Ein Blick in das Innere eines Quantencomputers

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Start-ups
12/10/2019

Quantencomputer: Tiroler Start-up konkurriert mit IBM und Google

Dass das junge Unternehmen in Innsbruck angesiedelt ist, ist kein Zufall.

von Florian Christof

Die heutigen Prozessoren, die das Herzstück von Computern und Smartphones darstellen, basieren auf einer Technologie, die Anfang der 1970er entwickelt wurde. Seither haben sie eine rasante Entwicklung hinter sich gebracht. Sie werden immer kleiner, arbeiten immer schneller und werden immer effizienter. Doch schön langsam gerät diese kontinuierliche Weiterentwicklung ins Wanken.

"Es gibt mittlerweile einige Anwendungsgebiete bei denen klassische Computer mit ihrer Rechenleistung an ihre Grenzen stoßen", sagt Thomas Monz, Mitgründer und CEO der AQT im Gespräch mit der futurezone. "Bei manchen dieser Anwendungen kommen nun Quantencomputer ins Spiel, die im Vergleich zu herkömmlichen Prozessoren neue Lösungsmöglichkeiten aufweisen können."

Computer vs. Quantencomputer

Klassische Prozessoren verarbeiten Information auf Basis des Binärsystems. Dadurch kann der Computer, wie wir ihn heute kennen, zwei mögliche Zustände - Null oder Eins - als Informationen annehmen und diese Schritt für Schritt abarbeiten. Quantencomputer machen sich jedoch verschiedene Effekte der Quantenphysik zunutze, um mehr als einen Zustand gleichzeitig annehmen zu können. Dadurch kann die neue Technologie die Rechnungen anders abarbeiten, wodurch sich die Rechenleistung enorm erhöht.

Das Start-up aus Innsbruck arbeitet am Marktreifeprozess von Quantencomputern. "Wir haben Partner, die unsere Rechner bereits im Einsatz haben", sagt Monz. Noch gehe es aber in erster Linie um beidseitiges Lernen. "Wir bekommen Feedback von unseren Partnern und versuchen dieses in die Weiterentwicklung einfließen zu lassen, um die Technologie auszureifen."

Bevor die AQT ihre Quantencomputer zum Verkauf anbietet, müsse sichergestellt werden, dass der Rechner auch richtig gut läuft und Kinderkrankheiten ausgebügelt werden. "Erst wenn wir alle zufrieden sind, werden wir unseren Kunden Quantencomputer anbieten", so der Start-up-Gründer. 

Hohe Kosten

Diese Kunden werden zunächst aber keine klassischen Endverbraucher sein, sondern vor allem Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen oder Universitäten, wie Monz erklärt: "Einsatzgebiete sind etwa Materialwissenschaften, im Chemie- oder Finanzbereich." So könne ein Quantencomputer etwa bei der Entwicklung neuer Akku-Technologien die Möglichkeiten, welche Materialien am besten geeignet sind, hocheffizient und wesentlich schneller durchrechnen.

Wieviel ein vollwertiger Quantencomputer kosten werde, sei schwer zu beziffern, sagt der Start-up-Gründer. Wenn man sich an der Konkurrenz orientiere, kommen dafür ungefähr zehn Millionen Dollar in Frage. Um den Zugang zu den Hochleistungsrechnern niederschwelliger ansetzen zu können, werde AQT auch Rechenleistung über die Cloud zur Verfügung stellen. Dadurch müssen sich etwa Forschungseinrichtungen nicht gleich einen kompletten Quantencomputer in den Keller stellen, sondern können bei bestimmten Anwendungen auf die hohe Rechenleistung zurückgreifen. 

Innsbruck als Zentrum für Quantenforschung

Dass die AQT in Innsbruck angesiedelt ist, ist kein Zufall. Tirol hat sich in den vergangenen Jahren als eine Art Magnet für Quantenphysik entwickelt, Experimentalphysiker und Theoretiker aus aller Welt forschen und lehren in Innsbruck.

Und wenn man sich ansieht, mit wem das junge Tiroler Unternehmen konkurriert, wird deutlich, dass Österreich hier in der Weltspitze mitmischt. Bei der Entwicklung von Quantencomputern steigt AQT nämlich mit IBM, Intel, Google und Microsoft in den Ring.

Finanzierung

AQT ist kein direktes Spin-off der Universität Innsbruck, beschäftigt sich aber sehr viel mit Forschung und Entwicklung. Wohl auch deswegen ist mittlerweile die Uni an dem Start-up beteiligt.

Die erste größere Förderung hat das junge Tiroler Unternehmen aber von der Industriellenvereinigung Tirol erhalten, die seit mehreren Jahren die Forschung an Quantencomputern unterstützt. Aktuell wird das Start-up von der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) im Pre-Seed-Programm unterstützt. Auch über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG konnten Gelder lukriert werden. Ebenso stehen hinter Alpine Quantum Technologies erste Investoren.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).