Start-ups
02.04.2015

"Start-ups brauchen eine einzigartige Idee“

Business Angel Michael Altrichter im futurezone-Interview über disruptive Ideen, Unterschiede zum Silicon Valley und die die Start-up Show “2 Minuten 2 Millionen”.

Der Unternehmer und Investor Michael Altrichter, Gründer von Payolution und Paysafecard, war Business Angel des Jahres 2014 und Investor bei der Puls 4-Show “2 Minuten 2 Millionen”. Die futurezone sprach mit ihm über politische Rahmenbedingungen, wie eine TV-Show Start-ups nützlich sein kann und erfolgversprechende Entwicklungen in der heimischen Gründerszene.

futurezone: In wie viele Start-ups und wie viel Geld haben Sie im Rahmen der Puls 4-Show in diesem Jahr investiert?
Michael Altrichter:
Ich habe in diesem Jahr in sieben Start-ups investiert, in einer Gesamtsumme von 357.500 Euro.

Was sind für Sie die Hauptkritieren, damit ein Start-up überhaupt für ein Investment infrage kommt?
Es geht um zwei wesentliche Dinge. Erstens muss die Idee klar verständlich und einzigartig sein. Der größere Punkt ist aber das Team dahinter, sind die Gründer in der Lage, ihr Vorhaben umzusetzen. Habe ich das Vertrauen, dass da eine große Geschichte daraus wird. Das ist für mich eine sehr persönliche Entscheidung, eine die aus dem Bauch kommt für mich. Natürlich kommen dann noch andere Kriterien hinzu: Etwa eine hohe Skalierbarkeit, das Start-up muss das Potenzial haben, in extrem kurzer Zeit stark zu wachsen. So etwas geht bei Internet- und App-Produkten leicht, bei physischen Produkten ist das schon etwas schwieriger. Außerdem sollte es sich um ein sogenanntes “disruptives Businessmodell” handeln, also wirklich etwas Neues sein, einen klaren USP haben.

Haben aus Ihrer Sicht grundsätzlich eher B2B oder B2C-Projekte eine Chance auf Erfolg oder macht das gar keinen Unterschied aus?
Das Potenzial ist natürlich in beiden Bereichen groß. Der Unterschied ist allerdings, dass es zum Teil einfacher ist, im B2B-Bereich ein Produkt zu platzieren. Im Enkundenbereich ist man immer mit einer breiten Masse konfrontiert, die man via Marketing überzeugen muss. Im B2B-Bereich ist es mehr eine Vertriebsarbeit, bis man ein paar richtige Partner gefunden hat, und damit ist die Sache dann meistens schon am Laufen. Wenn man mit der großen Masse kommuniziert, muss man hingegen stark auf den großen Einschlag hoffen und dass die Idee, einen viralen Weg nimmt. Im B2B-Bereich entfällt die Anforderung, Millionen an Marketinggeldern aufzustellen.

Welche Projekte kommen für Sie gar nicht infrage bzw. was sind die größten Fehler, die ein Start-up machen kann?
Das häufigste Nein von mir kommt eigentlich, wenn ich der Meinung bin, dass der Gründer nicht die richtige Person ist. Also wenn zwar vielleicht die Idee gut ist, aber der Gründer nicht das Potenzial und die Erfahrung mitbringt, eine wirklich große Geschichte daraus zu machen. Ein zweiter wesentlicher Punkt für mich ist, wenn es sich um Nachahmer handelt, wenn es keine klare Differenzierung zum Mitbewerb gibt. Es gibt zwar Investoren, die auch darauf setzen, wenn eine anderswo funktionierende Sache ähnlich beispielsweise in einem anderen Markt probiert wird. Ich suche allerdings nach wirklich neuen Ideen.

Wie oft passiert es, dass aus einem Start-up, in das Sie investieren, überhaupt nichts wird und alles schief geht?
Das ist mir zum Glück praktisch noch nie passiert. Von meinen eineinhalb Dutzend Investments ging noch keine Firma in Insolvenz. Es geht zwar nicht allen hervorragend, aber bisher gab es kein Start-up, das komplett gescheitert ist.

In welchen Bereichen sehen Sie in Österreich das größte Potenzial für Firmen, um sich erfolgreich auf dem Markt zu positionieren?
Da gibt es viele Bereiche, zum Beispiel Medizin und Pharmazie, was nicht unbedingt meine Domäne ist. Aber auch im Internetbereich, meiner Hauptdomäne, sehe ich viel Potenzial, wo man auch aus Österreich heraus etwas schaffen kann. Österreich hat hier bereits hervorragende Gründer zu Tage gebracht. Die geopolitische Lage hier ist nicht schlecht, es lassen sich auch gut B2C-Modelle entwickeln. Man kann hier mit überschaubaren Mitteln einen Markt durchdringen und hat gleich daneben mit Deutschland sozusagen den großen Bruder mit einer sehr ähnlichen Kultur. Hier kann man dann weitere Expansionsschritte vornehmen. Außerdem hat man von hier aus einen guten Zugang zu den sogenannten CEE-Staaten (Zentral- und Osteuropa).

