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Compuritas "Es werden sehr viele gute Computer entsorgt".

Compuritas sorgt dafür, dass Computer länger in Verwendung bleiben.
Compuritas sorgt dafür, dass Computer länger in Verwendung bleiben. - Foto: /Christine Kipper, Compuritas
Das Grazer Start-up Compuritas bereitet ausgemusterte Computer auf und verkauft sie weiter. Der Markt für gebrauchte Rechner ist in Österreich noch im Anfangsstadium.

"Es werden sehr viele gute Geräte entsorgt", sagt Rüdiger Wetzl-Piewald. Mit seinem 2013 gegründeten Start-up Compuritas bereitet er solche Geräte professionell auf und verkauft sie weiter, größtenteils an Schulen und gemeinnützige Organisationen. "Es müssen Business-Geräte sein", sagt Wetzl-Piewald, denn die seien hochwertig, robust und langlebig.

Die PCs und Notebooks wurden meist von Unternehmen oder der öffentlichen Hand ausgemustert und sind in gutem Zustand und voll funktionstüchtig. Die darauf befindlichen Daten werden vernichtet, die Geräte werden auf Mängel geprüft, gereinigt mit neuer Software bespielt und wieder verpackt. "Man muss sich den Instandsetzungsprozess als umfangreiche Geschichte vorstellen", erzählt Wetzl-Piewald: "Insgesamt sind es über 30 Einzelschritte."

"Gepflegter Mercedes"

Seine Kunden würden so etwas wie eine "gepflegten Mercedes" erhalten, zieht der Gründer einen Vergleich mit dem Gebrauchtwagenhandel. 80 Prozent des Umsatzes macht das Start-up mit Bildungseinrichtungen und Vereinen, der Anteil privater Käufer beläuft sich auf 20 Prozent.  In einer Grazer Einkaufsstraße unterhält Compuritas ein Ladenlokal, die Geräte werden auch über einen Webshop angeboten.

Die Idee zu seinem Start-up hatte Wetzl-Piewald in Brasilien, wo er nach seinem Germanistikstudium lebte. "Dort habe ich den Mehrwert EDV-gestützter Bildung kennengelernt", sagt der Gründer. Auch der Markt für Gebrauchtcomputer sei in dem lateinamerikanischen Land bereits gut entwickelt gewesen. Zurück in Österreich nahmen der Plan zur Gründung seines Start-ups Gestalt an: "Es gab große Nachfrage und ein großes Angebot an alten Rechnern."

"Keine aufgelegte Geschichte"

Mittlerweile hat Wetzl-Piewalds Start-up zahlreiche Auszeichnungen erhalten, auch an der Puls4 Start-up-Show "2 Minuten, 2 Millionen" hat das junge Unternehmen 2013 teilgenommen. Die Suche nach Investoren gestalte sich dennoch schwierig: "Sie ist keine aufgelegte Geschichte."

Compuritas…
Rüdiger Wetzl-Piewald (links) und Matthias Di Felice von Compuritas - Foto: /Compuritas
Das habe auch damit zu tun, dass das Start-up nicht nur auf wirtschaftlichen, sondern auch auf ökologischen und sozialen Erfolg Wert lege. Die Produktion eines PCs verbrauche so viel Strom wie ein Haushalt in einem halben Jahr, es seien enorme Werte, die durch Wiederverwendung und Gebrauchtware eingespart würden, sagt Wetzl-Piewald: "Wir betrachten uns als klassisches soziales Entrepreneurship."

Für Investoren, die nur auf den ökonomischen Profit Wert legen, sei sein Start-up nicht attraktiv genug. Bei sogenannten "Impact Investors", also Geldgebern, die mit ihren Investitionen auch eine gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen, sei diese anders: "Das ist aber in Österreich noch ein zartes Pflänzchen."

Crowdfunding

Auch auf den Crowdinvesting-Plattformen Conda und Green Rocket hat Compuritas schon erfolgreich Geld gesammelt, 70.000 und 80.000 Euro wurden auf den Plattformen in das Start-up investiert: "Es ist mit Abstand der dankbarste Weg sich zu finanzieren", sagt Wetzl-Piewald. Im Vergleich zu anderen Start-ups seien die Summen aber gering. "Andere generieren 500.000 Euro." Deshalb müsse man auch aufpassen, dass man nicht als zu sozial wahrgenommen werde: "Wir sind nicht gemeinnützig. Wir verstehen uns als unternehmerische Lösung von gesellschaftlichen Problemstellungen."

Derzeit hält man Ausschau nach einem strategischen Investor, von dem das Start-up auch abseits von Investitionen profitieren kann. Wetzl-Piewald hofft in der Entsorgungsbranche fündig zu werden.

Expansion

Anfang des Jahres erhielt das Start-up eine Förderung aus dem 2016 ins Leben gerufenen Social Business Call der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws), bei dem es gezielt darum geht, gesellschaftlichen Mehrwert zu fördern. Es brauche mehr solche Förderungen, damit sozial orientierte Unternehmen in die Breite gehen können, meint der Gründer.

Mittlerweile beschäftigt Compuritas fünf Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 220.000 Euro erwirtschaftet. Seine Rechner verkauft Compuritas über ein Portal für gemeinnützige Organisationen mittlerweile auch in Tschechien. Die Expansion wolle man auf dieser Schiene fortsetzen. Demnächst wolle man in einem weiteren Land an den Start gehen, kündigt Wetzl-Piewald an.

In anderen Ländern sei der Markt für wiederverwertbare Hardware schon um einiges weiter fortgeschritten. In Österreich sei Gebrauchtware noch immer mit Vorurteilen behaftet. "Wir haben aber schon viel dazu beigetragen, das Segment populärer zu machen."

(futurezone) Erstellt am 18.10.2017, 06:00

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