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Start-ups
01/24/2020

Innovative Ladeplatte aus Graz für E-Autos erhält Auszeichnung

Ein großes Problem im Bereich der E-Mobilität stellt die defizitäre Ladeinfrastruktur dar. Ein Grazer Start-up will das ändern.

von Andreea Iosa

Am 23. Jänner hat Austrian Standards im Rahmen des jährlichen Living Standards Awards fünf österreichische Unternehmen ausgezeichnet. Diese haben Innovationen entwickelt, die in Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen. Die Themenvielfalt der heurigen Preisträger ist breit: Von sauberem Grundwasser für den Klimaschutz bis hin zum Kampf gegen den Elektroschrott gestalten alle Preisträger die internationale "grüne" Zukunft mit.

Und die nötige Standardisierung: „Unsere Preisträger zeigen den hohen Nutzen, den Standards für unser modernes Leben haben. Standards sind lebendig, werden im Dialog zwischen Herstellern, Anwendern, Behörden und Forschern beständig weiterentwickelt und spiegeln als Regel der Technik wider, was Technik oder Dienstleistung sicher und fortschrittlich funktionieren lässt“, sagte Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von Austrian Standards, bei der Verleihung. Einer der Vorreiter in diesem Bereich bildet das Grazer Start-up Easelink.

Elektromobilität braucht Ladeinfrastruktur

Als Preisträger in der Kategorie „Developing Future Technologies” hat das Team rund um Gründer Hermann Stockinger ein System entwickelt, mit dem eine automatisierte, flächendeckende und effiziente Ladeinfrastruktur gewährleistet werden soll. „Für einen erfolgreichen Wandel zur Elektromobilität braucht es einen automatisierten Ladevorgang, der das händische An- und Abstecken des Ladekabels ablöst. Komfortables Laden muss nicht nur in der eigenen Garage, sondern vor allem im öffentlichen Raum möglich sein“, sagt Stockinger der futurezone und ergänzt: „Wir wollen einfaches Laden auf möglichst vielen Parkplätzen etablieren." Die Idee für das Ladesystem „Matrix Charging“ war geboren.

Das System besteht aus zwei Komponenten: Einem Connector, der am Fahrzeugunterboden verbaut ist und einem Pad, das am Parkplatzboden angebracht wird. Sobald das Auto über dem Pad parkt, senkt sich der Connector ab und verbindet sich damit. "Es entsteht ein direkter physischer Kontakt zwischen Connector und den metallischen Kontaktpunkten auf der Pad-Oberfläche“, erklärt Stockinger. Dabei werden aber nur jene Kontaktpunkte zur Stromübertragung verwendet, die vom Connector abgedeckt sind, sodass die Platte jederzeit berührt werden kann. Auch von Haustieren, die sich während des Ladevorgangs unter dem Auto aufhalten könnten.

Hohe Effizienz

Das konduktive System überträgt Strom wie ein herkömmliches Ladekabel über eine direkte physische Verbindung. Im Vergleich zu induktiven Systemen bieten sich dadurch nicht nur Vorteile in Bezug auf die mögliche Ladeleistung, sondern auch hinsichtlich des erzielbaren Wirkungsgrads. Ein hoher Wirkungsgrad des Ladesystems stellt sicher, dass möglichst viel von dem aus dem Netz bezogenen Strom auch wirklich in der Fahrzeugbatterie ankommt und nicht in Form von Wärme verloren geht. „Bei einer wachsenden Durchdringung von Elektromobilität ist ein hoher Wirkungsgrad von Ladesystemen von großer Bedeutung, da es sonst zu großen Energieverlusten beim Laden kommen wird“, erklärt Stockinger.

Mit Matrix Charging soll auch eine hohe Ladeleistung gewährleistet werden: Im Wechselstrombereich mit bis zu 22 kW, höhere Leistungen im Gleichstrom-Bereich folgen in einer späteren Produktgeneration.

Platzsparend und unauffällig

Der steigende Bedarf an Ladeinfrastruktur macht die Errichtung von immer mehr Ladesäulen im öffentlichen Raum notwendig. Oftmals werden die Ladesäulen im Bereich von Gehsteigen und Fahrradwegen aufgestellt, was die Barrierefreiheit von Fußgängern und Fahrradfahrern eingeschränkt. „Zukünftige Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum müssen möglichst platzsparend und unauffällig im Stadtbild integriert werden. Das Matrix Charging Pad wird direkt am Parkplatzboden angebracht und stellt somit kein Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer dar. Bei Bedarf kann das Pad auch im Boden eingelassen werden, was sogar die Überfahrt durch einen Schneepflug möglich macht“, so der Easelink-Chef.

Prototypen von Matrix Charging sind derzeit in diversen Kundenprojekten und in einem firmeneigenen BMW i3 in täglichem Einsatz. Seit 2018 läuft eine Kooperation mit der Energie Steiermark in Graz. Der Markteintritt sei jedenfalls in 2-3 Jahren geplant. Der Preis für Matrix Charging soll im Bereich einer guten Wallbox liegen – die beginnen bei 500 Euro und gehen bis 3.000 Euro.

Nähere Details gibt das Team rund um Stockinger am 11. Februar bei der Woche der Wiener Wirtschaft der WKO bekannt.