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Start-ups
09/14/2019

Start-up setzt auf maßgeschneiderte Räder und E-Bikes aus Holz

Das oberösterreichische Start-up My Esel stellt maßgeschneiderte Räder automatisiert her und will auch mit nachhaltiger Produktion punkten.

von Patrick Dax

Wie viele Start-ups entstand auch das auf maßgeschneiderte Holzfahrräder spezialisierte Linzer Unternehmen My Esel aus einem persönlichen Problem. "Ich bin 1,95 Meter groß und hatte beim Radfahren Knieprobleme und Schmerzen im Rücken", erzählt Christoph Fraundorfer. Ein auf seinen Körper abgestimmtes Fahrrad zu finden, sei kaum möglich gewesen. Deshalb stellte sich er die Frage, wie man für jeden ein individuell angepasstes Produkt automatisiert produzieren könnte: "Wie Adidas mit dem 3D-gedruckten Schuh", erläutert der Gründer.

Fraundorfer experimentierte und begann aus Sperrholzplatten Rahmen für Fahrräder zu fräsen. "Das hat gut funktioniert." Eine Geschäftsidee war geboren. 2013 gründete Fraundorfer My Esel. Neben Renn- und Tourrädern sowie Mountainbikes hat das junge Unternehmen seit 2017 auch E-Bikes im Angebot.

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"Sehr flexibel"

"Holzrahmen sind von der Bearbeitung sehr flexibel", erzählt Fraundorfer. Auch wenn es um die Performance, Steifigkeit, Robustheit und Vibrationsdämpfung gehe, sei Holz das beste Material. Gebaut werden die Rahmen aus verschiedenen Layern. Der Außenteil besteht aus Hartholz, etwa Esche oder Birke, innen kommen leichtere Hölzer, beispielsweise Papel, zum Einsatz.

An die Kunden individuell angepasst werden die Räder mithilfe einer gemeinsam mit Orthopäden entwickelten Software, die nach Eingabe der Körper- und Schuhgröße und der Länge Unterschenkels die idealen Maße des Rahmens berechnet. Zusätzlich gibt es noch ein Telefonat mit dem Kunden, bei dem Vorlieben und gesundheitliche Probleme, etwa Rückenschmerzen, erhoben werden. "Wir können sehr exakt darauf eingehen", sagt Fraundorfer. Danach wird das Fahrrad in 4 bis 6 Wochen produziert und ausgeliefert. "Wir machen auch Standardrahmen, weil Maßanfertigungen nicht für jeden notwendig sind. Die sind auch günstiger", erzählt der Gründer.

Ab 2000 Euro

Zu haben sind die Fahrräder ab knapp 2000 Euro, E-Bikes werden ab 3500 Euro angeboten. Für die individuelle Konfiguration fällt ein Aufpreis von 500 Euro an. 

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Mittlerweile seien E-Bikes für den Großteil des Absatzes verantwortlich, erzählt Fraundorfer. Vertrieben werden die My Esel-Räder online, aber auch im ausgewählten Fachhandel. "Viele wollen die Räder ausprobieren und angreifen." Der Großteil der Kunden kommt aus Österreich, verkauft werden die Räder auch in der Schweiz und Deutschland, wo ab Herbst ebenfalls ausgewählte Fachhändler bestückt werden.

"Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig"

Produziert  werden die Räder komplett in Oberösterreich. "Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig", sagt Fraundorfer. "Wir wollen so viel wie möglich lokal herstellen." Die Fräs- und Drehbearbeitung der Holzplatten passiert im Raum Linz. In Traun werden die Holzfahrräder dann entsprechend der Kundenwünsche zusammengebaut.

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Auch das Holz komme großteils aus Österreich und aus der EU aus nachhaltiger Forstwirtschaft, sagt Fraundorfer.  Das bedeutet, das Holz, das verwendet wird, wieder aufgeforstet wird. Komponenten, wie etwa Schaltung, Felgen oder Gabel werden von Firmen wie Shimano oder Rockshox zugekauft.

Finanziert wurde das Start-up aus Eigenkapital und aus Förderungen. Seit 2018 sind auch vier Investoren an Bord. "Es waren eigentlich Kunden, die selbst erfolgreiche Unternehmer sind", sagt Fraundorfer. "Es sind Investoren, die für das Produkt brennen." Im vergangenen Jahr erhielt My Esel auch eine Finanzierung aus dem Seedprogramm der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws).

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An strategischen Partnerschaften sei man immer interessiert, sagt Fraundorfer: "Wir haben ein spannendes Produkt, das in vielen Vertriebskanälen funktioniert." Potenzial sieht Fraundorfer etwa bei gebrandeten Fahrrädern für Firmen.

"Sind dort, wo wir hin wollten"

Als nächsten Schritt will das Start-up den Vertrieb ausbauen und die Bekanntheit der My Esel-Räder zu steigern. In den vergangenen Jahren habe man jedes Jahr neue Produkte vorgestellt und Optimierungen vorgenommen, erzählt der Gründer. "Wir haben viel gelernt und sind jetzt dort, wo wir hin wollten. Wir sehen auch immer mehr unserer Fahrräder auf der Straße. " 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).