Start-ups 14.02.2018

App aus Wien zählt Kalorien mithilfe von Handyfotos

App aus Wien zählt Kalorien mithilfe von Handyfotos
© Kalbeck Ventures

Das Wiener Start-up snics hat eine App entwickelt, die mit Bilderkennung und künstlicher Intelligenz Kalorien zählt. Auch eine Crowdinvesting-Kampagne wurde gestartet.

Wer schon einmal versucht hat, seine Ernährung zu protokollieren und die zu sich genommen Kalorien zu erfassen, weiß: Das ist nicht einfach. Zwar gibt es bereits eine Vielzahl an Apps, die Kalorien berechnen, dazu müssen allerdings die zu sich genommenen Speisen und Portionsgrößen händisch eingetragen werden. Das Wiener Start-up snics hat eine zeitsparende Alternative dazu entwickelt, die auf Bilderkennung und künstliche Intelligenz setzt. Mit der App des Start-ups snics, das steht für "Snacks" und "Pictures", genügt es, die Mahlzeiten abzufotografieren, um die Nährwerte automatisch zu ermitteln. Die künstliche Intelligenz erkennt, um was für Speisen es sich handelt und errechnet unter Rückgriff auf eine Ernährungsdatenbank mit mehr als 150.000 Einträgen  die Kalorienanzahl. Als Basis dienen Standardportionen. Seit Mittwoch steht die App, die bislang nur in einer Testversion erhältlich war, im iOS-App Store und im Google Play Store zum Download bereit.

"Jedes Foto, das bei uns reinkommt, wird auch von unserem Ernährungsteam überprüft", sagt snics-Gründer Gerd Sumah. "Das dreiköpfige Team sieht sich an, ob die Inhalte richtig erkannt wurden, wenn nicht, korrigieren sie das Ergebnis." Auf diese Art werde auch die künstliche Intelligenz, deren Grundlage die von Google freigegebene Software Tensorflow bildet, trainiert, sagt Sumah. Je mehr Bilder hochgeladen werden, umso besser wird sie.

Experten bessern nach

Bei den Testnutzern habe man bei Standard-Rezepten Erkennungsquoten von 60 Prozent erreicht, erzählt Sumah, bei weiteren 20 Prozent mussten nur geringfügige Korrekturen vorgenommen werden. Der Rest wird vom snics-Team nachgebessert. Die Kombination von künstlicher Intelligenz und der Expertise von Ernährungswissenschaftlern will man auch in Zukunft beibehalten.

© Kalbeck Ventures

Mit seiner App richtet sich das Start-up an Unternehmen und Organisationen, die ihren Kunden oder Mitgliedern helfen wollen, sich bewusst zu ernähren, an Ernährungsberater, die sich mit den automatisch erstellten Ernährungsprotokollen viel Arbeit ersparen sollen, und an Endnutzer, die die App kostenlos erhalten und für Zusatzleistungen, etwa die Integration von Bewegungsdaten aus Fitness-Apps, bezahlen sollen.  Schnittstellen gibt es etwa zu Fitbit, Jawbone, Nokia Health (Withings), Runkeeper und Moves, Polar und Garmin sollen folgen.

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich und ein Fasten-Hotel zählt snics bereits zu seinen Kunden, zahlreiche Ernährungsberater nutzten die App seit längerem in einer Testversion. Auch mit Versicherungen sei man im Gespräch, erzählt Sumah.

Crowdinvesting-Kampagne

Kommende Woche startet das Unternehmen auch eine Crowdinvesting-Kampagne auf der Plattform Green Rocket. 300.000 Euro möchte man auf diesem Weg lukrieren, erzählt Sumah. Bislang wurde das Start-up mit Investments privater Geldgeber sowie Förderungen der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws), der Forschungsförderungesellschaft (FFG) und der Wirtschaftsagentur Wien finanziert. Für heuer ist auch noch eine weitere Finanzierungsrunde geplant, bei der man sich eine Million Euro für den Markteintritt und die weitere Expansion sichern will.

Nach dem deutschsprachigen Raum ist zunächst die Expansion in die Benelux-Länder und 2020 auch in die USA geplant. Sumah: "Sobald wir in Österreich und Deutschland etabliert sind, wollen wir die Internationalisierung angehen."

© Sascha van der Werf

Erfahrung als Gründer

Mit Start-ups hat der snics-Gründer bereits Erfahrung. Vor mehr als zehn Jahren hatte Sumah gemeinsam mit einem Partner eine selbstkühlende Getränkedose entwickelt. "Das war so etwas wie der heilige Gral der Getränkeindustrie", erinnert sich der Gründer. Die Dose, die auf Absorptionskältetechnik setzte, habe funktioniert und konnte auch zu einem vertretbaren Preis produziert werden, erzählt Sumah. In Hongkong sei sie auch bereits testweise im Einsatz gewesen.

Die großen Getränkekonzerne hätten sich dann aber doch gegen die Technik entschieden. "Sie haben einen Imageschaden befürchtet, wenn sie quasi einen Einwegkühlschrank auf den Markt bringen", sagt Sumah, der mit der Entwicklung viel Geld versenkte. "Wir haben viel gelernt", meint der Gründer. Für sein neues Start-ups snics ist er zuversichtlich: "Für den Markteintritt gibt es keine Barrieren und wir haben eine stabile Geschäftsbasis."

(futurezone) Erstellt am 14.02.2018