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Science
09/07/2020

Zukunftsmusik: So innovativ ist Österreich

Wie Unternehmen die steirische Quetschn, die Nackenmassage und die gesunde Ernährung neu erfinden.

von Andreea Iosa

„Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu erfinden“, sagte einmal der US-Informatiker und Computer-Pionier Alan Kay. Wie vielfältig diese Möglichkeiten sein können, zeigen Klein- und Mittelunternehmen aus Österreich. Mit klaren, neuen Harmonika-Klängen, einer maßgeschneiderten Massage durch eine imitierte menschliche Hand oder einer nährstoffreichen Schokolade  aus Algen, die hierzulande produziert werden, wollen sie die Zukunft mitgestalten.

Millionen-Förderung

Acht Innovationsprojekte mit Schwerpunkt Digitalisierung und Open Innovation werden im Rahmen des Programms COIN (Cooperation & Innovation) vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort mit 3,5 Millionen Euro gefördert. Die Abwicklung erfolgt über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Die drei folgenden Projekte wurden unlängst gestartet und heben die Innovationskraft Österreichs besonders hervor.

Individuelle Harmonika 

Bei dem Projekt Quetschn2Future steht die Optimierung als auch die Individualisierung der steirischen Harmonika durch additive Fertigung mittels 3D-Druck im Vordergrund. „Ziel ist, die traditionelle Handwerkskunst mit modernster Technik zu kombinieren“, sagt Harmonika-Hersteller Franz Schmidt. Das Instrument würde nach alten Handwerksregeln hergestellt, bestimmte Bauteile und Klangkomponenten aber mittels moderner Technik verbessert.

Wie diese neuen Fertigungstechniken hinsichtlich Klang oder Haltbarkeit in den Harmonikabau eingebunden werden können, soll nun genau erforscht werden. Erste Ergebnisse wird es vermutlich Mitte nächsten Jahres geben.

Persönlicher Klang

Wesentlich ist die Individualisierung des Instruments. So kann bei der Herstellung der Wunsch nach einer bestimmten Klangfarbe mitberücksichtigt werden. „Wir können den Kunden die Design- und Klangkomponenten etwa mittels Konfigurator vorab schon zeigen und hören lassen.

So wissen sie, wie die jeweilige Variante aussieht und wie sich welche Variante anhört“, sagt Schmidt. Mithilfe additiver Fertigung gebe es künftig aber noch mehr Möglichkeiten, gewisse Bauteile dem Kundenwunsch entsprechend zu bauen und  den Klang so zu verändern oder anzupassen.

Experten-Netzwerk

Neben der technischen Innovation wird ein Netzwerk aufgebaut, in dem zukünftige Marktanforderungen und Technologien eingebunden werden. Die offene Plattform wird zur kontinuierlichen Verbindung von Musik-, Handwerks- und Volkskultur-Tradition  geschaffen. „Vorwiegend geht es im Projekt um die Quetschn. Da es sich aber um ein Open-Innovation-Programm handelt, wird man bei gelungener Projektdurchführung auch Rückschlüsse für andere Instrumente ziehen können“, sagt Franz Schmidt.

Massage vom Roboter

Ein Expertenteam aus verschiedenen Fachbereichen arbeitet aktuell an einem kollaborativen Gelenkarm-Massageroboter namens „SooSy“. Er imitiert die menschliche Hand und soll unter anderem in Wellness- und Reha-Zentren, 5-Sterne-Hotels oder Kurbetrieben zur Anwendung kommen und qualitativ hochwertige und gleichzeitig kostengünstige Massagen ermöglichen. Dabei geht Soosy auf den jeweiligen Klienten ein.

Roboter erkennt Kunden

„Es ist maßgebend, dass der Roboter Konturen der Körpermaße und persönliche Bedürfnisse und Empfindungen erkennt. Denn es ist ein Unterschied, ob er Massagen an einem korpulenten Mann oder einer zarten Frau durchführt“, sagt Michael Albrecht von Keiko. Erhebungen hätten gezeigt, dass Männer in der Regel druckfestere Nackenmassagen bevorzugen, Frauen hingegen sanftere Rückenmassagen. 

Über eine Kamera soll der Roboter erkennen, welchen Kunden er vor sich hat und per Sprachsteuerung  mit ihm interagieren. Unter anderem kann der Kunde mitten in der Massage eingreifen und mitteilen, wenn er an einer Stelle stärker massiert werden will. 

Magnetantrieb

Für höchste Sicherheit sorgt ein neuartiger patentierter Magnetantrieb. Der Antriebsstrang ist nicht mechanisch, sondern über eine magnetische Kopplung mit der Achse verbunden. Dadurch ist das Maximaldrehmoment begrenzbar. Laut Albrecht könne die richtige Dosierung des Drucks so übertragen werden, dass eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen ist. 

Die Massageprogramme werden gemeinsam mit Masseuren und Ärzten entwickelt und können von Nutzern individualisiert und gespeichert werden. Die können dann überall, wo „SooSy“ weltweit angeboten wird, direkt am Gerät oder via App aufgerufen werden. Wann der Roboter marktreif sein wird, ist noch offen.

Gesunde Schokolade aus Algen

Mikroorganismen wie Pilze, Hefen oder Bakterien werden in der Lebensmittelindustrie für diverse Stoffe wie Alkohol oder Enzyme bereits genutzt. Algen hingegen kaum, obwohl es sicht laut Bernhard Drosg, Area Manager bei BEST (Bioenergy and Sustainable Technologies), um einen Rohstoff mit interessanten Inhaltsstoffen wie essenzielle Aminosäuren, Spurenelemente oder Antioxidantien handelt. Das Netzwerk rund um BEST und Rohkraft green forscht daher daran, Algen regional und nachhaltig zu produzieren. 

Haltbarkeit

Ziel ist es, eine Verarbeitungs- und Konservierungsmethode zu entwickeln, mit der die Wertstoffe  erhalten bleiben. „Die Standardvariante ist, dass sie mittels Sprühtrockner getrocknet werden, wodurch sich Geschmack und Konsistenz aber ändern“, sagt Drosg. Nun sollen alternative Verfahren getestet werden, um die Algen schonend haltbar zu machen und  Geschmack sowie Textur zu erhalten. 

Neue Produkte

In Folge sollen neue Backwaren, Fruchtsäfte und Schokolade mit einem hohen Anteil an Algenbiomasse hergestellt werden. Denn: „Normalerweise enthalten Algenprodukte nur sehr wenig Algen, wodurch der Protein- und Wertstoffgehalt im Lebensmittel vernachlässigbar ist“, sagt der Experte.

Algenextrakte haben eine antibakterielle Wirkung

Zum Einsatz kommt eine Biogasanlage. „Grundsätzlich enthält die Mikroorganismen, die Biomasse und Reststoffe wie Schweinegülle abbauen“, so Drosg. 

Die in diesem Prozess produzierte Abwärme würde in diesem Fall genutzt, um die Algen zu kultivieren. Auch das CO2 im Biogas könnte verwertet werden, denn Algen benötigen es zum Wachsen. Ein genaues Konzept dazu soll noch erforscht werden.

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft  (FFG).

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