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E-Bike auf 70 km/h frisieren: Was Radlern droht

Wer viel mit dem Fahrrad unterwegs ist, dem wird die immer größere Zahl an E-Bike-Fahrer*innen aufgefallen sein. Laut Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) wurden 2021 etwas mehr als 490.000 Fahrräder verkauft - 45 Prozent davon E-Bikes. Rechnet man Räder für Kinder und Jugendliche heraus und nimmt nur die Räder für Erwachsene her, kommt man sogar auf einen Anteil von 55 Prozent.

Ebenfalls ein mittlerweile gewohntes Bild sind solche Radler*innen, die durch ihre Geschwindigkeit hervorstechen. Sie düsen mit den doch einigermaßen schweren Pedelecs mit 40km/h oder mehr über den Radweg. Eigentlich sollte die Motorunterstützung bei E-Bikes ab 25km/h aussetzen. Will man schneller fahren, ist man auf seine reine Muskelkraft angewiesen.

Doch diese Beschränkung lässt sich aushebeln. Zumeist wird dabei spezielle Hardware eingesetzt, die an den jeweiligen E-Bike-Motor angepasst ist. In Europa ist etwa Bosch der Marktführer bei E-Bike-Motoren. 

Eine kurze Suche beim bevorzugten Online-Händler liefert schnell Ergebnisse zu entsprechenden Tuning-Gerätschaften. In vielen Fällen reicht es aus, die Abdeckung des Motors abzuschrauben und ein kleines Gerät mit den Steckverbindungen im Motorraum zu verbinden. Kann man einen Schraubenzieher und eine Zange halten, ist die Prozedur in weniger als 10 Minuten erledigt. Die Macher*innen des SpeedBox-Chips berichten, dass sie E-Bikes im Rahmen von Tests bereits auf über 70 km/h beschleunigen konnten.

Die Kosten für das Tuning-Gerät liegen, je nach E-Bike-Marke, zwischen 170 und 300 Euro. In Anbetracht der Tatsache, dass die E-Bikes selbst nicht selten mehrere tausend Euro kosten, eine überschaubare Zusatzinvestition. 

Einmal installiert, liefert der Motor so viel Leistung, wie er nur kann. Wer sich den Umbau selbst nicht zutraut, kann ihn auch bei einer mit E-Bikes vertrauten Fahrradwerkstatt machen lassen, sofern sich jene dazu bereit erklärt. "Es wird immer wieder danach gefragt" sag Florian Fortner, vom E-Bike-Fachgeschäft Elektrobiker im 7. Wiener Gemeindebezirk gegenüber der futurezone. Er selbst wolle den Einbau aber nicht anbieten. 

Was erlaubt ist

Damit ein Fahrrad noch als solches gilt, darf es maximal eine Bauartgeschwindigkeit von 25km/h und/oder eine maximale Leistung von 600 Watt erreichen. Wer sein E-Bike tuned, der begibt sich rechtlich oft auf dünnes Eis, aber nicht zwangsweise, wie Armin Kaltenegger, Jurist beim Kuratorium für Verkehrssicherheit KFV gegenüber der futurezone erklärt: “Der Eingriff selbst ist nicht verboten.”

So kann es etwa durchaus sein, dass selbst ein getuntes E-Bike unter der gesetzlichen Grenze bleibt. Zwar könne es dann sein, dass man im Falle eines Unfalls aufgrund des Tunings dennoch Probleme bekommt, in der Praxis sei das aber nicht gängig, so Kaltenegger. Möglich wäre natürlich auch, dass man mit dem getunten E-Bike nur auf Privatgelände fährt - das ist nicht verboten. 

Was nicht mehr erlaubt ist

Wenn man durch Tuning aber die genannte Grenze überschreitet und im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs ist, erwarten einen laut Kaltenegger “ein ganzes Bouquet an Rechtsfolgen”. Das Fahrzeug gilt dem Juristen zufolge dann nicht mehr als Rad, sondern als Moped. Somit verstößt man gegen die: 

  • Führerscheinpflicht: Da das Fahrzeug rechtlich dann ein Moped ist, ist dafür in Österreich ein Führerschein notwendig.
  • Versicherungspflicht: Damit man in Österreich am Verkehr teilnehmen kann, muss man eine Haftpflichtversicherung abschließen, damit es im Falle eines Unfalls nicht zu negativen finanziellen Konsequenzen für die Beteiligten kommt.
  • Helmpflicht: Für Mopeds gilt eine Helmpflicht, für Fahrräder nicht.
  • Ausstattungsvorschriften: Ein Moped muss mit ganz anderer Ausstattung kommen, als ein Fahrrad. Das betrifft etwa Sitz, Bremsen und mehr. 

“Der Polizist kommt dann bei einer Kontrolle kaum noch aus dem Schreiben heraus”, sagt Kaltenegger. Noch unangenehmer wird es für Fahrer*innen getunter E-Bikes, wenn es zu einem Unfall kommt, wie Kaltenegger ausführt. So verliert man durch das Fahren mit einem getunten Bike den Versicherungsschutz durch eine Haftpflichtversicherung, die in Österreich oft in der Haushaltsversicherung integriert ist. “Da ich keinen Versicherungsschutz habe, muss ich alle zivilrechtlichen Folgen selbst zahlen”, so der Jurist. Bei Personenschäden mache man sich sogar strafbar, wenn das Tuning unfallkausal war. Und Unfälle können leicht passieren: Reifen oder Bremsen sind oft nicht auf derart hohe Geschwindigkeiten ausgelegt.

“Wenn man Tuning macht, sollte man sich also nicht erwischen lassen, weil das kostet deutlich mehr als das Fahrrad selbst”, konstatiert Kaltenegger. 

Unfälle und wie kontrolliert wird 

Kontrolliert werde laut Anfrage bei der Landespolizeidirektion Wien ganzjährig, aber “insbesondere in den wärmeren” Monaten an gezielten Fahrrad-Schwerpunkten. “Bei Verdacht der Überschreitung der höchstzulässigen Bauartgeschwindigkeit gibt es für E-Bikes, so wie bei Mopeds, die Möglichkeit diese auf die sogenannte ‘Walze’ zu stellen”, sagt Polizei-Sprecher Christopher Verhnjak: “Mit dieser Vorrichtung kann man die tatsächliche Leistungsfähigkeit (Höchstgeschwindigkeit) des Gerätes feststellen”. Überschreitet man die gesetzlichen Grenzen, kann es “sehr schnell sehr teuer” werden.

Er weist auch darauf hin, dass es durch das Tuning höhere Gefahren- und Verletzungsrisiken gibt, da Fahrräder oft nicht für diese Geschwindigkeit ausgelegt sind. E-Bike-Händler Fortner warnt außerdem davor, dass durch das Tuning Garantieansprüche der Fahrradhersteller erlöschen. 

Wie oft es bei getunten E-Bikes zu Strafen oder Unfällen kommt, lässt sich nicht sagen. Laut der Landespolizeidirektion werden keine gesonderten Statistiken zu E-Bikes geführt.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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