Start-ups
01.04.2015

Österreichische Start-ups können auch Hardware

Während sich die meisten jungen Tech-Unternehmen auf Software spezialisieren, widmet sich Angelbird aus Vorarlberg erfolgreich der Herstellung von Solid State Disks.

Im Jahr 2015 sind Solid State Drives (SSD) eine beliebte Alternative zu herkömmlichen Festplatten. Die Welt wird hier üblicherweise von asiatischen und amerikanischen Herstellern beliefert. Die ganze Welt? Nein. In einem kleinen Ort in Vorarlberg formiert sich Widerstand. In Lustenau, das zugegebenermaßen kein gallisches Dorf, sondern eine 20.000 Einwohner zählende Marktgemeinde in Vorarlberg ist, stellt das junge Unternehmen Angelbird SSDs her, die sich bei Profis aus der Kreativbranche auf der ganzen Welt großer Beliebtheit erfreuen. “Um auf einem so hart umkämpften Markt bestehen zu können, muss man sich speziell positionieren, egal ob in Asien, den USA oder Vorarlberg”, erklärt Unternehmensgründer Roman Rabitsch gegenüber der futurezone.

Die Firma Angelbird gibt es seit 2011. Vor der Unternehmensgründung wurden dreieinhalb Jahre in die Entwicklung investiert, finanziert ausschließlich von privaten Investoren aus dem Ländle. Die Idee SSDs zu produzieren entstand, weil Rabitsch keine zufriedenstellenden Produkte für sein Hobby finden konnte. Er produzierte selbst Musik am Computer und musste feststellen, dass es keine schnellen und einfach zu nutzenden Speicherlösungen gab, um seinen Anforderungen gerecht zu werden. Deshalb entschloss sich der junge Vorarlberger kurzerhand, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Hohe Ansprüche

So wurde 2007 die erste PCIe-Speicherkarte unter dem namens “Wings” entwickelt, die den Anforderungen von Profis in der Audio-, Video- und Fotobearbeitung gerecht werden sollte. Das war dann auch das erste Serienprodukt von Angelbird. Seither wurde das Angebot schrittweise erweitert. Anfangs gab es spezielle nur SSD für den Mac, mittlerweile gibt es eine Reihe von internen und externen Speicherlösungen, die mit sämtlichen Betriebssystemen verwendet werden können. Massenprodukte sind die Angelbird-SSDs aber nicht. Die Produkte werden in verhältnismäßig kleinen Serien produziert. Das Unternehmen beschäftigt fünf Mitarbeiter in Lustenau und arbeitet zusätzlich mit Elektronik- und metallverarbeitenden Unternehmen in Vorarlberg zusammen.

Die eigentlichen Speicherbausteine, die in den SSDs zum Einsatz kommen, werden von der Firma Micron geliefert. “Bei uns kommen nur hochwertige Komponenten zum Einsatz. Schaltung, Controller, Firm- und Software werden von uns entwickelt”, sagt Rabitsch. Die in Vorarlberg gefertigten SSDs unterscheiden sich in Qualität und Preis von der üblichen Massenware. “In modernen digitalen Videokameras funktionieren viele SSDs überhaupt nicht, weil sie mit den hohen Datenraten auf Dauer nicht umgehen können. Unsere Produkte sind speziell für solche Anforderungen gemacht”, sagt Rabitsch.

Riskante Hardware

Was Kompabilität, Haltbarkeit und konstant geringe Zugriffszeiten angeht, erhalten die Angelbird-Produkte von der internationalen Fachpresse regelmäßig Höchstnoten. “Wir produzieren eben nicht für bestimmte Benchmarktests. Deshalb schätzen uns die Profis aus der Kreativindustrie”, sagt Rabitsch. Trotz der eingeschränkten Zielgruppe kann Angelbird seinen Kundenstamm von Jahr zu Jahr erweitern, hauptsächlich dank Mundpropaganda. Um die hohen Erwartungen zu erfüllen, wird auch auf das Äußere der Produkte geachtet: Die externen Laufwerke werden in einem Gehäuse aus eloxiertem Aluminium verpackt. “Wir wollten nicht Premium-Technik in eine Kunststoffschale stecken, Haptik und Optik müssen stimmen”, so Rabitsch.

Die Entscheidung, ins als schwierig geltende Hardware-Business einzusteigen, hat der Angelbird-Gründer nie bereut: “Natürlich ist Hardware schwieriger als Software, weil das Risiko viel höher ist. Software kann heute günstig nach dem Baukastensystem hergestellt werden. Da braucht man eine gute Idee, die Kosten sind dann kalkulierbar. Hardware braucht Know-how und ein solides Netzwerk an Partnern.”

Zehe in den Massenmarkt tunken

Rabitsch hat sich sein Know-how als Elektroniker, im Musikinstrumente-Verkauf und als Musiker erarbeitet: “Ich wusste, was machbar ist, kannte den Markt und hatte die Kontakte um ein Produkt zu fertigen und am Markt platzieren zu können.” Für die Musikproduktion hat der Jungunternehmer heute übrigens längst keine Zeit mehr: “Ich bin 24 Stunden am Tag mit der Firma beschäftigt.”

Das Umfeld für Start-ups in Österreich und vor allem auch in Vorarlberg sieht Rabitsch grundsätzlich positiv, das größte Problem sei der Mangel an Geldgebern: “Das führt dazu, dass hier viele Innovationen innerhalb von Firmen entwickelt werden und es weniger Start-ups gibt. In der Schweiz und in Deutschland ist die Situation besser.”

Bei Angelbird selbst ist die Finanzierung kein Thema mehr. In den kommenden Monaten sind jedenfalls einige Produktneuheiten geplant. “Wir wollen weiters auch den Consumer-Markt bedienen, indem wir unsere mehrheitlich in Europa hergestellten Produkte an nachhaltigkeitsbewußte Kunden verkaufen. Auch für anspruchsvolle Gamer wollen wir dieses Jahr noch etwas auf den Markt bringen.”, sagt Rabitsch. Mit der Billigkonkurrenz aus Asien und den USA will Angelbird aber auch weiterhin nicht konkurrieren.