Start-ups
10.12.2015

Ein kühlender Stöpsel gegen Ohr-Entzündungen

6,1 Millionen Menschen in der EU leiden jährlich an einer Entzündung des Außenohres- ein Grazer Start-up hat mit Aurox einen kühlenden Ohrstöpsel entwickelt, der bei der Heilung hilft.

Die Idee für das Start-up hatte er, wie viele andere Gründer auch - aus einer persönlichen Betroffenheit heraus. Christoph Schöggler hatte eine Außenohrentzündung. Als er von einem HNO-Arzt untersucht wurde und dieser mit dem Otoskop in sein Ohr schaute, empfand Schöggler den kalten Metallaufsatz richtiggehend angenehm und einen Moment schmerzentlastend. Schon am Nachhauseweg dachte er darüber nach, wie eine Lösung aussehen könnte, die einerseits die Schmerzen reduzieren und andererseits auch bei der Heilung helfen könnte. In der Vorwoche – nach einem Jahr Entwicklung – stellte er sein Start-up und das gleichnamige Produkt mit seinem Mitgründer Christian Flechl bei den Pitching Days in London vor – Aurox.

Reduktion von Medikamenten

Dabei handelt es sich um ein etwa 30 Gramm schweres Teil, das wie eine Bluetooth-Headset aussieht; aber dort, wo sich normalerweise der Lautsprecher befindet, hat Aurox einen metallenen Stöpsel, der ins Ohr gesteckt wird und mit dem die Kühlung erreicht wird. Schöggler: „Jeder HNO-Arzt bestätigt, dass Kühlung die optimale Behandlung ist und nicht die Wärme einer Infrarotlampe.“ Den Markt beziffert er mit 6,1 Millionen Menschen – so viele leiden jährlich in der EU an einer Außenohrentzündung. Abgesehen von der Kühlung habe Aurox noch einen weiteren Vorteil – Patienten bleibt teilweise die Einnahme von Schmerztabletten erspart.

Kühlung bei 17 Grad

Aurox macht sich dem so genannten Peltier-Effekt zunutze, das ist ein thermo-elektrischer Effekt, bei dem die eine Seite des Metalls erhitzt wird, während die andere abkühlt. Im metallenen Stöpsel steckt ein Bismuth-Element (importiert aus China), „das eignet sich dafür am besten“, sagt Flechl. „Wenn man diesem Teil Energie zuführt, wird eine Seite warm, die andere kalt.“ Die Wärme wird über einen kleinen Kühlkörper durch freie Konvektion an die Umgebungsluft abgegeben. Theoretisch kann der Metallteil eine Temperatur zwischen 10 und 20 Grad haben, bei Aurox wird der Ohrenstöpsel etwa 17 Grad. Gekühlt wird mit einem Energieaufwand von 0,2 Watt.

Betrieben wird das Anti-Ohrenschmerzen-Headset mit einer herkömmlichen AAA-Batterie, die das Headset etwa sechs bis acht Stunden mit Energie versorgt. So lange dauert auch eine Behandlung – eine Ohrenbehandlung sollte - so eine Annahme der Gründer - im 20-Minuten-Rhythmus stattfinden – 20 Minuten kühlen, 20 Minuten Pause. Maximal fünf Kühleinheiten sollten durchgeführt werden. Demnächst soll an der Medizinischen Universität Graz eine Studie durchgeführt werden. Von der Studie wird auch abhängen, wie viel ein Aurox-Headset kostet, man kann davon ausgehen, dass es der mittlere zweistellige Euro-Bereich sein wird.

Erste Studien 2016

Bislang sind bei Aurox – das Start-up hat sein Labor im Grazer Science Park - fast 50.000 Euro an Entwicklungskosten angefallen, 2016 sollen die ersten Prototypen auf den Markt kommen, der große Verkaufsstart ist für 2017 geplant. Derzeit sind die beiden Gründer auf Investorensuche, „aber wir suchen nicht nur Geld, sondern strategische Partnerschaften, um den Vertrieb anzukurbeln.“