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7 kreative Games abseits des Mainstreams

Videospiele sind so vielseitig wie kaum ein anderes Medium. Sie können Blockbuster sein, sie können Kunst sein, sie können Geschichten erzählen und zum Nachdenken bringen. Während die ganze Welt im Zelda-Fieber ist, trafen sich Entwickler*innen und Künstler*innen zum inzwischen 12. Mal auf dem A MAZE Festival, um ihre Spiele zu zeigen. Wir waren dort und haben 7 Games-Empfehlungen für euch mitgebracht.

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South of the Circle

Im Jahr 1964 strandet eine Expedition an der Antarktis. Als Klimaforscher Peter kämpfen sich Spieler*innen durchs ewige Eis, auf der Suche nach Hilfe. Nahtlos fügen sich Rückblenden ein, die zeigen, wie Peter überhaupt in diese missliche Lage geraten ist.

Trotz des minimalistischen Designs schaffen es die Entwickler*innen, eine intensiv erlebbare Geschichte zu erzählen. Mit sehr einfachen Steuerelementen beeinflussen Spieler*innen die Stimmung und Reaktionen von Peter. Auch wenn es auf den ersten Blick wirkt, als könnte man nur ab und zu ein paar Knöpfe drücken, zieht die Möglichkeit, Peter's Charakter und damit sein Handeln zu beeinflussen, immer tiefer ins Spiel hinein.

South of the Circle ist eine bezaubernde Liebesgeschichte, die während des Kalten Kriegs spielt. Immer wieder werden Loyalitäten und Konventionen hinterfragt. Die zurückhaltende Inszenierung kombiniert mit den großartigen schauspielerischen Leistungen, unter anderem von Gwilym Lee (Bohemian Rhapsody), machen das Spiel zu einer fesselnden Erfahrung.   

South of the Circle ist für PC (Steam, GoG), Xbox Series, PS4 und PS5 und Nintendo Switch erschienen und kostet 12,99 Euro.

Once upon a Jester

Als fröhlicher Hofnarr Jester reist man in diesem charmanten, herzigen Spiel durch die Lande, um die Bevölkerung mit Theatershows zu begeistern. Verpackt in diesem fast kindlich anmutenden, bunten Spiel ist allerdings viel Schwarzer Humor - und ein unheimlicher Fluch. 

Das Spielprinzip ist wirklich gelungen. Jeden Tag streift man durch die Stadt und versucht heraufzufinden, was die Menschen dort am Abend sehen möchten - etwas gruseliges, romantisches, actionreiches oder doch ein Musical? Anhand dieser Infos muss man sein Programm gestalten, um irgendwann im Palast der Prinzessin aufzutreten.

Ganz viele Feinheiten machen das Spiel der beiden niederländischen Musiker von Bonte Avond zu einer solchen Freude. Zum einen die authentische Synchronisation, die ein bisschen wirkt, als hätten sie sich mit ein paar Freunden (und ein paar Bier) zusammengesetzt und einfach drauflosgeplappert. Zum anderen ist es jedes Mal spannend, auf der Bühne zu improvisieren und so immer wieder neue, oft philosophische Fragen aufwerfende Shows zu spielen.  

Once upon a Jester ist für PC (Steam) und Nintendo Switch erschienen und kostet 14,99 Euro.

Signalis

Ist es noch ein Geheimtipp, wenn es gerade erst 2 Trophäen beim deutschen Computerspielepreis abgestaubt hat? Ich sage mal ja - denn man kann eigentlich gar nicht oft über das Survival-Horror-Spiel reden. 

Natürlich ist Signalis was fürs Auge, denn die grau-schwarz-rote, detaillierte Pixelgrafik mit Anime-Einschlägen ist einfach gelungen. Zusammen mit dem intensiven Sounddesign schafft das Hamburger Entwicklerduo von rose-engine in seinem Debütspiel eine wirklich unheimliche Atmosphäre. 

Das allein macht aber noch kein großartiges Spiel, erst die clevere Story macht das Spiel herausragend. In einer Zukunftsdystopie spielt man Replika (also Maschine) Elster, die mit ihrem Raumschiff abgestürzt ist und ihren menschlichen Gegenpart, Ariane, sucht. Dabei werden einerseits die Machenschaften eines totalitären Regimes beleuchtet, sowie die Erinnerungen von Elster untersucht. Die Geschichte ist oft kryptisch, das Setting ist komplex und lässt viel Interpretationsspielraum. Trotzdem ist die Story im Kern persönlich und emotional. 

Signalis ist für PC (Steam), Xbox One, PS4 und Nintendo Switch erschienen. Es kostet 19,99 Euro und ist derzeit im Xbox Game Pass enthalten.

Producer 2021

Wenn man ein Spiel des Österreichers Stuffed Wombat vor sich hat, weiß man schon, dass alle Konventionen zugunsten von kreativem Wahnsinn aufgegeben wurden - und das meine ich im besten Sinne. Producer 2021 macht da keine Ausnahme. Das Text-Adventure ist so selbst referenziell, dass man eher das Gefühl hat, mit dem Game zu kommunizieren, als es zu spielen. 

Die Welt, durch die man sich hier bewegt wirkt auf den ersten Blick bekannt, aber nur so bekannt, wie in einem Douglas-Adams-Roman. Oft weiß man gar nicht so richtig, was eigentlich gerade passiert, das ist aber gar nicht so schlimm. Man lässt sich einfach auf diese wundersame Reise ein. Es gibt auch ein Ziel, die Welt zu retten, aber so wirklich wichtig ist das gar nicht. 

