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Kameratest Canon G1 X Mark 2 im Test: Schweres Dreirad.

Canon G1X Mark 2
Canon G1X Mark 2 - Foto: Gregor Gruber
Die zweite Generation des Kompaktkamera-Spitzenmodells von Canon kostet nicht nur so viel wie eine DSLR, sondern ist auch genauso schwer.

Die G1 X war Canons erster Versuch einer Kompaktkamera mit einem Sensor der größer als bei üblichen Digicams ist. Die G1 X Mark 2 setzt die Tradition fort und bietet im Vergleich zum Vorgängermodell ein verbessertes Objektiv. Die futurezone hat die Kamera getestet.

Größe

Einen Schönheitspreis gewinnt die G1 X Mark 2 nicht. Sie hat aber auch nicht den Anspruch besonders hübsch oder modisch zu sein, sondern möglichst viel Leistung für anspruchsvolle Fotografen in ein möglichst kleines Package zu pressen.

Das ist nur teilweise gelungen. Durch den Verzicht auf den optischen Sucher und das mechanische Rad für die Belichtungskorrektur ist die Mark 2 weniger buckelig als ihre Vorgängerin und sieht dadurch auch harmonischer und weniger zusammengestückelt aus.

Mit einem Gewicht von 558 Gramm (24 Gramm mehr als das Vorgängermodell) ist sie aber nicht nur für Digicam-Verhältnisse extrem schwer, sondern wiegt auch mehr als so manche Systemkamera und DSLR. Dementsprechend ist auch die Größe: Für die Hosentasche ist die Mark 2 nicht geeignet. Wer sie versteckt führen will, braucht Cargo Pants oder eine tiefe Manteltasche.

Die Mark 2 hat einen ausklappbaren Blitz eingebaut. Dieser muss manuell ausgefahren werden, bevor er genutzt werden kann. Dazu wird ein kleiner Schieberegler an der linken Seite betätigt. Dieser ist gut im Gehäuse versenkt, damit der Blitz nicht unbeabsichtigt ausgeklappt und so beim Transport eventuell beschädigt wird.

Trotz der imposanten Größe ist die Leistung des Akkus mit 240 Aufnahmen angegeben. Zum Vergleich: Sonys RX100 II schafft 330 Bilder mit einer Akkuladung.

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Foto: Gregor Gruber

Handhabung

Der Vorteil der ausladenden Maße: Das Gehäuse bietet mehr Platz für die Hände als andere Kompaktkameras. Nutzer mit größeren Händen werden trotzdem Probleme haben den Ringfinger und kleinen Finger der rechten Hand komfortabel am Gehäuse zu platzieren.

Dadurch ist das Halten der Mark 2 mit einer Hand unbequem. Durch das hohe Gewicht und die Bedienringe am Objektiv wird man die Kamera aber ohnehin meistens mit beiden Händen halten.

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Foto: Gregor Gruber

Dreirad

Das vordere Rad am Objektiv lässt sich ohne Widerstand drehen. Das hintere Rad hat einen Widerstand und ein deutliches Klick-Geräusch bestätigt jede Drehung. Rund um den Vier-Wege-Controller an der Rückseite ist das dritte Rad.

Für alle Räder können Funktionen individuell zugewiesen werden. Die Funktionen werden für die Modi einzeln zugewiesen – im P-Modus kann man die Räder also anders belegen als im manuellen Modus.

Dabei sollte man darauf achten, eine logische Bedienlinie zu kreieren. Ansonsten weiß man selbst nicht mehr, in welchem Modus man welche Funktion auf welches Rad gelegt hat und dreht mitunter mehrmals falsch, bevor man das richtige der drei Räder erwischt.

Vorsichtig sollte man auch beim Belegen des vorderen Objektiv-Rades sein. Da dieses so leichtgängig ist, kann es vorkommen, dass man es unabsichtlich dreht und etwa die Belichtungskorrektur ungewollt verstellt. Beim Auswählen mancher Modi mittels des hinteren Drehrades ist es umgekehrt. Hier muss man manchmal mehrere Klicks machen, damit sich etwas tut.

Die Movie- und Direktwahltaste - rechts neben der Daumenauflage, können ebenfalls mit verschiedenen Funktionen belegt werden. Die Wi-Fi-Taste oberhalb der Daumenauflage, die nur im Wiedergabe-Modus eine Funktion hat, kann nicht neu belegt werden.