Welche grundlegenden Unterschiede sehen Sie zwischen heimischem Markt und dem vielgepriesenen Silicon Valley?
Ein Punkt, ganz klar: Im Silicon Valley gibt es leichter und viel mehr Geld. Es ist in den USA noch immer möglich de facto mit einer URL eine Million Dollar aufzustellen. Das ist hier praktisch unmöglich, da ist der Weg steiniger. Was in Österreich im Vergleich allerdings hervorragend funktioniert, sind Förderungen. Jedes Start-up, das eine gute Idee oder einen guten Plan hat, bekommt in der Regel mindestens eine, wenn nicht mehrere Förderungen. Das ist dann auch für Investoren sehr attraktiv, weil sie ihr investiertes Kapital gleich wirksam nutzen können.

Dieser Punkt wird häufig genannt, gleichzeitig heißt es aber auch, dass es nach dem Start, wenn die Firmen eine gewisse Größe erreicht haben, hier für größere Finanzierungsrunden schwierig wird. Würden Sie das bestätigen?
Ja, dem muss ich leider zustimmen. Es hat sich in Österreich eine Business-Angel-Szene entwickelt, die geht bis zu einer Million. Wenn es dann aber um mehrere Millionen, um Anschlussfinanzierungen geht, um aus Österreich heraus international zu expandieren, das ist schwierig bis unmöglich. Zum Glück gibt es seit kurzem zwei Fonds - einerseits den Speedinvest II-Fonds, der genau diese Problematik aufgreift. Der zweite Fonds, der ebenfalls gerade aufgestellt wurde, ist Venionaire, hier werden 100 Millionen Euro angestrebt, die die Landschaft etwas beleben würden.

Warum glauben Sie, dass wir hier in Österreich eine solche Situation vorfinden, sind das eher politische oder eher gesellschaftliche, kulturelle Gründe?
Ich denke, das ist eine historische, gesellschaftliche Frage. Es gab diese VC-Szene wie im Silicon Valley bisher noch nicht sehr stark, das ist immer noch ein zartes Pflänzchen. Hier wäre natürlich die Politik, die öffentliche Hand gefragt, um den Weg zu ebnen, damit mehr Geld in junge Unternehmen fließt.

Gibt es konkrete Forderungen, die Sie an die Politik stellen würden?
Es gibt natürlich Forderungen. Hauptthema sind die Steuererleichterungen. Wenn der Staat es zulassen würde, dass dieses privat gehortete Kapital, das ja vorhanden ist, in Unternehmen gepumpt wird, und hier auch die nötigen Anreize schafft, dann würde ein Vielfaches an Geld fließen und die Wirtschaft enorm beleben. Mir ist natürlich klar, dass es an die Masse schwer vermittelbar ist, hier den Reichen sozusagen Vorteile zu bieten. Aber es entbehrt aller Logik, wenn man das Geld nicht dort einsetzt, wo es gebraucht wird - wie eben bei jungen Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen.

Was ist Ihr Resümee aus der diesjährigen Staffel von "2 Minuten 2 Millionen"? Was bringt es den Start-ups dort mitzumachen, was sie sonst nicht bekämen?
Für mich ist die Show ein mehrfacher Gewinn. Ich als Investor bekomme gute Deals, die Start-ups, die dort antreten, bekommen zumindest Visibilität, also Öffentlichkeit, und auch der Sender kommt zu guten Deals. Das Wichtigste aber ist, dass in Österreich etwas für die Investment-Szene getan wird. Ich habe in diesem Jahr sehr viel positives Feedback bekommen, bereits viel mehr als im ersten Jahr. Es ist Markus Breitenecker mit der Sendung und mit Puls 4 gelungen, hier die Wirtschaft auf etwas aufmerksam zu machen und die Wirtschaft auch etwas zu beleben.

Es gibt natürlich auch Kritiker, die sagen, dass es eben nur eine Show ist und die Deals nicht wirklich echt seien. Was halten Sie diesen entgegen?
Ich weiß, solche Unkenrufe gibt es, aber es geht hier um echtes Geld, um echte Deals. Es wird wirklich investiert. Es kann natürlich sein, dass nicht jeder Deal, so umgesetzt wird, wie er vor der Kamera ausgemacht wird - das ist auch rechtlich so abgesichert. Aber die überwiegende Mehrheit der zugesagten Deals werden auch tatsächlich umgesetzt. Und die Deals werden auch nicht vorher abgemacht.

Gibt es ein, zwei grundlegende Tipps, die Sie jedem Firmengründer mit auf den Weg geben würden?
Ja, sie sollen den Mut zusammennehmen, um Investoren anzusprechen. Man soll sich aber auch vorher überlegen, ob man tatsächlich einen Investor braucht. Grundsätzlich kann ich nur jedem Gründer raten, an seine Idee zu glauben und diese auch umzusetzen. Im zweiten Schritt ist es wichtig, sich auch die richtige Größe auszusuchen. Es müssen nicht gleich immer Millionen sein und es muss auch nicht nur eigenes Geld sein. Skaliert das Geschäftsmodell richtig und sprecht dann die Investoren an.