Zur mobilen Ansicht wechseln »

Negativauszeichnung Verein für Antipiraterie gewinnt "Scheiß Internet"-Preis.

Die Trophäen des Wolfgang Lorenz Gedenkpreises 2014 sind gehäkelt
Die Trophäen des Wolfgang Lorenz Gedenkpreises 2014 sind gehäkelt - Foto: monochrom
Alljährlich vergibt das Künstlerkollektiv monochrom den "Wolfgang Lorenz Gedenkpreis" an technologiefeindlich herausragende Persönlichkeiten und Institutionen.

Der "Wolfgang Lorenz Gedenkpreis" (WOLO) wird auch "Scheiß Internet"-Preis genannt, weil sich ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz im Jahr 2008 dazu hinreißen ließ, sich über die heutige Jugend zu beklagen, die sich immer häufiger in das "scheiß Internet" verkriechen würden, anstatt fernzusehen. Mit dem Preis würdigt das Wiener Künstlerkollektiv monochrom "unqualifizierte Statements gegen das Informationszeitalter".

In diesem Jahr gewann der Verein für Antipiraterie (VAP) die Auszeichnung. Der Publikumspreis ging an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Verliehen wurde Preis bei einer Gala am Samstag, 13. September im Alten Rathaus in Wien.

Die Begründungen im Wortlaut

Der VAP verdient den WOLO14 schon aufgrund sprachlicher Leistungen, etwa wenn er Netzsperren versucht als "einen weiteren wichtigen Schritt zu einem erwachsenen und sauberen Web" umzudeuten. Er verdient ihn erst recht als maßgeblicher Treiber hinter Musterprozessen, an deren Ende die Umsetzung einer Zensurinfrastruktur zu erwarten ist, die willkürlich und außerhalb jeglicher Transparenz angewandt werden wird. Bei der Vergabe an den VAP wurde auch der Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI Austria) kritisch miterwähnt für dessen geleistete Schützenhilfe in den Netzsperrenurteilen.

In die engere Auswahl bei der Vergabe des Publikumswolos kamen neben Recep Tayyip Erdoğan auch die "Meinungsmutigen" a.k.a. Rosam/Rainer/Mucha, die Kolumnistin Doris Knecht sowie in einer verbalen Nachnominierung das Landgericht Köln, das im Februar 2014 bei externen Links auf Bilder (technisch unanbringbare) Copyright-Informationen einforderte. Per Applaus zugesprochen bekam den Preis Recep Tayyip Erdoğan, für die zeitweise Beschränkung der Meinungs- und Informationsfreiheit durch Twitter- und YouTubesperren, die er als Schutz der Türkei vor Hass und Rassismus verklärte.

Lange Nominierungsliste

"2014 war ein gutes Jahr für kommunikationstechnologiefeindlichste und kulturpessimistischste Distinktionsgewinnler/innen", merken monochrom auf der WOLO-Webseite an. "Die Nominierungsliste ist lang und stolz."

Hier die vollständige Liste:

- Werner Müller vom Verein für Antipiraterie (VAP) für seinen Wunsch nach einem "sauberen Internet" mit Webseiten-Sperren
- Wolfgang Rosam (PR-Berater), Christian Rainer (Profil-Chefredakteur) und Christian Mucha (Verleger) für ihren Einsatz für die Klarnamenpflicht unter dem Titel "die Meinungsmutigen"
- Doris Knecht (Kurier-Kolumnistin) für die Verbreitung von Halbweisheiten über das Internet
- Johanna Mikl-Leitner (Innenministerin) gemeinsam mit Sebastian Kurz (Außenminister) und der Märkischen Online-Zeitung für "lustige Irrtümer beim Herumtappsen in und um das Netz"
- Die Prominenten Julia Roberts, Gwyneth Paltrow und Uschi Glas für unpassende Vergleiche zum Internet
- Amazon für sein Unverständnis von europäischem Arbeitsrecht und Schikanen für Autoren, die den falschen Verlag gewählt haben
- Recep Tayyip Erdogan (türkischer Präsident) für das Vorantreiben von Zensur- und Sperrmaßnahmen in der Türkei
- Paul Rübig (ÖVP-Abgeordneter im Europäischen Parlament) für Bemühungen, die Netzneutralität auszuhebeln

(futurezone) Erstellt am 13.09.2014, 15:14

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!