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Foto: Gregor Gruber

Anpassbares Menü

Das Funktionsmenü kann nun ebenfalls angepasst werden. In den Einstellungen kann gewählt werden, welche Schnellfunktionen verfügbar sein sollen. Im Gegensatz zu anderen Canon-Kameras muss man zum Wegschalten des Funktions-Menüs immer die Funktionstaste drücken. Ein Wegschalten durch das Drücken des Auslösers ist nicht möglich. Dies trifft auch auf andere Einstellung zu. Drückt man auf die ISO-Taste bleibt die ISO-Einstellung solange geöffnet, bis man wieder darauf drückt. So kann man ein Foto mit einer Einstellung machen und schnell eine weitere Einstellung wählen, ohne nochmal das Menü öffnen zu müssen.

In den Einstellungen kann, wie bei Canon-Kameras üblich, ein eigenes Menü mit den häufigsten Funktionen angelegt werden. Im Moduswahlrad stehen zwei konfigurierbare Modi (C1 und C2) zur Verfügung.

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Foto: Gregor Gruber

Display

Das Display hat eine Million Pixel und ist um 180 Grad nach oben und 45 Grad nach unten klappbar. Beim Vorgängermodell war das Display zur Seite und damit um 360 Grad schwenkbar, wodurch es flexibler war. Der Klapp-Mechanismus des Mark-2-Displays sieht zwar fragil aus, ist aber stabil.

Wie für moderne Digicams mittlerweile üblich, ist auch das Display der Mark 2 ein Touchscreen. Dieser reagiert angenehm schnell auf Eingaben. Die Darstellung des Displays ist gut, eine automatische Helligkeitsregelung fehlt.

Alternativ zum Display kann auch das Smartphone oder Tablet als Sucher verwendet werden. Dazu hat die Mark 2 WLAN eingebaut und NFC, um die Kamera schneller mit dem Smartphone zu verbinden. Über die entsprechende App können die Fotos auch direkt zu sozialen Netzwerken hochgeladen werden.

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Foto: Gregor Gruber

Optionaler Sucher

Im Gegensatz zum Vorgängermodell verzichtet die Mark 2 auf das Guckloch, das sich optischer Sucher schimpfte. Als Alternative bietet Canon mit dem EVF-DC1 (300 Euro) einen elektronischen Sucher an. Dieser wird einfach auf den Blitzschuh angesteckt.

Das Display des elektronischen Suchers hat 2,36 Millionen Pixel und eine scharfe Darstellung. Allerdings zieht es etwas nach, was bei schnellen Motivwechseln lästig ist. Der Sucher kann um 90 Grad nach oben geklappt werden, um auch aus schwierigen Winkeln zu fotografieren.

Der elektronische Sucher zeigt denselben Inhalt wie das Display an und ist nicht nur auf die Funktion als Sucher reduziert. Man kann also auch Einstellungen im Menü vornehmen – praktisch, wenn es draußen so hell ist, das man nichts mehr am Display erkennt.

Standardmäßig schaltet sich der Sucher per Annäherungssensor automatisch ein und das Display automatisch aus, wenn man hineinblickt. Bei starker Sonneneinstrahlung im Freien klappt das nicht immer. Man muss schon sehr nahe mit dem Auge rangehen, damit automatisch umgeschaltet wird. Bei dunklerer Umgebung tritt dieses Problem nicht auf. Alternativ kann manuell mit einer Taste seitlich am Sucher umgeschaltet werden.

Verwendet man hauptsächlich den elektronischen Sucher und die automatische Umschaltung, sollte man die Touchscreen-Funktion des Displays deaktivieren. Denn schaltet sich das Display zu langsam aus, wenn man die Kamera zum Auge führt, kann es vorkommen, dass man mit der Nase das Display berührt und so den Fokus-Punkt verstellt.

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Foto: Gregor Gruber

Besseres Objektiv

Der größte Kritikpunkt am Vorgängermodell war das Objektiv. Für eine Kamera in dieser Preisklasse war es weder besonders hell, noch schnell. Auch die minimale Makro-Distanz war alles andere als rühmlich.

