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Zögerlicher Start der Bankomatkarte am Handy

Ein halbes Jahr nach der offiziellen Einführung der mobilen Bankomatkarte herrscht noch Zurückhaltung bei den Banken, was den österreichweiten Roll-out betrifft. Lediglich die Bank Austria preschte vor und bietet das Zahlen per NFC-Handy seit Anfang November allen Kunden an. Raiffeisen stellt die mobile Bezahllösung seit Oktober zumindest Kunden in Oberösterreich, Tirol und Kärnten zur Verfügung. Die restlichen Bundesländer sollen 2016 folgen, wie die Bank auf futurezone-Anfrage mitteilt. Erste Bank und Sparkassen geben sich überhaupt mehr Zeit. Erst im Frühjahr soll die neue Bezahllösung für alle Kunden verfügbar sein.

SIM-Karte als Hürde

Über Kundenzahlen will angesichts des frühen Stadiums noch niemand reden. Als Hürde der von PSA Payment Services Austria und den Banken entwickelten Lösung gilt weiterhin die Anmeldung. Um die Bankomatkarte tatsächlich am Handy speichern und damit auf NFC-fähigen Terminals bezahlen zu können, muss der Kunde den Dienst nicht nur bei seiner Bank anmelden und freischalten lassen, sondern benötigt auch eine neue NFC-fähige SIM-Karte, auf der die Daten sicher gespeichert werden. Diese kann wiederum nur bei A1, Drei und T-Mobile bezogen werden – Kunden, die auf Anbieter wie HOT setzen, schauen durch die Finger.

Dazu kommt, dass das Handy NFC-fähig und zumindest mit Android 4.1 bestückt sein muss. Da Apple die Schnittstelle für die Drahtlostechnologie nicht zur Verfügung stellt, bleiben auch alle iPhone-Nutzer außen vor. „Dass Kunden sich eine neue SIM-Karte holen müssen, ist sicher eine Hürde – anders geht es sicherheitstechnisch aber leider nicht. Das Interesse, mit dem Handy bezahlen zu wollen, ist aber definitiv da, das spüren wir schon in diesen ersten Wochen“, sagt Bank-Austria-Sprecher Matthias Raftl zur futurezone. Sei die Hürde überwunden, funktioniere das Bezahlen aber einwandfrei und ohne Einschränkungen wie mit einer NFC-fähigen Bankomatkarte.

Drei integriert Kundenkarten in App

Auch bei den Mobilfunkern wird die mobile Kartenlösung mit unterschiedlicher Intensivität beworben. Während Drei mit einer eigenen, kostenpflichtigen App sich als Drehscheibe für Zahlungen positionieren möchte, haben auch A1 und T-Mobile die notwendigen SIM-Karten im Angebot. Laut T-Mobile-Sprecher Helmut Spudich sieht man sich in diesem Fall aber eher als Zaungast und Beobachter, da es sich primär um eine Bankenlösung handle.

Eine App, wie sie Drei anbietet, in der auch Bonusprogramm-Karten von Händlern integriert werden, sei bei T-Mobile zudem nicht geplant. „Es gibt schon so viele App-Anbieter am Markt, die genau das abdecken. Ich denke kaum, dass sich Mobilfunker da profilieren können bzw. Kunden einen Mehrwert hätten“, sagt Spudich.

Erste Bank startet im Frühjahr

Erste-Bank- und Sparkassen-Kunden, welche die mobile Bezahllösung verwenden wollen, müssen sich überhaupt noch ein wenig gedulden. Im Frühjahr soll die mobile Bankkarte verfügbar sein, dafür soll die neue Lösung optimal in die eigene Banking-Plattform George und andere Erste-Apps integriert werden. Bestellvorgang und Aktivierung sollen über George und die Karten-App CardControl möglich sein. Verfügt der Kunde über die notwendige SIM, soll der Service innerhalb einer Stunde aktiviert werden können.

„Natürlich wäre es einfacher, wenn die ausgegebenen SIM-Karten schon von vornherein NFC-fähig wären und Kunden die mobile Bankkarte ohne SIM-Tausch praktisch in Echtzeit freischalten könnten“, sagt Wolfgang Zeiner von der Erste Bank. An der mobilen Lösung führe dennoch kein Weg vorbei, ist der Kartenexperte überzeugt. „Der Markt, die Kunden verlangen nach solchen Angeboten. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass die Karte am Handy bei allen NFC-fähigen Terminals, also auch im Ausland zum Zahlen verwendet werden kann“, sagt Zeiner.

Kostenfrage SIM-Tausch

Dass die Mobilfunker von sich aus alle SIM-Karten austauschen oder auch neue SIM-Karten ungefragt mit NFC-Funktionalität ausgeben, dürfte in nächster Zeit wohl kaum passieren. „Von T-Mobile sind allein in Österreich vier Millionen SIM-Karten im Umlauf, gesamt dürften es zehn Millionen sein. Alle Karten auszutauschen würde wohl einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten, der von den Banken auch nicht abgegolten wird“, sagt T-Mobile-Sprecher Spudich. Angesichts der erst begonnenen technischen Implementierung sei das Risiko eines derart umfangreichen Roll-outs auch zu groß.

Beim Finanzdienstleister PSA, der das System im Hintergrund entwickelt hat, sieht man derzeit keinen Grund zur Sorge. Der Roll-out verlaufe nach Plan, man habe immer damit gerechnet, dass nach dem Feldtest im Juni und weiteren Einführungen durch die Banken 2016 das Schwerpunktjahr für die mobile Bankomatkarte wird, teilt eine PSA-Sprecherin auf futurezone-Anfrage mit. „Mobile Bezahlservices liegen im Trend. Die Leute wollen mit dem Gerät zahlen, das sie ohnehin jeden Tag verwenden und daher gut kennen. Das Feedback von Usern ist bisher ausgezeichnet“, so die Sprecherin.

NFC-Zahlungen steigen

Während sich das Schicksal bzw. die Akzeptanz der mobilen Bankomatkarte offenbar erst im kommenden Jahr zeigen wird, zeichnet sich zumindest beim kontaktlosen Bezahlen mittels NFC-Bankomatkarte eine deutliche Trendwende ab. Wurden im August vergangenen Jahres erst 2,7 Prozent aller Kartentransaktionen kontaktlos durchgeführt, waren es im Oktober 2015 bereits 9,3 Prozent. Mit Ende des Jahres werden zudem alle österreichischen Bankkunden eine NFC-fähige Karte haben. In einem weiteren Schritt sollen sukzessive auch Bankomaten aufgerüstet werden. Das Geldabheben wäre dann ebenfalls mit Drahtlos-Karte oder Android-Smartphone möglich.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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