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PC-Markt: HP stürzt in Österreich ab

Der größte Verlierer im Computermarkt im Vergleich zum Vorjahr ist laut aktuellen Gartner-Zahlen, die der futurezone exklusiv vorliegen, Hersteller HP. Der Marktführer im österreichischen Business-Segment bei Desktops und Notebooks verzeichnete 2013 mit 181.000 ausgelieferten Geräten ein Minus von 23 Prozent. Völlig eingebrochen sind darüber hinaus die Zahlen im Consumerbereich. Hier musste HP gar einen Rückgang von knapp 47 Prozent hinnehmen und liegt mittlerweile mit nur mehr 44.000 ausgelieferten Geräten fast gleichauf mit Apple (43.621).

Marktführerschaft verteidigt

Als einzigen Trost bleibt HP in Österreich die Tatsache, dass die Marktführerschaft im Business-Segment mit 30,4 Prozent (minus 6,3) verteidigt werden konnte und der Zweitplatzierte Lenovo mit knapp 16 Prozent noch weit zurückliegt. Eindeutiger Nutznießer der Entwicklung ist der umtriebige Hersteller Lenovo, der weltweit bereits HP als Computerhersteller Nummer eins abgelöst hat und auch in Österreich immer besser in die Gänge kommt. Auch hier präsentiert sich ein zweigeteiltes Bild. Während Lenovo seinen ersten Platz im Consumermarkt in Österreich ausbauen und noch einmal um 21 Prozent Geräte zulegen konnte, konnte im Business-Bereich vor allem Fujitsu mit 50,4 Prozent Plus zulegen.

Während HP bei den Gartner-Berechnungen sowohl im Business-, als auch im Consumermarkt ein fettes Minus in Österreich aufweist, zeichnet das Marktforschungsinstitut IDC zumindest für die Business-Sparte von HP ein nicht ganz so düsteres Bild. Vor allem im vierten Quartal konnte sich der US-Hersteller stabilisieren. Im Gesamten weisen die Zahlen von IDC aber auch im Weihnachtsquartal für HP einen Rückgang im österreichischen PC-Markt um 17,3 Prozent auf, wohingegen Lenovo (gesamt plus 66,7 Prozent) und Fujitsu (gesamt plus 72,2 Prozent) IDC zufolge ein starkes 4. Wachstumsquartal verbuchen konnten.

Lenovo und Fujitsu im Höhenflug

Lenovo wird dafür belohnt, dass sie zuletzt eine sehr klare Strategie verfolgt haben – zum einen über Acquisitionen wie der IBM Thinkpad-, aber in Europa auch der Medion-Sparte – zum anderen aber auch über eine konsequente Umsetzung und Anpassung in den jeweiligen Ländern“, erklärt IDC-Analystin Chrystelle Labesque im Gespräch mit der futurezone. Auffallend sei auch, dass man sowohl in den Business-, als auch den Consumermarkt investiere und in beiden Bereichen gute Wachstumszahlen aufweise. Die Übernahme der IBM-x86-Server-Sparte sowie der Google-Tochter Motorola Mobility passe genau in dieses Bild.

Fujitsu wiederum profitiere ebenfalls von einer klaren Strategie, die nach der Auflösung des Siemens-Joint-Venture praktisch ausschließlich auf das Business-Segment ausgelegt sei. „Fujitsu verfügt in diesem Bereich über die richtigen Technologien, Produkte und Services und besitzt zudem gerade im deutschsprachigen Raum eine entsprechende Geschichte als Marke“, sagt Labesque. Fujitsu und Lenovo hätten in den vergangenen Monaten zudem bei einigen öffentlichen Ausschreibungen Erfolge feiern können, was bei einem kleinen Markt wie Österreich die Marktzahlen in einem Quartal auf den Kopf stellen könne.

PC-Markt mit leichter Erholung

Dass der PC-Markt weltweit mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen hat, ist kein Geheimnis. Laut den Marktforschern von IDC und Gartner zeichnet sich zumindest für Westeuropa erstmals wieder eine leichte Entspannung ab. Die durchwegs zweistelligen Minus-Zahlen sind nun zumindest in den einstelligen Bereich zurückgekehrt und drehten sich in manchen Ländern in einzelnen Untersparten sogar ins Plus.

„Um die Probleme des PC-Marktes zu bewerten muss man ganz genau zwischen dem Business- und dem Consumer-Bereich unterscheiden“, meint IDC-Analystin Labesque zur futurezone. „Im Business-Bereich wurden viele Geräte mit der Einführung von Windows 7 in den Jahren 2009/2010 erneuert – Wenn man den Abschreibungszeitraum von drei bis vier Jahren berücksichtigt, könnte die Branche schon bald von diesem natürlichen Zyklus profitieren. Dazu kommt, dass das Ende des Windows-XP-Supports viele Unternehmen – auch im öffentlichen Bereich – auf neue Geräte umsteigen lassen wird“, so Labesque.

Tablet schlägt Notebook

Im Consumer-Bereich gestaltet sich die Sache für die reinen PC- und Notebook-Hersteller allerdings komplizierter. Der Trend zu leistungsfähigen Tablets und Smartphones ist ungebrochen, neben Highend-Geräten wie dem iPad oder den Top-Android-Modellen gibt es viele Geräte auch um wenige Hundert bis unter zweihundert Euro, die zum E-Mailen, Surfen, Spielen und Videos schauen ausreichen.

„Tablets werden Notebooks auch in Zukunft nicht ersetzen, sondern als Zusatzgerät genutzt werden. Wer sich aber gerade ein Tablet gekauft hat, investiert normalerweise nicht sofort auch noch in einen neuen traditionellen PC oder Laptop. Die Nutzungsdauer dieser Geräte vor einem Neukauf steigt, wie auch die Marktzahlen eindeutig beweisen“, sagt Labesque. Der heiß umkämpfte Consumermarkt bleibe folglich auch in diesem Jahr schwierig, auch wenn die Grenzen zwischen Tablets und hybridartigen Laptops („2 in 1“), die auch als Tablet genutzt werden können, verschwimmen.

Auch Apple im Plus

Von den Veränderungen des PC-Consumer-Marktes und dem großen Erfolg von iPhone und iPad kann zunehmend auch Apple profitieren, was sich nun auch in Europa in steigenden Marktanteilen niederschlägt. „Apple ist als Beispiel hochinteressant, weil es zeigt, dass man nicht nur über den Preis, sondern auch über technische Innovation und ein starkes Markenimage Marktanteile gewinnen kann“, erklärt Labesque. Mit der hochpreisigen Strategie könne Apple zwar nicht zur Nummer eins im Markt werden, mittelfristig sei aber weiterhin ein Wachstum möglich, wenn es Apple weiter gelinge, sich vom Mitbewerb zu differenzieren. In Österreich weist Apple im vierten Quartal 2013 laut IDC ein Plus von zehn Prozent auf.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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