Das Objektiv der Mark II ist deutlich besser. Mit einer Brennweite von 24-120 mm (5-fach Zoom) liefert es Blendenwerte von 2,0-3.9. Dadurch ist es nicht nur lichtstärker, sondern fabriziert auch ein schöneres Bokeh.

Der Autofokus ist schneller als beim Vorgängermodell und funktioniert zuverlässig. Zudem ist jetzt eine Minimalentfernung von 5 cm bis zum Motiv möglich. Eine notwendige Verbesserung zu den 20 cm der Vorgänger-Kamera.

Beim manuellen Fokussieren kann die Peak-Funktion aktiviert werden. Mit dieser wird das Motiv, das im Fokus ist, rot umrandet.

Bildqualität

Die Mark 2 liefert scharfe und detaillierte Bilder mit 12,8 Megapixeln. Die Farben sind kräftig ohne unnatürlich zu wirken. Bei Aufnahmen bei starkem Sonnenschein hilft die Kontrastkorrektur, um mehr Details sichtbar zu machen. In dunklen Bereichen ist dann aber ein stärkeres Rauschen bemerkbar.

Das Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten ist gut aber nicht herausragend. Ab ISO 1.600 ist ein leichter Qualitätsverlust bemerkbar, bei 6.400 ist er deutlich. Trotzdem sind auch die Resultate mit 12.800 noch brauchbar.

Die Qualität der FullHD-Videos ist enttäuschend. Selbst bei gutem Licht sind starke Artefakte sichtbar und Schwenks sind ruckelig.

Modi

Im Serienbildmodus schafft die Mark 2 bis zu 5,2 Aufnahmen pro Sekunde. Beim Vorgängermodell waren es noch magere zwei Bilder pro Sekunde. Diese Angabe gilt allerdings nur für JPGs. Bei RAWs sind es weniger als zwei pro Sekunde.

Es gibt sieben Szenenmodi. Neu ist der Sternenmodus, der die Untermodi Sternenporträt, Sternennachtaufnahme, Sternenspuren und Sternen-Zeitraffer-Movie bietet. Am Moduswahlrad hat „Kreative Aufnahme“ eine eigene Stellung bekommen. Hier werden drei Fotos gemacht, die als sechs Bilder, jedes mit einem anderen Filter, auf der SD-Karte abgespeichert werden.

Der HDR-Modus hat fünf Untermodi, die die Stärke und Ausprägung des Effekts regeln. Während „Natürlich“ zu schwach für die meisten Gegenlichtsituationen ist, fabriziert „Standard“ bereits viel zu übersättigte Farben.

Auch die üblichen Effekte, wie Nostalgisch, Fischauge, unscharfer Hintergrund und andere sind vorhanden. Einen Panorama-Modus gibt es nicht.

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Foto: Gregor Gruber

Fazit

Die Canon G1 X Mark 2 bügelt nahezu alle Mankos des Vorgängermodells aus. Allerdings ist sie nach wie vor groß, schwer und mit 800 Euro teurer als Modelle der Konkurrenz. Sogar Canons aktuelle Einsteiger-DSLR 700D ist mit Objektiv günstiger (ab 550 Euro im Handel).

Der größte Konkurrent der G1 X Mark II ist derzeit Sonys RX100 2. Sie ist kompakter, bietet eine ähnlich gute Bildqualität mit einem besseren Rauschverhalten und ist bei Händlern ab 570 Euro zu haben. Dafür hat die G1 X Mark II aber ein lichtstärkeres Objektiv mit einem größeren Brennweitenbereich und ein schöneres Bokeh.

Modell:
Canon PowerShot G1 X Mark II
Sensor:
1,5 Zoll CMOS-Sensor mit 12,8 Megapixeln
Videoaufnahme:
FullHD 30p
Serienaufnahme:
Bis zu 5,2 Bilder/s
Objektiv:
5x optischer Zoom (24-120 mm  Kleinbildäquivalent), Lichtstärke 1:2,0 - 3,9
ISO-Bereich:
100 bis 12.800
Abmessungen:
116,3 x 74,0 x 66,2 mm, 558 Gramm
Preis:
799 Euro UVP

Alle technischen Daten auf der Canon-Webseite

(futurezone) Erstellt am 10.06.2014, 06:00

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