Start-ups
03.07.2018

Start-ups für KMU eher Partner als Konkurrenz

Erste-Bank-CEO Stefan Dörfler bei der Präsentation einer Studie zum Verhältnis von KMU und Start-ups © Bild: Erste Bank

Eine Studie der Erste Bank zeigt, dass KMU Start-ups selten als Konkurrenz sehen. Gerade bei Digitalisierung sind viele zur Zusammenarbeit mit Start-ups bereit.

Die Erste Bank und das Marktforschungsinstitut IMAS haben eine Studie durchgeführt, bei denen das Verhältnis heimischer Klein- und mittelgroßer Unternehmen (KMU) zu Start-ups untersucht wurde. Österreichweit wurden dazu 900 Unternehmer befragt. Am Dienstag präsentierte Erste-Bank-CEO Stefan Dörfler die Ergebnisse. "99,7 Prozent der Unternehmen in Österreich sind KMU. Sie beschäftigen 1,9 Millionen Menschen. Derzeit finden sie ein konstruktives Marktumfeld vor", meint Dörfler. Das heimische Wirtschaftswachstum bewege sich um drei Prozent, die Investitionen von KMU steigen.

Lage besser als 2017

Gegenüber dem Vorjahr nehmen wesentlich mehr Kleinunternehmer ein positives Marktumfeld wahr. Der Großteil meint zwar immer noch, dass die eigene Lage am Markt schwieriger geworden ist, der Anteil sank jedoch von 76 Prozent im Jahr 2017 auf nunmehr 59 Prozent. Die kritische Betrachtung der eigenen Lage sei "typisch für Unternehmer", meint Dörfler. Als maßgeblich für den eigenen Erfolg betrachten 99 Prozent der Unternehmen den Faktor Mensch. Die besten Mitarbeiter zu haben wird demnach als wesentlich wichtiger erachtet als ein hohes Maß an Innovationen oder die Erschließung neuer Kundengruppen.

Innovative Start-ups

50 Prozent der KMU sehen eine deutlich steigende Innovationsgeschwindigkeit. Bei der Befragung wurde ermittelt, wie die Unternehmer damit umgehen, dass immer mehr Produkte von "neuen Anbietern" und Start-ups auf den Markt drängen. Als Konkurrenz sehen KMU Start-ups jedenfalls weniger. 38 Prozent sehen Start-ups gar nicht als Bedrohung, 32 Prozent eher weniger. 20 Prozent sehen sie etwas als Konkurrenz, neun Prozent stark. Eine Kooperation mit Start-ups halten 25 Prozent für eher wahrscheinlich, 8 Prozent für sehr wahrscheinlich. Der Großteil sieht derzeit noch kein Potenzial für gemeinsame Projekte.

Ausbildung im Fokus

Wo sich KMU noch am ehesten von Start-ups unter die Arme greifen lassen, ist im Bereich neue Technologien, Software und Internet. 64 Prozent sehen Kooperationen hier als sinnvoll an. "Das ist nicht der große Kracher im Sinne von Überraschung", meint Dörfler. "Da hätten wohl die meisten von uns darauf getippt." Ebenfalls hohe Zustimmung gibt es in den Bereichen Ausbildung der Mitarbeiter und Optimierung der Arbeitsabläufe. "Dieses Resultat ist spannend. Bei der Ausbildung wird stark auf neue Methoden und neue Anbieter gesetzt."

Kredite

Die Finanzierung innovativer Projekte stellt für den Großteil der KMU kein Problem dar. 85 Prozent bekamten Kredite dafür. 15 Prozent der Unternehmer wurden jedoch zurückgewiesen. Die Studie hat drei wesentliche Gründe dafür identifiziert: Mangelnde Projektqualität, strenge Auflagen und regulatorische Hürden. Stefan Dörfler erinnert auch hier an den Faktor Mensch: "In vielen Fällen fehlen die qualifizierten Mitarbeiter am Markt, um Projekte zu unterstützen." Der Fachkräftemangel sei ein bekanntes Phänomen, das die Erste Bank versuche, gemeinsam mit Partnern und Politik zu adressieren.

Fachkräftemangel

Auf die Frage der futurezone, in welchem Bereich der größte Mangel herrsche, meint Dörfler: "Für KMU geht es insbesondere um den IT-Bereich. Datenmanager und Programmierer sind am Markt nur zu hohen Konditionen zu akquirieren. Das hören wir breitflächig von Unternehmen." Um das Problem zu lösen, setzen viele KMU auf die Ausbildung von Fachkräften im eigenen Unternehmen. "Das braucht aber eine lange Vorlaufzeit", so Dörfler.

Innovationsmilliarde

Um KMU bei der Umsetzung innovativer Projekte zu unterstützen, stockt die Erste Bank ihre Innovationsmilliarde um eine Milliarde Euro auf. Dörfler: "Zuletzt ist der Topf auf 100 Millionen geschrumpft. Ab sofort stehen wieder 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung." KMU will die Erste Bank außerdem durch ein erweitertes Online-Angebot für Unternehmer unterstützen. Im "Finanz-Cockpit für Unternehmen" soll man etwa eine Bonitätsprüfung durchführen können. In Zukunft wird auch die Möglichkeit von Risikoanalysen und Logistikplanungen in der Plattform integriert.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Erste Bank und futurezone.