Start-ups
05.07.2018

Wiener Start-up schaut für Firmen in die Zukunft

© Bild: Getty Images/iStockphoto / mattjeacock/istockphoto.com

Prewave, ein Spin-off der TU Wien, analysiert weltweit Online-Netzwerke und sagt Umwelt- und Sozialrisiken voraus.

Unruhen in Indonesien, Klagen über Arbeitsbedingungen in China oder Streiks in wichtigen internationalen Häfen. Vieles was in der realen Welt passiert, findet in Online-Netzwerken seinen Niederschlag. Das Wiener Start-up Prewave hat sich darauf spezialisiert Daten aus Twitter, Facebook, YouTube sowie lokalen Netzwerken wie dem chinesischen Weibo zu durchleuchten, um Risiken für Unternehmen ausfindig zu machen und Vorhersagen zu treffen. „Wir wollen lokale Umwelt- und Sozialrisiken auch global sichtbar und transparent machen“, sagt Harald Nitschinger, Mitgründer des jungen Unternehmens.

Unternehmen helfen solche Prognosen etwa, Probleme in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen, Umwelt- und Sozialrisiken bei Produkten zu identifizieren, Investitionsentscheidungen zu überprüfen oder Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten.

Maschinelles Lernen

Analysiert werden öffentlich zugängliche Daten aus Online-Netzwerken und lokalen Medien. Dabei kommt maschinelles Lernen zum Einsatz. Die Algorithmen des Start-ups werden in verschiedenen Landesprachen trainiert und lernen dann selbst dazu. „Unser System kann Ereignisse global und multilingual erkennen“, sagt Nitschinger.

Seinen Kunden bietet das Start-up ein Nachhaltigkeits-Screening an, bei dem Lieferanten oder Investitionsprojekte auch zehn Jahre rückwirkend auf Umwelt- und Sozialrisiken überprüft werden. Daneben können sich Unternehmen über laufendes Monitoring auch über aktuelle Ereignisse informieren. Über Schnittstellen können die Daten in die IT-Systeme der Firmen integriert werden.

Prewave-Team: Data Science Engineer Michael Heil und die Co-Gründer Lisa Madlberger und Harald Nitschinger (v.l.n.r.) © Bild: Prewave

Spin-off der TU Wien

Hervorgegangen ist Prewave aus Forschungen an der Technischen Universität (TU) Wien. Für die dabei von Mitgründerin Lisa Madlberger entwickelte Technologie will man nun Marktanwendungen finden. Finanziert wurde das Start-up aus Förderungen, unter anderem von der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws). Seit kurzem hat Prewave auch erste Investoren an Bord. Im Mai stiegen IST Cube, der Start-up-Fonds des in Gugging bei Klosterneuburg angesiedelten Insitute of Science and Technologie Austria (IST) und Pioneers Ventures bei dem Unternehmen ein.

„Shitstormversicherungen“

Zu den Kunden des Start-ups zählen große Automobilhersteller, Logistikkonzerne, Banken und Reedereien in Europa. Als nächsten Schritt will man verstärkt in den Versicherungsbereich vordringen. Reputationsrisiken seien derzeit ein großes Thema für Versicherungen, sagt Nitschinger. Unternehmen würden sich zunehmend gegen Schäden versichern, die aus Reputationsverlusten entstehen. Bei der Errechnung der Prämien für eine solche „Shitstormversicherung“ könne sein Start-up helfen.

„Wenn etwa aufkommt, das es bei Lieferanten Kinderarbeit hatte ist die Gefahr für einen Shitstorm groß.“ Je glaubhafter Unternehmen nachweisen könnten, dass die Risiken niedrig seien, desto geringer ist die Prämie. „Unsere Prognosen helfen Unternehmen dabei, das Risikopotenzial zu minimieren“, meint der Gründer: „Sie haben auch einen positiven gesellschaftlichen Effekt, weil dadurch etwa Arbeitsbedingungen verbessert werden.“

Moralkodex

An Unternehmen werden nur aggregierte Ereignismeldungen weitergegeben, betont Nitschinger. „Informationen zu Quellen bekommen sie aus Datenschutzgründen nicht zu sehen.“ Um das sicherzustellen, hat Prewave einen Moralkodex (Code of Ethics) formuliert: „Wir wollen Vorkehrungen treffen, dass die Technik für Gutes eingesetzt wird.“

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws ( austria wirtschaftsservice).