A man in a suit rides an electric BIRD rental scooter along a city street in San Diego, California
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Start-ups

Auch Tretroller-Start-up Bird offenbar vor Start in Wien

Das US-Start-up Bird könnte schon bald, ebenso wie der Konkurrent Lime, seine Elektro-Tretroller in Wien anbieten. Das Unternehmen sucht derzeit über Facebook-Werbeanzeigen nach sogenannten „Chargern“. Dabei handelt es sich um freie Mitarbeiter, die die E-Tretroller einsammeln und zuhause aufladen.

Bird macht in der Stellenanzeige keinerlei Angaben zu einem bevorstehenden Start, sucht aber explizit nach Mitarbeitern in Wien, zudem wird die Werbung mittels Targeting lediglich österreichischen Facebook-Nutzern angezeigt.

US-LIFESTYLE-TECHNOLOGY-ELECTRIC SCOOTER

Bislang war Bird ausschließlich in den USA verfügbar, im August begann man auch mit der Expansion nach Frankreich und Israel. Über die Facebook-Seite von Bird ist ersichtlich, dass man derzeit neben diesen Ländern auch Österreich und Belgien ins Visier nimmt. Auf Anfrage der futurezone meinte die offizielle Pressestelle von Bird am Montag, dass man "derzeit die Möglichkeiten in einer Vielzahl an Städten untersucht" und dass es vorerst noch kein offizielles Datum für einen Österreich-Start gibt.

In einem späteren Statement bestätigte Christian Geßner, General Manager für Bird in Wien, die Pläne für Österreich: "Bird bereitet sich seit einigen Monaten auf einen Start in Wien vor. Ein genaues Launch-Datum gibt es noch nicht. Wir befinden uns derzeit in einem sehr produktiven Dialog mit der Stadt Wien, die wir als unseren wichtigsten Partner betrachten. Bird ist First Mover im E-Scooter-Sharing und unser Prinzip ist, dass wir nur dann News ankündigen, wenn wir auch wirklich auf der Straße sind. Das beinhaltet, dass wir eine perfekte Lösung für alle Beteiligten – die Stadt Wien, unsere Kundinnen und Kunden, Wienerinnen und Wiener, die Mobilitätsagentur – gefunden haben. Wir freuen uns darauf, bald eine echte Alternative in der integrierten Mobilität in Wien zu sein".

Die städtische Mobilitätagentur bestätigt die Gespräche. Ein konkreter Starttermin wurde dabei nicht kommuniziert, erklärt eine Sprecherin. Aber: „Derzeit wird geprüft, ob die Räder unter die Leihrad-Verordnung fallen.“ Nur wenn die Bird-Scooter von dem Regelwerk erfasst sind, hat die Stadt für den Fall, dass es zu einem Abstell-Chaos kommt, eine echte Handhabe gegen den Anbieter.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Konkurrent Lime ab Ende September testweise in Österreich startet. Das US-Start-up ist neben Bird der größte Anbieter von Elektro-Tretrollern in den USA. Vorerst will man mit 200 bis 300 E-Tretrollern in Wien starten, die per App gemietet werden können. Für die Anmietung wird eine Gebühr von einem Euro fällig, danach kostet jede weitere Minute 15 Cent. Die Elektro-Tretroller können nicht schneller als 24 km/h fahren, andernfalls müssten sie als Moped klassifiziert werden und wären strenger beschränkt.

Lime und Bird sind derzeit die beiden Schwergewichte im E-Tretroller-Sharing. Lime erhielt im Juli im Rahmen einer Finanzierungsrunde rund 335 Millionen US-Dollar an Risikokapital, unter anderem von Uber. Der Dienst soll auch in die Uber-App integriert werden. Bird hat in bislang drei Finanzierungsrunden insgesamt 415 Millionen US-Dollar eingenommen und ist somit mit einem ebenso guten Kapitalpolster ausgestattet. Die Europa-Expansion wird von EMEA-Chef Patrick Studener geleitet, der auch schon für die Europa-Pläne von Uber verantwortlich war, unter anderem der Einstieg in den österreichischen Markt 2014. Die Europa-Zentrale von Bird ist in Amsterdam - wo das Start-up kurioserweise bislang nicht gestartet ist, weil Elektro-Tretroller dort nicht ohne spezielle Genehmigung erlaubt sind.

Gleich teuer wie Lime

Das Preismodell von Bird dürfte weitestgehend ident zu jenem von Lime sein. Die Preise für Bird-Scooter in Paris sind gleich hoch wie jene von Lime in Wien. Ungewöhnlich ist jedoch, dass Bird offenbar sein Lade-Konzept aus den USA nach Europa holt. Die sogenannten „Charger“ sind freie Dienstnehmer, die pro eingesammelten E-Tretroller bezahlt werden. Im Posting heißt es unter anderem, dass man „bis zu 100 Euro am Tag“ verdienen und nach „eigenem Zeitplan“ arbeiten könne. 

Ein verlockendes Angebot, doch wie Berichte aus den USA zeigen, ist der Aufwand relativ hoch. So dauert der Ladevorgang bei stark entleerten Tretrollern mehrere Stunden. Diese müssen nach den Laden, sofern sie nicht beschädigt sind, zudem an einen von Bird markierten Ort gebracht werden. In den USA ist ein starker Wettbewerb unter den Chargern entstanden, manche horten sogar zur Abholung markierte E-Tretroller bei sich zuhause, bis diese vollständig entladen sind, um die Belohnung in die Höhe zu treiben. Der Betrag pro E-Scooter richtet sich nach dem Ladeaufwand und liegt in den USA bei fünf bis 20 US-Dollar.

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Michael Leitner

derfleck

Liebt Technik, die Möglichkeiten für mehr bietet - von Android bis zur Z-Achse des 3D-Druckers. Begeistert sich aber auch für Windows Phone, iOS, BlackBerry und Co. Immer auf der Suche nach "the next big thing". Lieblingsthemen: 3D-Druck, Programmieren, Smartphones, Tablets, Open Hardware, Videospiele

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