Start-ups
08.11.2018

Flohmarkt-App Shpock: Neue Strategie kostet 82 Jobs in Wien

Hippes Wiener Start-up zieht sich aus Italien und Norwegen zurück. Der Verlust beträgt 70 Millionen Euro.

Zehn Millionen User pro Monat und Waren im Wert von sechs Milliarden Euro im Angebot – die österreichische Flohmarkt-App Shpock ist laut eigenen Angaben eine der größten Shopping-Apps Europas. Hinter dieser beliebten App steckt die Wiener finderly GmbH, die mittlerweile mehrheitlich dem norwegischen Medienkonzern Schibsted gehört.

Nach dem Wechsel in der Geschäftsführung im Oktober kommt es nun einem Strategiewechsel, bei dem anscheinend kein Stein auf dem anderen bleibt. So werden kolportierte 82 Mitarbeiter mit Stichtag Ende November beim AMS zur Kündigung angemeldet, vor allem aus den Bereichen Vertrieb, Design und Marketing.

„Ich muss das leider bestätigen“, sagt Shpock-Sprecher Fabio Tiani zum KURIER. „Das Ziel ist weg vom größten europäischen Marktplatz und weg von starkem Wachstum in allen Märkten. Wir fokussieren uns künftig auf den britischen Markt, um die bestehenden User zu monetarisieren und auf eigenen Beinen zu stehen.“ Das heißt auf gut Deutsch: Mit den Nutzern dieses virtuellen Flohmarkts soll endlich ausreichend Geld verdient werden – und das vor allem in Großbritannien.

„Wir ziehen uns aus den Märkten Italien und Norwegen zurück“, bestätigt Tiani. „Wir bleiben aber auf unseren Heimmärkten Deutschland und Österreich.“ In Wien wird das Team auf 102 Mitarbeiter zurückgestutzt. Neben der massiven Reduktion der Personalkosten werden auch die Marketingausgaben kräftig gekürzt. Denn diese haben bisher offenbar Unsummen verschlungen.

Rote Zahlen

Laut Bilanz für das Jahr 2017 führten die jahrelangen Verluste (insgesamt 70,14 Millionen Euro) zu einem negativen Eigenkapital in Höhe von 73,87 Millionen Euro. Das entspricht einer Verdoppelung zum Jahr davor.

„Ursache sind im Wesentlichen die für den Aufbau einer Nutzerbasis erheblichen Marketingausgaben“, heißt es im Lagebericht. Um eine Überschuldung nach dem Insolvenzrecht zu vermeiden, hat der Mehrheitseigentümer Schibsted insgesamt 75 Millionen Euro nachrangiges Kapital zur Verfügung gestellt und eine Patronatserklärung abgegeben.

Die Norweger müssen im schlimmsten Fall für diese Schulden geradestehen. Neben Runstastic zählt Shpock zu den heimischen Vorzeige-Start-ups, Shpock heimste diverse Preise ein.