Die kurze Zweisamkeit von Google und Motorola scheint beendet zu sein

© Reuters/MIKE STONE

Knalleffekt
01/30/2014

Lenovo kauft Motorola von Google

Google trennt sich überraschend für knapp drei Milliarden US-Dollar von der erst 2011 zugekauften Motorola-Sparte. Käufer Lenovo erhofft sich Aufwind für das US-Geschäft.

von Claudia Zettel, Martin Stepanek

Die Nachricht klang zunächst fast ein wenig unwirklich, doch wie mittlerweile offiziell bestätigt, wird Lenovo die Sparte Motorola Mobility von Google übernehmen. Wie etwa Techcrunch und Reuters schon vor der offiziellen Bekanntgabe berichteten, wird die Motorola-Sparte für 2,91 Milliarden US-Dollar aus dem Besitz von Google zu Lenovo wechseln. Ein Großteil der Motorola-Patente soll jedoch auch in Zukunft im Besitz Googles bleiben. Google hatte Motorola Mobility erst Ende 2011 für 12,5 Milliarden US-Dollar gekauft.

Google bestätigt

Kurz nach den ersten Medienberichten kam auch die offizielle Bestätigung seitens Google. "Lenovo hat die Kompetenz und Erfahrung Motorola Mobility zu einem der größten Player im Android-Ökosystem zu machen", sagte Google-CEO Larry Page in einer Stellungnahme. Für Google war die Übernahme der Motorola-Handysparte die größte in seiner Geschichte überhaupt gewesen. Allerdings ist es dem Internetkonzern bis heute nicht gelungen, den Geschäftszweig in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Vorstoß

Der chinesische Konzern Lenovo ist der weltweit größte Computerhersteller. Lenovo hatte erst vor wenigen Tagen verkündet, dem US-Konzern IBM für 2,3 Milliarden Dollar dessen ertragsschwaches Servergeschäft abzukaufen. Mit Motorola Mobility will das Unternehmen nun versuchen, auch in den US-Markt vorzudringen. Wie das Unternehmen bekanntgab, soll die Marke Motorola in den USA verwendet werden, für den chinesischen Markt will Lenovo hauptsächlich mit dem eigenen Markennamen punkten.

Neues Verhältnis zu Samsung?

Google soll sich gerüchteweise bereits im Rahmen der CES Anfang des Jahres mit Samsung zu Gesprächen über Android getroffen haben. Die beiden Unternehmen scheinen übereingekommen zu sein, dass Samsung seine Androidversionen künftig stärker in Einklang mit Stock Android, also der unverfälschten Version von Google, bringt. Da Google nach dem Abstoßen von Motorola Mobility für Samsung nun als direkter Hardwarekonkurrent wegfällt, könnte dies zu einem entspannteren und partnerschaftlicherem Verhältnis der beiden Konzerne führen.

Lenovo und Google profitieren

Die Marktanalystin Carolina Milanesi von Gartner sah in einer ersten Reaktion unmittelbar nach Bekanntgabe des Deals sowohl Lenovo als auch Google als Nutznießer. Der Deal mache das chinesische Unternehmen zum noch stärkeren drittgrößten Marktplayer im Smartphone-Bereich und eröffne völlig neue Chancen am heiß umkämpften US-Markt. "Lenovo bekommt neben den weltweiten Motorola-Kontakten zu den Netzbetreibern und der Marke auch eine Menge Leute, die Googles Vision von Android verstehen - das ist genauso wichtig", so Milanesi.

Für Google eröffnen sich durch die ausgehandelte enge Zusammenarbeit, die auch oder gerade durch den Verkauf entsteht, neue Möglichkeiten, eigene Services sowie "reinere" Android-Versionen im chinesischen Markt zu platzieren. "Durch den Motorola-Lenovo-Deal bekommt Google neben Samsung einen zweiten starken Player, der auf lange Sicht mit geräteübergreifender Präsenz punkten kann", so Milanesi.

Nicht nur Patentfrage

Dass es Google beim Kauf von Motorola einst ohnehin nur um die Absicherung von Patenten ging, glaubt Milanesi auf Rückfrage der futurezone hingegen nicht. "Google hatte sicher mehr mit Motorola vor, als sich nur Patente zu sichern, aber es hat ihnen einfach zu lange gedauert, um profitabel zu werden", ist die Gartner-Analystin überzeugt.