Stattdessen beschäftigt man sich vielmehr mit sich selbst. Wenn das Spiel mir sagt, dass nur Aktionen wertvoll sind, die Erfahrungspunkte bringen und mich hochleveln, ohne mir zu sagen, was mir das bringt - dann ist das keine Spielmechanik, sondern ein Leistungssystem. Producer 2021 hinterfragt den Turbokapitalismus und zeigt die Erschöpfung der Arbeitenden, die darin gefangen sind, ohne zu verstecken, dass die Gamesindustrie ein Teil davon ist. Verpackt ist das in eine humorvolle, interessante Geschichte mit einem starken Soundtrack.

Producer 2021 kann für 9,75 Euro auf Steam gekauft werden.

The Forest Quartett

In diesem musikalischen Puzzle-Game werden die Mitglieder einer Jazzband für ein Abschiedskonzert zusammengebracht. Das Spiel schafft dabei mit einfachen Mitteln eine emotionale Tiefe, die sich vor allem über das gelungene Sounddesign überträgt.

Nina, die Sängerin der Jazzband The Forest Quartet, ist verstorben. Die Mitglieder der Band wollen ihr zu Ehren ein Abschiedskonzert spielen. Stattfinden soll es auf ihrer eigenen Waldbühne, wo die Musiker*innen gemeinsam gearbeitet haben. Als Geist von Nina müssen Spieler*innen Puzzle lösen, um die Band zu ihren Instrumenten zu bringen. 

Natürlich ist es nicht überraschend, dass ein Spiel über eine Jazzband ein starkes Sounddesign hat. Bewegungen und Berührungen erzeugen eine spannende Klangkulisse. Interviews mit den Bandmitgliedern geben einen tieferen Einblick in die Dynamik der Gruppe. Vor allem aber der Umgang mit der Trauer um Nina steht im Mittelpunkt der Geschichte. Über die 3 Akte des Spiels muss Ninas Geist gegen die inneren Dämonen ihrer Kollegen kämpfen - seien es Monster, Finsternis oder ein feuerspukender Vulkan. Clever und ohne zu bedeutungsschwanger werden die spielerischen Aufgaben zu Metaphern für die Psyche der Bandmitglieder.

The Forest Quartet ist für PC (Steam) und PS4 und PS5 erschienen. Es kostet 9,99 Euro, eine Version für die Nintendo Switch ist in Arbeit.

Psychotic Bathtub

Eigentlich verbindet man mit einem Bad Entspannung. Nicht aber, wenn man wie Ophelia in Psychotic Bathtub mit seiner psychotischen Störung ringt. Jeder Klick könnte hier der letzte sein.

Das Design des Spiels ist kunstvoll. Die verzerrten Objekte, und die Farbgebung - etwa das blutrote Badewasser - könnten auch aus einem Horrorspiel stammen. Das erzeugt eine, verstörende, beklemmende Atmosphäre, die der Ernsthaftigkeit des Inhalts gerecht wird. 

Die Störung ist zwar fiktional, die Symptome, wie Schuldgefühle, selbstzerstörerische und intrusive Gedanken, sind aber echt. So diskutiert man Familienbeziehungen mit seiner Badeente aus, während Rotwein zu tödlichem Gift werden kann. Die eigentlich helfenden Pillen werden infrage gestellt und so bewegt man sich ständig an der Grenze zwischen Leben und Tod. So gelingt es der Schweizerin Natasha Sebben, eindrücklich und mit dem nötigen Respekt, psychotische Störungen erfahrbar zu machen. 

Psychotic Bathtub kann kostenlos für Windows heruntergeladen werden (hier). 

Finding Hannah

Das Berliner Studio Fein entwickelt Spiele, die sich vor allem an Frauen richten, abseits von Klischees und ausgelutschten Mustern. Finding Hannah ist nicht nur optisch herausragend, sondern findet einen cleveren Weg, eine interaktive Geschichte über das Glücklichsein zu erzählen. 

Eigentlich hat Hannah alles was man sich wünschen kann: Eine schöne Wohnung, einen guten Job und tolle Freunde. Warum also ist sie nicht glücklich? Dieser Frage geht man gemeinsam mit ihr nach und schnell zeigt sich, dass der Job, der so viel Zeit in ihrem Leben einnimmt, ihre Ideale und Träume zunehmend erstickt. 

Die Geschichte wird in Kapiteln erzählt, die durch Mini-Spiele und Wimmelbilder verbunden sind. Das ist eine eher ungewöhnliche Erzählform, denn man fragt sich zu Beginn schon, was genau das Suchen von irgendwelchen Objekten mit dem Inhalt zu tun hat. Aber das Gefühl, schnell etwas im Chaos finden zu müssen, die Wahrnehmung zu schulen und Kleinigkeiten im großen Ganzen zu finden, sind eine überraschend gute Metapher für die Überforderung, die man manchmal im Alltag spürt. 

Finding Hannah ist um 6,99 Euro für PC (Steam), iOS (2,49 Euro) und Android (3,59 Euro) verfügbar. Die mobile Version kann kostenlos ausprobiert werden, bevor man den Rest kostenpflichtig freischalten muss. 

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Franziska Bechtold

frau_grete

Liebt virtuelle Spielewelten, Gadgets, Wissenschaft und den Weltraum. Solange sie nicht selbst ins Weltall kann, flüchtet sie eben in Science Fiction.

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