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“Wir wollen das Handyladekabel für E-Autos sein”

Der next-incubator der Energie Steiermark sucht immer nach Möglichkeiten, Start-ups und Organisationen zu unterstützen, die sich das Thema Nachhaltigkeit und Klimaneutralität auf die Fahnen geschrieben haben. Der Ausbau der E-Mobilität ist ein wichtiger Bestandteil einer lebenswerten Zukunft und somit auch ein Anliegen des next-incubators.

Wer sich ein E-Auto anschaffen will, muss sich allerdings eine wichtige Frage stellen: “Wie lade ich mein Auto zu Hause am besten auf?” Die Antwort darauf ist nicht leicht. Am einfachsten wäre es, das Fahrzeug direkt an die Steckdose anzustecken. Das dauert allerdings eine gefühlte Ewigkeit. Ein Starkstromanschluss beschleunigt den Ladevorgang. Oft wird dazu eine Wandladestation empfohlen, auch “Wallbox” genannt. Auch hier hat man die Qual der Wahl.

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Einstecken und laden

Christian Kranz, Gründer des steirischen Unternehmens NEcharge, stellte sich diese Frage, als er Anfang 2021 ein E-Auto kaufte. Weil er mit bestehenden Produkten unzufrieden war, beschloss er, eine eigene Lösung zu entwickeln. “Wir wollen das Handyladekabel für E-Autos sein”, beschreibt es Kranz: "Keine Apps, kein Fachwissen, einfach anstecken und laden."

Im Sommer 2022 brachte man den NEcharge One auf den Markt - ein mobiler Wallboxersatz mit einer Ladeleistung von 11 Kilowatt. Die Ladelösung kann an eine haushaltsübliche Starkstromsteckdose angesteckt werden, das andere Ende kommt ins E-Auto (Typ-2-Stecker). Ist das Auto geladen, kann man das Kabel wieder in den Kofferraum des Autos verfrachten.

NEcharge Pro erkennt Stromverbrauch

Die Idee überzeugte den next-incubator, den Kranz über persönliche Kontakte kennenlernte. Gemeinsam arbeitete man am zweiten Produkt, dem NEcharge Pro. Mit dem mobilen Ladekabel können Kund*innen nicht nur ihr E-Auto laden, sondern sehen auch, wie viel Strom sie für die Ladung verbrauchen. 

Das ist besonders für jene interessant, die ihr E-Auto von ihrem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt und die Ladekosten vergütet bekommen. “Außerdem ist es für die Firmen besser, wenn die Mitarbeiter*innen ihre Autos Zuhause laden, da es günstiger ist als öffentliches Laden und man weniger Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz braucht”, weiß Kranz.

Die mobile Ladelösung von NEcharge.

Im Technikzentrum der Energie Steiermark stellte der next-incubator das Know-how in Sachen Power Quality Management und Eichung zur Verfügung. "Wichtig war uns dabei, dass es sich um ein lokales Unternehmen handelt", sagt Patrick Landerl vom next-incubator: "Außerdem konnten wir aus unserer Erfahrung mit Ladestelleninfrastruktur schöpfen." In den Labors des Energieanbieters wurden verschiedene Ladeumgebungen simuliert und das neue Ladekabel auf Herz und Nieren geprüft. 

NEcharge setzt zur Gänze auf lokale Produktion: Hergestellt wird bei der GPV Group im steirischen Rottenmann, das Gehäuse kommt aus Graz, das Kabel vom deutschen Unternehmen Phönix Contact. Das kostet zwar mehr als bei der Konkurrenz, laut Kranz ist es das den Kund*innen aber wert: “Ich glaube, die Leute schätzen es einfach, wenn es einen lokalen Ansprechpartner gibt, der auch lokal produziert.”

Weniger als 1 Prozent Abweichung

Aus der Zusammenarbeit entstand ein eigener Algorithmus, der genau berechnet, wie viel Strom in das E-Auto fließt. “Wir schaffen es, dass die Ergebnisse unseres Ladekabels weniger als 1 Prozent vom realen Stromverbrauch abweicht”, ist Kranz stolz. Zum Vergleich: Die Messgeräterichtlinie der EU (MID, Measuring Instruments Directive) schreibt Abweichungen von unter 3,5 Prozent vor. 

Die Produktion des NEcharge Pro startet im April, App und Backend für die Abrechnung für Unternehmen gibt es kostenlos dazu. Von Abo-Modellen hält Kranz nichts: “Wir sind fairer Hardwareverkäufer ohne versteckte Kosten, die später irgendwann einmal um die Ecke kommen.” 

Als nächster Schritt sollen die NEcharge-Produkte dauerhaft in der Energie Steiermark verankert sein. "Wir vertreiben das NEcharge One schon länger und jetzt wollen wir das neue Produkt einerseits bei uns selbst einsetzen, andererseits auch an unsere Kunden weitergeben", sagt Landerl.

Offen für Ideen

Wer selbst Ideen hat oder an einem Produkt arbeitet, das die Energieversorgung oder den -verbrauch nachhaltiger macht, kann sich direkt beim next-incubator melden. Außerdem gibt es regelmäßige Events und Challenges, bei denen man mit dem Team der Energie Steiermark in Kontakt treten kann.

 

Der Artikel entstand in einer Kooperation zwischen futurezone und dem next-incubator der Energie Steiermark.

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Marcel Strobl

marcel_stro

Ich interessiere mich vor allem für Klima- und Wissenschaftsthemen. Aber auch das ein oder andere Gadget kann mich entzücken.

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