Raumfahrt
05/15/2014

Zielkomet der Raumsonde Rosetta ist "aufgewacht"

Die europäische Raumsonde Rosetta meldet eine 1.300 Kilometer lange Staubwolke, die durch die Annäherung des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko an die Sonne entsteht.

Der Zielkomet der spektakulären Weltraummission "Rosetta" ist aufgewacht: Neue Aufnahmen des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko von Ende April zeigen eine Staubwolke um den Himmelskörper, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) am Donnerstag in Göttingen mitteilte. Diese sogenannte Koma reiche rund 1.300 Kilometer ins All hinaus.

Zwei Millionen Kilometer entfernt

"Wir sehen im Moment das Aufwachen des Kometen", sagte der MPS-Wissenschafter Holger Sierks. Der von Wissenschaftlern Tschuri genannte Komet ist derzeit noch mehr als 600 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Der Abstand des europäischen Kometenjägers "Rosetta" zu dem Schweifstern betrug Ende vergangenen Monats noch rund zwei Millionen Kilometer. Die neuen Bilder des Kometen wurden von "Osiris", dem wissenschaftlichen Kamerasystem der "Rosetta"-Sonde, zwischen Ende März und Anfang Mai aufgenommen.

Nähern sich Kometen der Sonne, verdampfen leichtflüchtige Gase von ihrer Oberfläche und reißen Fontänen aus winzigen Staubteilchen mit sich. Gase und Staub bleiben aber durch die Schwerkraft zum Teil an den Kometenkern gebunden und speisen die Koma, die Atmosphäre des Kometen.

Ehrgeiziges Sondenprojekt

Dass Tschuri schon früh aktiv geworden ist, bietet den Forschern nun die Gelegenheit, Staubentwicklung und Strukturen innerhalb der Koma bereits in einer frühen Phase der "Rosetta"-Mission zu untersuchen. "Es ist schwer zu glauben, dass Rosetta schon in wenigen Monaten in diese Staubwolke eintauchen und sich dem Ursprung der Kometenaktivität nähern wird", erklärte Sierks, der Leiter des "Osiris"-Teams.

"Rosetta" ist eine der ehrgeizigsten Missionen in der Geschichte der europäischen Weltraumagentur ESA. Sie soll Aufschlüsse über die Zusammensetzung von Kometen liefern, die als Überbleibsel bei der Entstehung des Sonnensystems von 4,6 Milliarden Jahren gelten. "Rosetta" soll Tschuri im August erreichen, in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenken und im November das Landegerät "Philae" auf dem Vier-Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenem Gas und Staub absetzen.

Schnellere Rotation

Gemeinsam mit seinen irdischen Begleitern wird sich der Komet dann in den folgenden Monaten stetig weiter der Sonne nähern, um im August 2015 seinen sonnennächsten Punkt zu erreichen. Dabei wird die Aktivität auf dem Kometen durch die Sonnenwärme beträchtlich zunehmen. Was genau dabei auf dem Schweifstern passiert, sollen die Messgeräte von "Rosetta" und "Philae" aufzeichnen.

Mit Hilfe der neuen Bilder des Zielkometen konnten die Forscher bereits jetzt berechnen, dass Tschuri 12,4 Stunden für eine Rotation um seine Achse benötigt - 20 Minuten weniger als bisher angenommen. "Die genaue Kenntnis der Rotationsperiode des Kometen ist von äußerster Wichtigkeit", betonte der Kometenexperte und "Osiris"-Forscher Stefano Mottola vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dies gelte sowohl für die optimale Planung von Mission und wissenschaftlichen Aufnahmen als auch für die Interpretation der gewonnenen Daten.